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Milchproduktion

Streit um Allgäuland: Bauern im Lieferstreik

© landpixel
von , am
30.08.2011

Wangen/Fischen - An die 100 Landwirte der "Allgäuer Bergbauern-Milch Sonthofen-Schönau" befinden sich derzeit im Lieferstreik. Bereits gestern erhielt Allgäuland 30.000 Liter Milch weniger.

Der Milchindustrie-Verband MIV rechnet mit einem durchschnittlichen Erzeugermilchpreis von 30 bis 31 Cent für das Jahr 2015. © icnivad/fotolia.de
Wie die Augsburger Allgemeine und der Radiosender RSA heute übereinstimmend berichten, befinden sich derzeit 100 Landwirte im Milchlieferstreik. Hintergrund ist die Ankündigung der Allgäuland-Käsereien, ab 10. September kein Milchgeld mehr auszahlen zu können. Die Bergbauern wollen mit ihrem Lieferstreik den Ausschluss aus ihrer Genossenschaft erzwingen. Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, überlassen sie die Milch anderen Molkereien.

Die Bergbauern-Genossenschaft sieht den Lieferstopp als Verstoß gegen die Satzung und Gesetze. Man sei weiter an einer einvernehmlichen Lösung interessiert, habe aber rechtliche Schritte eingeleitet. Eine Anwaltskanzlei, die die Landwirte berät, berichtet, dass bereits einige Landwirte einen Rückzieher gemacht hätten. Ob der Milchlieferstreik auch vor Gericht bestand hätte, kann der Anwalt nicht sagen.
 
In einem Rundschreiben appellieren Martin Kirchmann, Vorstandschef, und Vizevorstand Hubert Rupp an die Landwirte, sich nicht auseinanderdividieren zu lassen. Kirchmann: "Ich hoffe auf die Vernunft der Bergbauern - sonst droht ein Bauernkrieg."

Hintergrund: Arla-Übernahmeangebot und verschuldete Allgäuland-Käsereien

Die Allgäuland-Käsereien sind hoch verschuldet und drohen, Insolvent zu gehen. Die skandinavische Großmolkerei Arla Foods machte ein Übernahmeangebot, worüber die sechs Genossenschaften der Käsereien bis gestern abstimmen sollten. Doch bei der Generalversammlung der Allgäuer Bergbauern-Milch Sonthofen-Schönau eG in Fischen haben sich vergangene Woche nur 69,6 Prozent für den Verkauf der Anteile ausgesprochen. Die notwendige Mehrheit von 75 Prozent wurde somit nicht erreicht. Daraufhin kündigte Allgäuland-Geschäftsführer Paul Ritter an, aus insolvenzrechtlichen Gründen bis 12. September kein Milchgeld auszahlen zu können.
 
Die Mitglieder der Bergbauern-Milch Sonthofen-Schönau eG können in einer außerordentlichen Generalversammlung erneut über den Verkauf der Anteile abstimmen.

Butterwerk Langenau eG stimmen mit 'Ja'

Im Gegensatz zu den Mitglieder der Bergbauern-Milch Sonthofen-Schönau eG haben die Mitglieder der Butterwerk Langenau eG auf ihrer Generalversammlung am Montagabend in Ulm dem Verkauf der Anteile an der Allgäuland-Käsereien GmbH (94,7 Prozent) und an der AL Dienstleistungs-GmbH (94,9 Prozent) zugestimmt. Die Butterwerk Langenau eG befindet sich bereits in Abwicklung.
 
Aufgrund dieser überzeugenden Serie blicken Aufsichtsrat und Management der Allgäuland-Käsereien zuversichtlich der außerordentlichen Generalversammlung der Allgäuer Bergbauern-Milch Sonthofen-Schönau eG entgegen. Am 12. September stimmen die Milcherzeuger zum zweiten Mal über den Verkauf der GmbH-Anteile ab und entscheiden damit über die Existenz der Allgäuland-Käsereien. 
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