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Haltung und Mast

Streit um Kuhglocken: Tierschutz oder Quälerei?

© Klaus Eppele/fotolia
von , am
25.08.2015

Im September kehren die Rinder von den bayerischen Almen ins Tal zurück. Von weitem ist das Geläut zu hören. Was für die einen Tradition und Sicherheit für die Tiere bedeutet, ist für andere Tierquälerei. agrarheute.com hat nachgefragt.

Quälerei oder gut für's Tier? Bei Kuhglocken scheiden sich die Geister. © Klaus Eppele/fotolia
Die Schweizer Debatte über eine Abschaffung von Kuhglocken ist jetzt auch in Bayern entbrannt. Die Präsidentin des Deutschen Tierschutzbunds in Bayern, Nicole Brühl, fordert ein "Verbot von Kuhglocken, wenn sie den Tieren nachweislich schaden. Rein aus Tradition einem Tier so etwas zuzumuten, ist völlig abzulehnen." Das berichtet die Deutsche Presseagentur.
 
 
 
Eine Aussage, die beim Vizepräsidenten der Bayerischen Landestierärztekammer, Dr. Paul Münsterer, für Unverständnis sorgt. Gegenüber agrarheute.com erklärte er, wie wichtig die Glocke für das Wiederauffinden der Kühe sei. "Gerade bei der Hitze in diesem Sommer, brauchen wir die akkustischen Geräusche, wenn ein Tier verloren geht. Jedes Jahr haben wir Fälle, wo die Glocke die Tiere gerettet hat, betont Münsterer. Für ihn sei die Glocke vor allem zum Schutz der Tiere da.

Schweizer Studie kritisiert Kuhglocken

In der Schweiz gibt es bereits seit längerem eine Debatte darüber, ob Kuhglocken Tierquälerei sind. Eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich hatte ergeben, dass die Wiederkäuer unter den Glocken leiden: An sechs Messtagen bewegten dabei 19 Kühe mit 5,5 Kilogramm schweren Glocken ihre Köpfe seltener als glockenlose Artgenossinnen. Zudem fraßen und ruhten sie weniger. Die Wiederkau-Dauer war pro Tier mit Glocke um 2,5 Stunden reduziert. Unklar sei unter anderem geblieben, ob dies durch ein bestimmtes Gewicht oder den Ton der Glocken beeinflusst wurde, hatte die Projektleiterin Edna Hillmann erklärt.
 
Dr. Paul Münsterer betont, dass dies die einzige Studie sei, die es zu diesem Thema gebe. Auf deutscher Seite wurde noch nicht geforscht. Er erklärte gegenüber agrarheute.com, dass er viele Kühe behandle, die von den Almen herunterkommen, und noch nie Probleme bei den Tieren festgestellt habe. 

Pro-Stimmen für die Kuhglocke

Bayerns Agrarminister Helmut Brunner (CSU) sieht dagegen kaum Handlungsbedarf: "Ich glaube, dass die Glocken keine Beeinträchtigung sind für die Kühe - weder vom Gewicht her, noch vom Ton." Langfristig könnten auch Sensoren die Ortung der Tiere ermöglichen, räumte Brunner ein. "Das ist aber technisch noch nicht ausgereift und derzeit erst in der Erprobung.
 
Der Vorsitzende des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu, Franz Hage, reagierte empört auf den Vorstoß der Tierschützer: "Das ist kompletter Schmarrn." Die Glocken und Schellen schadeten den Tieren nicht. Der Stolz der Almhirte komme in ihnen zum Ausdruck. "Das ist Tradition im Allgäu und gehört dazu", sagte Hage.
 
Ähnlich sieht das die Tourismusgesellschaft Allgäu. "Vielen Wanderern im Allgäu würde etwas fehlen", sagte die Sprecherin Simone Zehnpfennig. "Die Kühe tragen die großen Glocken ohnehin nur maximal einen halben Tag beim Viehscheid. Und die kleinen Glocken tun keinem Tier weh." Nach Angaben Zehnpfennigs kommt es immer wieder vor, dass Jungvieh trotz eines Elektrozauns von der Weide ausbricht. Auf den großen Flächen der Hochweiden sei es ohne Glocken schwer, die Tiere wiederzufinden - vor allem bei Nebel. 

Tierschützer in Bayern fordern gesetzliches Verbot

Der Tierschutzbund in Bayern sprach sich dafür aus, ein zweites Gutachten zu erstellen, um tragfähige Ergebnisse zu bekommen. Die Tierschützerin Nancy Holten erhitzt die Gemüter in der Schweiz mit ihrer Forderung nach einem gesetzlichen Verbot. Glocken seien für Kühe "so laut, als wenn wir uns einen Presslufthammer ans Ohr halten würden", wettert Holten.
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