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Milchproduktion

Tierärzte fordern ein Schlachtverbot trächtiger Tiere

von , am
27.03.2014

Die Bundestierärztekammer fordert ein gesetzliches Verbot der Schlachtung tragender Färsen und Kühe. Auslöser der Debatte um das Schlachtverbot ist ein Fernsehbericht des NDR.

Trächtige Kühe zur Schlachtbank? Ein EU-Gesetz soll das verhindern. © Mühlhausen/landpixel
Die Bundestierärztekammer beklagt, dass es im Tierschutzgesetz momentan keine Regelung für den Umgang mit trächtigen Tieren bei der Schlachtung gibt und fordern eine europäische Lösung. Es soll laut Stellungnahme ein "grundsätzliches Verbot der Schlachtung tragender Färsen und Kühe geben." Für Ausnahmen soll eine verpflichtende Bescheinigung als Begleitdokument eingeführt werden, wenn ein Tier ab dem 187. Trächtigkeitstag nach der Besamung mit medizinischer Indikation geschlachtet werden soll.
 
Diese Bescheinigung müsse vom Hoftierarzt ausgestellt und am Schlachthof unverzüglich vorgelegt werden, damit das Tier einer gesonderten Schlachtung unterzogen und der Fötus während des Schlachtvorganges möglichst schnell betäubt und getötet werden kann.
 

NDR-Bericht zeigt Bilder toter Feten

Der NDR sendete am 25. März um 21:15 Uhr einen Bericht zur Schlachtung trächtiger Kühe.
Den Anstoß zur Debatte um den Tierschutz von Feten trächtiger Tiere gab ein Fernsehbericht, den das Norddeutsche Fernsehen (NDR) am Dienstag ausstrahlte. Darin wird der Vorwurf laut, dass aus angeblicher Wirtschaftlichkeit trächtige Rinder und damit ihre Feten getötet würden. Eine amtliche Fachassistentin, die in Schlachthöfen Sachsen-Anhalts tätig ist, bestätigt den Verdacht. Laut NDR-Bericht schätzt die Bundesärztekammer, dass jährlich bis zu 180.000 trächtige Kühe in Schlachthöfen getötet werden. Grund dafür sei, so ein Tierarzt, dass die Tiere beispielsweise nach einer Krankheit nicht mehr die nötige Milchleistung bringen.
 
 

Bauernverband: Gebot der Untersuchung

Der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommerns zeigt sich angesichts der Bilder bestürzt. "Landwirte sollten alles dagegen tun, dass trächtige Kühe zur Schlachtung transportiert werden", sagte Bauernpräsident Rainer Tietböhl. Jedes Tier müsse vor der Schlachtung untersucht werden. Wie viele trächtige Kühe in Mecklenburg-Vorpommern tatsächlich geschlachtet werden, sei daher unklar.
 
In der Regel würden tragende Tiere aber nicht an Schlachthöfe geliefert, so der Bauernpräsident. Für Tierhalter gebe es zudem kaum einen Grund, ein tragendes Tier zur Schlachtung zu bringen, stellt der Bauernverband klar. Aus ethischen und wirtschaftlichen Gründen liegt dies nicht im Interesse des Tierhalters. Ausnahmen sind Krankheiten, schwere Verletzungen und Seuchenbekämpfungsprogramme.
 

EU-Schlachtverordnung steht im Weg

"Aus ethischen Gründen können wir Tierärzte nicht akzeptieren, dass die Tötung der Feten ohne vernünftigen Grund sowie die Belastungen der trächtigen Tiere durch den Transport weiterhin billigend in Kauf genommen werden. Es ist ein längst überfälliges Gebot des Tierschutzes, diese Zustände zu ändern!", so Prof. Dr. Theo Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer. Allerdings könne das Problem nur im Dialog mit den Landwirten und Schlachtbetrieben gelöst werde, erklärt er weiter.
 
Das Bundesministerium sieht jedoch in der EU-Schlachtverordnung ein Hindernis. Die Mitgliedsstaaten können demnach keine nationalen Gesetze zur Schlachtung tragender Rinder erlassen. Im vergangenen Dezember habe das Ministerium die EU-Kommission bereits in einem Brief aufgefordert, die Schlachtung und den Transport von Tieren im letzten Drittel der Trächtigkeit zu verbieten. Die EU-Kommission wolle die deutsche Delegation dazu zunächst anhören. Eine Änderung der Schlachtverordnung sei noch nicht absehbar.
 
 
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