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Milchproduktion

Studie: Nur Stroh und Kraftfutter für Trockensteher?

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von , am
19.05.2014

Münster - Trockensteher nur mit Kraftfutter und Stroh füttern? Von einigen Mischfutterherstellern wird ein derartiges Futterkonzept vorgeschlagen. Die Landwirtschaftskammer NRW hat das genauer untersucht.

Rindermarkt: Schlachtkühe erzielten vergangene Woche einen guten Preis. © Mühlhausen/landpixel
Einige Mischfutterherstellern schlagen für Trockensteher ein Futterkonzept aus Stroh und Kraftfutter vor. Dabei sollen die Frühtrockensteher etwa sechs Kilogramm (kg) Kraftfutter sowie Stroh zur freien Aufnahme erhalten. In der Vorbereitungsfütterung wird bei gleichem Strohangebot die Kraftfuttermenge auf acht Kilogramm gesteigert. Mit der Kalbung wird als Laktationsration entweder die Totale Mischration (TMR) oder eine aufgewertete Mischration mit Kraftfutterergänzung über Abrufstationen verabreicht.
 
Welche Auswirkungen dieses Futterkonzept auf die Futteraufnahme, Leistungsbereitschaft und Stoffwechselstabilität in der Frühlaktation hat, hat eine Studie von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen untersucht. Die Ergebnisse sind eher ernüchternd.

Fütterungsversuch- Aufbau

Die Ergebnisse basieren auf einem Fütterungsversuch mit 2 x 27 Tieren der Rasse Deutsche Holstein. In der Futtergruppe "Kontrolle" wurde die betriebsübliche, Silage basierte und zweigeteilte Fütterung durchgeführt. In der Futtergruppe "Stroh/KF" erhielten die Kühe die oben angegebenen Kraftfuttermengen (KF) über den Transponder und Stroh zur freien Aufnahme, beschreiben die Autoren Dr. Martin Pries, Annette Menke, Dr. Mark Holsteg den Versuch.

Möglicherweise bessere Nährstoffverwertung

In der Frühtrockenstehphase (31 Tage) hat die Studie keine höheren Nährstoffaufnahmen in der Stroh/KF-Gruppe gezeigt. Das zugeteilte Kraftfutter in Höhe von sechs beziehungsweise acht Kilogramm je Tier und Tag sei nahezu vollständig abgerufen worden. Es werden 58 Prozent (%) der Trockenmasse aus dem Stroh aufgenommen. Die Energiekonzentration wird für beide Gruppen um 5,5 MJ NEL (Megajoule Nettoenergielaktation) je kg TM-Aufnahme angegeben.
 
Die Autoren geben an, dass bei gleicher Energieaufnahme in der Frühtrockenstehperiode in der Stroh/KF-Gruppe mit 32 Kilogramm (kg) Lebendmassezuwachs höhere Werte erzielt werden als in der Kontrollgruppe (23 kg ). Dies deute auf eine bessere Nährstoffverwertung in der Stroh/KF-Gruppe hin.
 
Die Experten vermuten eine bessere Versorgung mit Stärke+Zucker (plus 300 Gramm je Tier und Tag), die zu einem anderen Insulinstatus mit der Folge eines höheren Stoffansatzes führt. Es gebe keine Unterschiede in den Geburtsgewichten der Kälber.

TM-Aufnahme: erst der Anstieg, dann der Abfall

Die Dauer der Vorbereitungsphase beträgt in beiden Gruppen gut 14 Tage. Mit Beginn der Vorbereitungsfütterung beobachten die Autoren, dass die TM-Aufnahmen zunächst in beiden Gruppen auf 12,3 kg TM je Tier und Tag ansteigen. Daraus wurde eine tägliche Energieaufnahme von 82 MJ in der Kontroll- beziehungsweise 72 MJ NEL in der Stroh/KF-Gruppe errechnet. Die TM-Aufnahmen seien dann in den letzten ein bis fünf Tagen vor der Kalbung stark abgesunken. Die Autoren vermuten eine "physische Normalrekation"; raten aber, diese Phase der reduzierten Futteraufnahme kurz zu halten.

Mit der Umstellung auf die Laktationsration sehen die Ergebnisse in den Futtergruppen für Trockenmasseaufnahmen identisch aus, obwohl die Kühe der Stroh/KF-Gruppe nicht an die Aufnahme von Gras- und Maissilage gewöhnt waren. Die mittlere TM-Aufnahme in der Frühlaktation wird mit 16,8 kg in der Kontroll- und 16,2 kg in der Stroh/KF-Gruppe angegeben.  
 
Dennoch kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Tiere der Stroh/KF-Gruppe eine höhere Kraftfuttergabe brauchen, um auf die Nährstoffversorgung nach der Kalbung vorbereitet zu sein. Dazu sei die Nährstoffdichte in der Ration anzupassen.

Welche Schlussfolgerungen gelten?

Abbildung: Mittlere Futteraufnahmen vor und nach der Kalbung. Erst ab der vierten Laktationswoche zeigt sich eine höhere TM-Aufnahme in der Kontrollgruppe. © Grafik: LWK NRW
Wie die Studie zeigt, hatten die unterschiedlichen Futterrationen hatten keinen Einfluss auf die Futteraufnahme in der Trockenstehperiode und in der Frühlaktation.
 
Hinsichtlich der Milchleistungsparameter ergeben sich laut Kammr in beiden Varianten vergleichbare Werte. Mit 36,9 kg ist die natürliche Milchmenge in der Kontrollgruppe etwas niedriger als in der Stroh/KF-Gruppe (37,2 kg). Der Fett- Eiweiß-Quotient, als Anzeiger einer möglichen Ketose, liege in beiden Futtergruppen unter dem kritischen Referenzwert.
 
Die größte Herausforderung im Herdenmanagement sind laut Autoren die tierindividuell sehr unterschiedlichen Reaktionen bezüglich Leistung und Stoffwechselanpassungen auf die Futterkonzepte.
 
Bei Bewertung der im Versuch gefressenen Futtermengen mit den derzeit geltenden Futtermittelpreisen zeigt sich, dass die Stroh-KF-Fütterung in der Trockenstehzeit um etwa 45 Euro je Kuh teurer ist als die Silage basierte Fütterung. Erst bei deutlich niedrigeren Strohkosten als in der Ernte 2011 und günstigeren Kosten für das Kraftfutter ergibt sich Kostengleichheit.

Hofreport aus Niedersachsen: Füttermanagement auf Milchhof Reyels

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