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Verunreinigte Straße

Streit um Kuhfladen: Landwirt soll Strafe zahlen

Der Kuhfladen-Streit von Pähl sorgt für Aufmerksamkeit: Nun hat sich auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger eingeschaltet. Er will für den Landwirt, sollte er das Bußgeld bezahlen müssen, die Strafe aus eigener Tasche übernehmen.
am Montag, 01.08.2022 - 09:08 (8 Kommentare)

Weil seine Kühe eine Straße in Oberbayern verunreinigt haben, droht einem Landwirt eine saftige Strafe. Nun schaltet sich Wirtschaftsminister Aiwanger in den Kuhfladen-Streit ein.

Landwirt Georg Schweiger versteht die Welt nicht mehr. Weil seine Kühe eine Straße in der oberbayerischen Gemeinde Pähl verunreinigt haben, soll ein Landwirt im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau nun Strafe zahlen. Die Gemeinde Pähl habe ein Bußgeld von 128,50 Euro verhängt, berichtete der Landwirt. Er werde dagegen Einspruch erheben, kündigte der Landwirt an.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger schaltet sich ein

Nun erhält der Landwirt auch Unterstützung aus dem Wirtschaftsministerium. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger will das Bußgeld übernehmen, sollte der Landwirt wirklich die Strafe bezahlen müssen. Dem „Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt“ sagte Hubert Aiwanger am Freitag: „Ich komme persönlich vorbei und zahle für den Landwirt die Strafe.“ Aiwanger kündigte an, den Betrieb besuchen und sich persönlich ein Bild vor Ort machen zu wollen.

Er kritisierte im Gespräch mit dem „Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt“: „In Zeiten, in denen sich Menschen auf die Straße kleben und dafür keine Strafe bezahlen müssen, ist es schon bezeichnend, wenn man Strafe zahlen muss, wenn eine Kuh auf die Straße scheißt.“ Weiter sagte Aiwanger: „So viel Verständnis muss man aufbringen, dass Kühe eben, wenn sie auf die Weide gehen, Hinterlassenschaften produzieren.“ Bringe man dieses Verständnis nicht mehr auf, dann bedeute das auch das Aus für die Weidebetriebe und den Weidegang. „Solche Verschmutzungen sind unvermeidbar. Wenn dann stets mit Bußgeldern zu rechnen ist, dann marschieren diese Kühe nicht mehr auf die Weide, sondern direkt zum Metzger. Denn der Landwirt lässt sich ja dafür nicht ständig öffentlich anfegen.“

Natürlich müsse der Landwirt alles unternehmen, „um den Dreck dann schnell zu entfernen“. Aber das gehöre in Gebieten, in denen Kühe noch auf die Weide getrieben, zwangsweise dazu, sagte Aiwanger. Er betonte: „Ich kann die Kühe halt nicht mit dem Hubschrauber auf die Weide fliegen und ihnen auch keine Windel anlegen. Das passiert eben, dass die Kuh auf die Straße scheißt. Und da muss man mit Verständnis haben. Die Kühe prägen das Ortsbild in diesen Weideregionen und das muss man dann im Zweifel auch tolerieren.“

Kuhfladen-Streit ist Thema im Gemeinderat

Auch im Gemeinderat von Pähl war der Kuhfladen-Streit ein Thema. „Ich glaube, dass das ein Eigentor war“, sagte Gemeinderat Helmut Mayr in der Sitzung am Donnerstag. Auf der Tagesordnung standen die Kuhfladen nicht, Mayr nutzte aber den abschließenden Punkt „Allgemeines und Informationen, um „das Problem Kuhscheiße“ anzusprechen, das in dem Dorf am Südende des Ammersees gerade Tagesgespräch ist. Einerseits werde von Verbrauchern gefordert, dass die Kühe auf die Weide gebracht werden müssten, andererseits bestrafe man einen Landwirt, der diese Forderung erfülle. Dass dabei die Straße verschmutzt werde, sei unvermeidlich.

Der angesprochene Bürgermeister Werner Grünbauer sagte dazu, dass er handeln musste, da die Anzeige vom übergeordneten Landratsamt gekommen sei. Er dürfe in seiner Funktion als Bürgermeister den Fall nicht ignorieren. Mayr – und andere Gemeinderäte – sehen die Gefahr, dass diese Anzeige „zugezogene Bürger“ motivieren könnte, gegen weitere Eigenheiten des dörflichen Lebens wie etwa das Krähen von Hähnen oder das Läuten von Kirchenglocken vorzugehen.

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