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Haltung und Mast

Sozialversicherungsverband warnt vor Gasunfällen

von , am
10.05.2010

Kassel - Im Melkstand droht unter Umständen die Gefahr von Gasunfällen. Das zeigt jetzt der Fall eines Landwirts, der nach einer Verpuffung im Melkstand Verbrennungen zweiten Grades erlitten hat.

© landpixel.de

Der Spitzenverband der landwirtschaftlichen Sozialversicherung in Kassel berichtete in der vergangenen Woche über einen Landwirt, der Verbrennungen zweiten Grades erlitten habe, als er mit brennender Zigarette einen Karussellmelkstand betreten habe.

Obwohl der angrenzende Außenklimastall über dem Futtertisch offen und die Tore sowie die Lichtplatten an den Längsseiten geöffnet gewesen seien, habe sich im Melkstand durch die Türöffnung Güllegas sammeln und ein explosives Gemisch bilden können. Laut Spitzenverband ist dies der erste gemeldete Fall, in dem ein Außenklimastall betroffen ist.

Wie der Verband weiter mitteilte, ist der 2.500 cbm fassende Güllekeller zum Zeitpunkt des Unfalls fast vollständig gefüllt gewesen. Da der Landwirt am nächsten Tag Gülle habe ausbringen wollen, sei das elektrische Rührwerk eingeschaltet gewesen. Außerdem sei es nahezu windstill gewesen, was aller Voraussicht nach zum Unfall beigetragen habe.

Der Spitzenverband gibt eine Reihe von Empfehlungen, um einen ähnlichen Unfall in Zukunft zu vermeiden:

  • So sei ein Aufrühren der Gülle in Gebäuden gemäß den Unfallverhütungsvorschriften nur bei eingeschalteter Zwangsentlüftung zulässig.
  • Auch in an den Stall angrenzenden Räumen sei eine Zwangsbelüftung vorzusehen, insbesondere in Räumen unter Erdgleiche.
  • Wenn Gülle aufgerührt werde, müsse offenes Feuer ebenso vermieden werden wie das Rauchen sowie Schweiß- und Flexarbeiten im Stall oder in angrenzenden Gebäuden.
  • Gebäudeteile, in die Gas einströmen könne, müssten verschlossen werden.

Dem Verband zufolge kann es beim Einatmen von Güllegas schon nach wenigen Atemzügen zu Bewusstlosigkeit oder Tod kommen. Die Bestandteile von Güllegas, Methan und CO2, seien geruchlos, und der enthaltene Schwefelwasserstoff betäube in hoher Konzentration die Geruchsnerven. Die zuständige landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft berate auf Wunsch schon in der Planungsphase von Stallbauten, um Gasgefahren konstruktiv zu vermeiden. (AgE)

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