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Fütterungsversuch

Strukturausgleich beim Rind: Stroh vs Luzerneheu

Dr. Jakob Groenewold, LWK Niedersachsen
am
13.07.2016

Um den Strukturwert in kraftfutterreichen Rationen zu erhöhen, setzen Milcherzeuger Stroh oder Heu ein. Luzerneheu stellt eine teurere, aber gute Alternative dar.

Luzerneheu hat eine ähnlich gute Strukturwirkung wie Stroh, weist aber einen deutlich höheren Rohproteingehalt auf. Dies bestätigte auch eine neuere Untersuchung der LWK Niedersachsen (Meyer, 2012), in der im Mittel von 20 Proben über 16 % Rohprotein in der Trockenmasse analysiert wurden (Stroh im Vergleich ca. 3,5 % RP i. d. TM), wobei die Schwankungsbreite zwischen den Futterproben beachtlich war.

Luzerneheu als Strukturfutterkomponente

Aus der Praxis wurde laut LWK Niedersachsen über den Einsatz des Luzerneheus recht positiv berichtet, wobei insbesondere

  • die gute Futterakzeptanz und
  • eine höhere Futteraufnahme

hervorgehoben wurden. Daher setzen auch heute noch viele Betriebe das Luzerneheu - trotz des hohen Preises - weiterhin als Strukturfutterkomponente in den Milchviehrationen ein.

Im Rahmen eines Fütterungsversuchs verglich die LWK Niedersachsen vier Futterrationen, die als Strukturkomponente entweder

  • 1 kg Stroh oder
  • Luzerneheu in unterschiedlichen Mengen (1 kg, 2 kg und 4 kg)

enthielten.

Fütterungsverusch: So war er angelegt

Da das Luzerneheu höhere Gehalte an Rohprotein (XP) und nutzbarem Rohprotein (nXP) enthält, wurde ein Teil des als Proteinfutter eingesetzten Rapsextraktionsschrotes bei steigendem Luzerneanteil durch energiereiches Milchleistungsfutter ausgetauscht. Alle Rationen wurden so zusammengestellt, dass sie für eine Milchleistung von etwa 35 kg Milch ausreichten.

  • In jeder der vier Fütterungsgruppen wurden zwischen 25 und 31 Kühe mit vergleichbaren Leistungsdaten und Gewichten gehalten.
  • Der Versuchszeitraum umfasste insgesamt 100 Laktationstage.
  • Anzumerken ist, dass die Analyse der im Versuch eingesetzten Luzernecharge einen Rohproteingehalt von lediglich 137 g je kg Trockenmasse ergab, was deutlich unter dem deklarierten Wert lag aber auch unter dem in der DLG-Tabelle angegebenen Wert.

Fazit des Fütterungsversuchs

Die Ergebnisse dieses Fütterungsversuches zeigen, dass der Einsatz von Luzerneheu die Futteraufnahme in einer Größenordnung 1,2-1,4 kg Trockenmasse ansteigen lässt. Dies führte zu höheren Milchleistungen, die in der Fütterungsvariante 1 kg Luzerneheu mit einem Plus von 3,2 kg Milch doch beachtlich war. Diese Mehrleistung dürfte auch den deutlich höheren Preis von Luzerneheu im Vergleich zu Stroh rechtfertigen. Zur optimalen Absicherung der Strukturversorgung in den Rationen empfehlen die Versuchsansteller den Einsatz von 1-2 kg Luzerneheu pro Kuh und Tag.

Zu beachten sei ferner, dass es beim Luzerneheu deutliche Schwankungen bei den Energie- und Nährstoffgehalten aber auch bei der Partikelgröße gibt. Letzteres ist für die Strukturwirkung des Luzerneheus von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Daher sind Analysen einzelner Lieferpartien für eine optimale Rationsplanung durchaus sinnvoll, raten die Kammerexperten abschließend.

Ausführliche Informationen zu dem Versuch finden Sie hier.

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