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Rinderfütterung

Statt Soja oder Raps: Eiweißalternativen für den Futtertrog

Ackererbsen
am Freitag, 08.04.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Der Krieg in der Ukraine hat die Futtermittelpreise nach oben schnellen lassen. Vor allem an Eiweißalternativen fehlt es. Könnten Ackerbohnen, Erbsen oder Lupinen interessant sein?

Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen haben als Nahrungs- und Futtermittel einen relativ hohen Energie- und Eiweißgehalt in den Samen. Dabei spielen Erbsen und ihre Verarbeitungsprodukte eine größere Rolle in der menschlichen Ernährung, während Ackerbohnen und Süßlupinen vorwiegend als Futtermittel genutzt werden.

Als Ersatz für Soja- oder Rapsextraktionsschrot könnten neben Futterharnstoff und getrockneter Getreideschlempe die großkörnigen Leguminosen Erbsen, Ackerbohne und Lupinen zum Einsatz kommen. In Biobetrieben spielen sie sogar eine zentrale Rolle, da hier Extraktionsschrote und Futterharnstoff verboten sind. Im Biobereich bemüht man sich außerdem verstärkt darum, einheimische Sojabohnen zu erzeugen.

Unterschiedliche Ansprüche

Ackerbohnen, weiß- und buntblühende Sorten, werden auf guten oder schweren, tiefgründigen Böden angebaut und haben einen relativ hohen Wasserbedarf. Süßlupinen beanspruchen leichte bis mittelschwere sandige, kalkarme Böden und vertragen trockene Perioden besser als andere Leguminosen.

Bei den Süßlupinen wurde der Alkaloidgehalt züchterisch auf weniger als 0,05 Prozent gesenkt (für die menschliche Ernährung muss der Wert unter 0,02 Prozent sein). Da weiß- und gelbblühende Lupinen anfällig gegen die Pilzkrankheit Anthraknose (Brennfleckenkrankheit) sind, besteht die Anbaufläche zu über 90 Prozent aus der blaublühenden Lupine (blaue oder Schmalblättrige LupineLupinus angustifolius), für die es auch das umfangreichste Sortenangebot gibt.

Erbsen gedeihen auf leichten bis mittelschweren, feinkrümeligen, humusreichen Böden mit guter Kalkversorgung. Buntblühende Sorten sind wüchsiger, weißblühende standfester (geringere Lagerneigung).

Hohe Stärkegehalte

Kuehe am Fressgitter

Alle drei Leguminosenarten zeichnen sich durch hohe Energiegehalte aus. Diese liegen deutlich über denen von Rapsextraktionsschrot. Diese Leguminosen gehören zu den energiereichsten Konzentraten überhaupt. Die Verdaulichkeit der organischen Substanz liegt bei über 90 Prozent. Dabei haben vor allem Ackerbohnen und Erbsen einen hohen Stärkegehalt. Die Beständigkeit der Stärke ist mit 20 bis 30 Prozent relativ hoch.

Dieser hohe Gehalt ist bei Einsatz von Erbsen und Ackerbohnen als alleinige Proteinquelle bei der Rationsgestaltung zu beachten. Daher müssen stärkefreie energiereiche Konzentrate, wie Trockenschnitzel, eingesetzt werden, um den Gehalt an Stärke und Zucker in der Ration unter 260 g/kg Trockensubstanz (TS) zu halten.

Der Rohproteingehalt liegt besonders bei Erbsen im unteren Bereich. Lediglich bei Lupinen erreicht er Gehaltswerte deutlich über 300 g Rohprotein je kg Trockensubstanz. Die Austauschäquivalente zu 1 kg Rapsextraktionsschrot betragen 1,3 kg Ackerbohnen, bei Erbsen 1 zu 1,7 kg und bei Lupinen 1 zu 1,2 kg TS.

Niedrige UDP-Gehalte

Auffallend niedrig ist der Gehalt an Durchflussprotein (UDP). Bei Leistungen ab 30 kg Milch pro Tag sollte der UDP-Anteil bei etwa 30 Prozent des Rohproteins liegen. Ein ungenügender Anteil an UDP begrenzt die Leistung und kann zu einem Stickstoffüberschuss führen. Durch hohe Ammoniakgehalte kann es dann zu erheblichen Leberschädigungen kommen.

Bei Ackerbohnen liegt der UDP-Anteil bei 17 Prozent (bei einer Passagerate von 5 Prozent) beziehungsweise 23 Prozent (bei einer Passagerate von 8 Prozent). Bei Erbsen und Lupinen liegen die Anteile bei 19 (5 Prozent Passagerate) bis 26 Prozent (8 Prozent Passagerate). Das ist auch der Grund, warum Körnerleguminosen nicht geeignet sind, bei höheren Leistungen als alleiniges eiweißreiches Konzentrat zum Einsatz zu kommen.

Es hat daher nicht an Versuchen gefehlt, den Gehalt an UDP durch Behandlungsverfahren zu erhöhen. In erster Linie hat man eine Kombination aus Temperatur, Feuchtkonditionierung oder Druck angewandt (nicht ganz richtig als „Toasten“ bezeichnet).

Während die Behandlungsverfahren bei Erbsen sehr widersprüchliche Ergebnisse zeigten, haben hydrothermische Verfahren bei der blaublühenden Lupinen eine Erhöhung des UDP von etwa 20 bis 25 Prozent auf 45 bis 50 Prozent gebracht.

Der Rohfettgehalt spielt bei Ackerbohnen und Erbsen keine Rolle. Bei den Lupinen liegt er mit 4 bis 8 Prozent etwas höher, aber auch das hat für die Fütterung keine besondere Relevanz.

Alle Leguminosen weisen einen niedrigen Calciumgehalt auf. Phosphor (4 bis 6 g/kg TS) liegt als Phytin-Phosphor vor. Er wird von den Pansenbakterien durch Phytasen freigesetzt. Das führt zu einer hohen Verwertung von 70 bis 80 Prozent, die für das Tier verfügbar sind. Bei der Rationsplanung kann diese Tatsache dazu führen, dass man im Mineralfutter kein Phosphor benötigt.

Antinutritive Wirkungen

Wie alle Pflanzen enthalten auch Körnerleguminosen sekundäre Inhaltsstoffe, die spezifische Wirkungen haben. Wirken sie sich negativ auf das Tier aus, spricht man von antinutritiven Inhaltsstoffen. Für die genannten Körnerleguminosen sind folgende zu nennen (beziehen sich auf die Samen):

  • Proteaseinhibitoren hemmen Enzyme der Proteinverdaulichkeit. Damit mindern sie die Proteinverdaulichkeit (bezieht sich vorwiegend auf die Aminosäure Trypsin). Dies spielt im Gegensatz zur Schweine- und Geflügelernährung in der Wiederkäuerfütterung eine untergeordnete Rolle.
  • Alpha-Galactoside (Vicine) führen zu übermäßiger Gasbildung im Verdauungstrakt und zu Störungen im Fettstoffwechsel.
  • Saponine lösen Hämolysen (Auflösung von roten Blutkörperchen) aus und hemmen Vitamin D.

Bei Ackerbohnen und Erbsen senken Tannine die Futteraufnahme und die Proteinverdaulichkeit. Liegt der Tanningehalt unter 1 Prozent, hat dies einen positiven Einfluss auf die Höhe des Durchflussproteins (UDP). Tanningehalte sind in den weißblühenden Sorten meist höher als in den buntblühenden.

Bei Süßlupinen konnte der Gehalt an Alkaloiden (Lupinin, Lupanin, Spartein und Angustifolin) auf weniger als 0,05 Prozent züchterisch gesenkt werden.

Um die Auswirkungen antinutritiver Stoffe zu vermindern, werden in der Fütterungspraxis Empfehlungen zu Einsatzhöchstgrenzen (Restriktionen) für die jeweiligen Futtermittel berücksichtigt.

Körnerleguminosen in die Ration

Der Einsatz von Körnerleguminosen in der Rinderfütterung ist für viele Biobetriebe eine wesentliche Säule der Energie- und vor allem der Proteinversorgung. In der integrativen Landwirtschaft steht der kombinierte Einsatz von Rapsextraktionsschrot mit Körnerleguminosen auf der Tagesordnung, da die physiologisch optimale Einsatzmenge von Raps und Rapsprodukten von 4 kg je Milchkuh und Tag teilweise überschritten wird.

Alle Erkenntnisse und praktischen Erfahrungen zeigen, dass es sowohl aus Sicht der bedarfsgerechten Energie- und Nährstoffversorgung als auch aus ökologischen Gesichtspunkten richtig ist, die grobkörnigen Leguminosen in die Rationen unserer Rinder einzubeziehen.

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