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Kommentar

Spendenbetrug von Tierschützern? Wo ist das Kalb Zwergi?

Sabine Leopold, agrarmanager
am
14.06.2016

Seit einigen Wochen wirbt das Deutsche Tierschutzbüro um Spenden für das "gerettete" Kalb Zwergi. Aber die Zweifel am Wahrheitsgehalt der dramatischen Geschichte mehren sich.

Erinnern Sie sich an Zwergi, jenes Holsteinkalb, das das Deutsche Tierschutzbüro angeblich vor einigen Wochen mit viel medialem Getöse rettete? Und für das man noch immer eine Patenschaft von monatlich mindestens 10 Euro abschließen kann, damit das arme Tier nicht doch noch in den Fängen der bösen Milchindustrie landet?

Einige Brandenburger Landwirte fanden die Geschichte ein wenig – nun sagen wir: fischig. Zudem wird das Kalb nirgends vermisst. Und wo, bitteschön, steht Zwergi jetzt? Das Tierschutzbüro macht ein großes Geheimnis um die Sache. Alles zum Schutz des Tieres, versteht sich. Nur die Nummer vom Spendenkonto ... die erfährt man ganz leicht!

Frage an den Landtag: Wo ist Zwergi?

Bei einer Fragestunde des Potsdamer Landtages brachte der ehemalige Landesbauernpräsident Udo Folgart die Geschichte aufs Tapet. Seine Anfrage an Innenminister Karl-Heinz Schröter: "Was ist dran an Zwergis "Rettung" und seinem neuen Leben auf einem Gnadenhof? Oder geht es am Ende doch um Spendenbetrug? Kurz: Wo ist Zwergi?" Selbst der rbb nahm sich des Themas an, allerdings zugegebenermaßen ohne allzu viel Ernst. Zu albern erschien den TV-Kollegen wohl die Anfrage. Dabei dreht es sich tatsächlich um einen strafrechtlich relevanten Fakt.

Jan Peifer, vom rbb dazu befragt, rudert inzwischen zurück: "Zwergi stünde nur stellvertretend als Symbol für die Ausbeutung und das Leiden von Millionen von Milchkühen." Aha. Warum man für das "Symbol" allerdings einen hollywoodreifen Filmstreifen drehen und eine tränentriefende Geschichte erfinden musste, das sollte uns Herr Peifer schon auch noch erklären. Schwer dürfte es ihm nicht fallen, Phantasie hat er allemal genug.

Der Brandenburger Innenminister wartet derweil noch auf das Fahndungsergebnis der SOKO Zwergi. Und wir auch. Wir bleiben dran.

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