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Haltung und Mast

Stallklima: Die richtigen Ventilatoren für den Milchviehstall

von , am
23.10.2014

Besonders im Hochsommer kann sich Hitzestress belastend auf die Leistung bei Milchkühen auswirken. Der richtige Einsatz von Ventilatoren wirkt sich positiv aufs Stallklima aus.

Kleinere Ventilatoren über dem Melkstandeingang kühlen und halten auch Fliegen fern. Sie müssen regelmäßig gereinigt werden. © LUF
Hitzestress im Milchviehstall: das gilt es tunlichst zu vermeiden. Gerade in niedrigen, sehr breiten oder nicht optimal angeströmten Ställen staut sich die Luft. Abhilfe schaffen Ventilatoren. Selbst bei sehr großvolumigen Ställen gibt es oft Stallbereiche, zum Beispiel vor Mauern, in denen die Luft "steht" und sich somit Wärme, Feuchte und auch Schadgase ansammeln.
 
Mit Ventilatoren soll Luft im Stall bewegt werden, wodurch sich das isolierende Luftpolster um das Tier auflöst. Durch diese Luftbewegung von 1 bis über 2 m/s zwischen den Tieren und um die Tierkörper herum ergibt sich ein Abkühleffekt (Windchilleffekt) und damit eine große thermische Erleichterung für die Milchkühe.

Die Wahl der richtigen Ventilatoren für den Milchviehstall

Bei der Wahl geeigneter Ventilatoren sind die Stallhöhe und der Strombedarf zu berücksichtigen. Axialventilatoren als Langsamläufer mit etwa 500 U/min und Durchmessern von 1,20 bis 1,50 m kommen in hiesigen Rinderställen häufig zum Einsatz und stellen eine wirtschaftliche Lösung dar. Je nach Größe erreichen solche Ventilatoren einen Luftdurchsatz von 30.000 bis 50.000 m³ je Stunde.
 
Alternativen zur Verbesserung des Stallklimas können mehrere kleinere Axialventilatoren mit 50 bis 70 cm Durchmesser und >1000 U/min als Block geschaltet darstellen. Schnellläufer mit 50 cm Durchmesser können 5.000 m³/Stunde durchsetzen. Zur Erbringung der gleichen Luftleistung haben größere Ventilatoren eine geringere Leistungsaufnahme und sind sparsamer als kleinere Ventilatoren mit höheren Drehzahlen.

Für relativ freie Räume wie Warteräume oder hohe Ställe können auch vertikal strömende Deckenventilatoren eingesetzt werden. Je nach Baugröße von bis zu 6,30 m Durchmesser, erzeugen solche Ventilatoren Luftbewegungen von mehr als 200.000 m³ je Stunde. Dieser Luftvolumenstrom wird durch Stalleinrichtung und Aufkantungen verwirbelt und von der natürlichen Luftbewegung beeinflusst.

Ventilatoren für das Stallklima rechtzeitig einschalten

Bereits ab 18 bis 20°C sollte im Milchviehstall mit der Unterstützungslüftung begonnen werden, also bereits vor Einsetzen einer Wärmebelastung für die Tiere. Je nach eingesetztem Regelgerät, haben die Ventilatoren drei oder fünf Schaltstufen, so dass über einen weiten Temperaturbereich geschaltet werden kann. Die Schaltstufen der Thermostate sollten in etwa wie folgt gewählt werden: 18°C, 21°C, 24°C, 27°C und 30°C.
 
Da Ventilatoren im Rinderbereich auf das Jahr gesehen geringe Laufzeiten haben und bei Sommertemperaturen auf Volllast laufen, ist eine Frequenzsteuerung in den meisten Fällen zu teuer, um nicht nur Strom, sondern auch Kosten zu sparen.

Unterschiedliche Steuerung bei Ventilatoren im Stall

Die verbreitete Trafo-Stufenschaltung stellt für übliche Konstellationen energetisch und finanziell eine sinnvolle Lösung dar, weil der Stromverbrauch je 1.000 m³ Luftleistung gleich bleibt. Bei im Block formierten Ventilatoren ist es sinnvoll, mit einfacher Ein-/Ausschaltung zunächst nur einen einzuschalten und bei höheren Temperaturen den zweiten bzw. dritten dazu zuschalten. Bei Blockanordnung z. B. mit drei kleinen Ventilatoren können 20°C, 24°C, 28°C als Zuschaltpunkt gewählt werden. Durch Blockanordnung wird die Wurfweite erhöht und der Luftstrom stabilisiert.
 
Werden Schnellläufer kann sich eine stufenlose Regelung über Frequenzsteuerung lohnen, weil die hohen Luftgeschwindigkeiten nur bei starker Wärmebelastung benötigt werden. Die Ventilatoren sitzen dann zum Beispiel fest installiert in der Giebelwand. 

Ventilatoren im Milchviehstall richtig anbringen

Boxenlaufstall: Mit 20 Prozentpunkten honoriert © LUF
Die größeren Axialventilatoren zur Verbesserung des Stallklimas hängen in Boxenlaufställen frei und werden in Reihe parallel zum Futtertisch angeordnet, damit ein kontinuierlicher Luftstrom durch den Stall gewährleistet ist. Wenn möglich, sollte dabei die natürlich anströmende Luft mitgenommen werden. Soll Frischluft von der kälteren Giebelseite angesaugt werden, sollte der maximale Abstand für den ersten Ventilator zum Giebel 6 m nicht überschreiten und für genügend Zuluftfläche z. B. durch einen geöffneten Giebel gesorgt werden. Die weiteren Ventilatoren werden in Abständen entsprechend ihrer spezifischen Wurfweite installiert.
 
Bei Langsamläufern kann für die Wurfweite angenommen werden: je 10 cm Rotordurchmesser 1,00 bis 1,20 m Wurfweite. So ergibt sich, dass z. B. alle 12 bis 17 m ein Ventilator aufgehängt wird. Jeder Ventilator ist für sich so zu installieren, dass er eine leichte Neigung von 15 ° hat, damit der Luftstrom bei den Tieren ankommt.
 
Ventilatoren sollen den Kühen das Fressen und das Liegen erleichtern und sind daher über den Kühen am Fressgang und vorrangig über den Liegeboxen anzuordnen. Das Futter oder die Laufgänge sollen dabei nicht getrocknet werden.
 
Sonderbereiche wie Vorwartehof oder der Melkstand- bzw. Melkrobotereingang sind ebenfalls zu berücksichtigen. In Wartehöfen können Deckenventilatoren für eine gute Luftumwälzung sorgen. Kleinere Ventilatoren mit höheren Drehzahlen eignen sich sehr gut für die Installation direkt über Eingängen und halten auch Fliegen fern.

Weitere Möglichkeiten zur Klimaoptimierung im Stall

Neben der Unterstützungslüftung durch Ventilatoren sollten weitere Maßnahmen zur Klimaoptimierung in vorhandenen Milchviehställen berücksichtigt werden:
  • Offene Traufseiten mit Curtainlüftung sind bereits sehr weit verbreitet und bieten gute Voraussetzungen für Querlüftung und Luftzufuhr, wenn sie geöffnet werden.
  • Durch die Öffnung der Giebelseiten lässt sich der Luftaustausch zusätzlich verbessern. Materialien für die Giebelgestaltung können Lochbleche, Curtains, Windnetze oder Spacebords sein, wobei die beiden ersten zu empfehlen sind, weil sie viel Licht zusätzlich in den Stall bringen.
  • Bei älteren Ställen finden sich häufig vergilbte oder sehr enge Firsthauben. Durch eine offenere Firstgestaltung lassen sich Luftaustausch und die Lichtverhältnisse im Stall verbessern. 
  • Lichtplatten in der Dachhaut führen gerade in Ställen mit Traufhöhen unter vier Metern zu einer starken Wärmeeinstrahlung in den Tierbereich und sollten gegen lichtstreuende oder lichtundurchlässige Platten ausgetauscht werden. In vielen Fällen hat sich dieses Problem bereits durch die Installation von Photovoltaikelementen erledigt. 













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