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Milchproduktion

Tierärzte: Kexxtone nur gezielt einsetzen

von , am
10.12.2013

Das dieses Jahr zugelassene Arzneimittel Kexxtone war als "Dopingmittel für Kühe" in die Schlagzeilen geraten. Die Tierärztekammer sieht dessen Einsatz weiter kritisch und will lieber vorbeugen.

Mit 224 Tieren stehen in Brandenburg deutschlandweit durchschnittlich die meisten Milchkühe pro Stall. © landpixel
Die Tierärzte in Deutschland sehen den Einsatz des als "Dopingmittel für Kühe" bekanntgewordenen Arzneimittels Kexxtone zur Bekämpfung von Stoffwechselstörungen weiterhin kritisch.
 
Wie die Bundestierärztekammer (BTK) mitteilt, enthält das Mittel den antibiotischen Wirkstoff Monensin, der früher als Leistungsförderer in der Bullenmast eingesetzt wurde, was jedoch seit 2006 europaweit verboten ist. Das verschreibungspflichtige Tierarzneimittel wird vorbeugend gegen die Stoffwechselkrankheit Ketose bei Milchkühen/Färsen eingesetzt.

Missbräuchlicher Einsatz als Leistungsförderer befürchtet

Nebeneffekt des Langzeitantibiotikums ist aufgrund einer besseren Energieversorgung der Kuh dem Landesverband der praktizierenden Tierärzte in Bayern zufolge eine um fünf bis neun Prozent höhere Milchleistung des behandelten Tieres. Es wird deshalb befürchtet, dass das Präparat des Pharmaunternehmens Eli Lilly missbräuchlich als Leistungsförderer in der Milchproduktion eingesetzt wird.
 
Zwar hinterlässt das Mittel nach Angaben der BTK keine Rückstände in Fleisch und Milch und auch Resistenzbildungen sind aufgrund der Wirkungsart nicht zu befürchten, doch wurden die Tierärzte nun erneut zu einer verantwortungsvollen Verschreibung nur für gefährdete Einzeltiere aufgerufen.

Als 'Doping für Milchkühe' in den Schlagzeilen

Kexxtone war im Juni nach der Ausstrahlung der ARD-Sendung plusminus unter dem Titel "Doping für Milchkühe" in die Schlagzeilen geraten. Im Film war der Eindruck erweckt worden, dass Milchkühe in Deutschland flächendeckend mit Medikamenten behandelt werden, um eine höhere Milchleistung zu erzielen.
 
Bereits damals hatte der Deutsche Bauernverband darauf hingewiesen, dass dies nicht den Tatsachen entspreche. Die hohe Milchleistung sei vielmehr auf Züchtungsfortschritte, intensive Tierbetreuung - verbunden mit modernen Stallsystemen - und eine hochqualitatvie Fütterung zurückzuführen.

Ketose durch richtige Fütterung vorbeugen

"Ein ausufernder Einsatz läuft der gesellschaftlichen Forderung nach einer Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes und unserem eigenen Anspruch zuwider, verantwortungsvoll mit Antibiotika umzugehen und die Haltungsbedingungen der Tiere zu verbessern", erklärt BTK-Präsident Prof. Theo Mantel.
 
Er empfiehlt den Tierärzten die intensive Beratung der Milchviehhalter insbesondere zu Fütterungsfragen, um das Auftreten von Stoffwechselerkrankungen wie der Ketose in den Beständen einzudämmen. Eine unzulässige Abgabe oder Werbung bei Landwirten werde arzneimittelrechtlich, berufsrechtlich, wettbewerbsrechtlich, heilmittelwerberechtlich und damit gegebenenfalls strafrechtlich verfolgt.   

Die Stellungnahme der Bundestierärztekammer können Sie sich hier herunterladen ...

Globuli und Co für's Milchvieh

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