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Haltung und Mast

Tiergesundheit in Deutschland auf hohem Niveau

© Katharina Krenn/agrarheute
von , am
19.08.2014

Greifswald - Ein positives Zeugnis stellt der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Prof. Thomas Mettenleiter, der deutschen Landwirtschaft in puncto Tiergesundheit aus.

Das Verfütterungsverbot von Tiermehl an Wiederkäuer habe maßgeblich zum Rückgang der Fälle und zur Kontrolle von BSE bei Rindern beigetragen, meint der Chef des Friedrich-Löffler-Instituts. © Kurt Michel/pixelio.de
"Aus meiner Sicht ist der Gesundheits- und Hygienestatus grundsätzlich als gut zu bewerten", sagte Mettenleiter in einem Gespräch mit dem Presse- und Informationsdienst Agrar-Europe. Ausdrücklich hob der FLI-Präsident den Stellenwert eines guten Managements hervor.
 
Zwar verfüge man für bestimmte Bereiche über Instrumente, die zum Erhalt eines guten Status beitrügen, wie etwa die Schweinehaltungshygieneverordnung. "Letztendlich hängt es aber immer vom Tierhalter ab, seinen Bestand entsprechend fachgerecht zu führen", erklärte Mettenleiter. Entscheidendes Kriterium sei nicht die Größe der Bestände, sondern das Management. Dieses könne bei kleinen und großen Tierhaltungen gut oder schlecht sein.

Bedrohung durch Tierseuchenerreger ist anhaltend hoch

Der "gelernte" Biologe und Virologe, der seit 1996 die Leitung der damaligen Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere auf der Insel Riems innehat, geht von einer anhaltend hohen Bedrohungslage durch Tierseuchenerreger aus. In Zeiten des globalen Güter- und Reiseverkehrs könnten Erreger innerhalb von einem Tag aus jeder Region der Erde Deutschland erreichen. Ähnliches gelte für "alte Bekannte" wie die Maul- und Klauenseuche (MKS) oder die Klassische Schweinepest. Besonders aufmerksam beobachte man derzeit die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP).

Spielregeln zum Schutz vor Tierkrankheiten einhalten

"Management inklusive der Biosicherheit spielt für den Hygiene- und Gesundheitsstatus eine entscheidende Rolle", bekräftigte Mettenleiter. Außerdem seien je nach Haltungsform verschiedene Faktoren zu berücksichtigen. Während in der Stallhaltung durch die Belegdichte - etwa bei Geflügel - bestimmte Infektionskrankheiten schneller von Tier zu Tier übertragen werden könnten, müssten sich die Tiere in der Freilandhaltung mit einer Reihe von Erregern auseinandersetzen, die im Stall kaum eine Rolle spielten. Zurückhaltend beurteilt der Institutspräsident unter epidemiologischen Gesichtspunkten die regionale Konzentration der Veredelung. Dies sei ähnlich wie bei unterschiedlichen Haltungsbedingungen so lange akzeptabel, wie die allgemein geltenden "Spielregeln" des Schutzes vor Tierkrankheiten eingehalten würden. Allerdings gelte auch, dass bei einer höheren Tierkonzentration das Eintragsereignis einer Tierseuche einen größeren Schaden verursache. Dies müsse neben den Auswirkungen auf die Umwelt im Auge behalten werden.

Afrikanische Schweinepest erfordert rigorose Bekämpfung

Mit Nachdruck warnte Mettenleiter vor einer Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest. Bei einer Einschleppung in deutsche Schweinebetriebe stünden nur rigorose Bekämpfungsmaßnahmen zur Verfügung. Einen Impfstoff werde es aller Voraussicht nach in absehbarer Zeit nicht geben. Während bei der Klassischen Schweinepest über "Impfen statt töten" eine Alternative zur den tierseuchenrechtlich vorgeschriebenen Tötungsmaßnahmen eröffnet werden könne und es dazu tragfähige Konzepte und Impfstoffe gebe, bestehe diese Option bei der Afrikanischen Schweinepest nicht. Mit den in diesem Jahr aufgetretenen Fällen in Litauen, Polen und Lettland sei die ASP ein Stück näher an Deutschland herangerückt. Der Leiter des FLI-Instituts für molekulare Virologie und Zellbiologie schätzt das Risiko einer Einschleppung dieser Tierseuche durch illegales Verbringen und Entsorgen von kontaminiertem Material als hoch ein, ebenso das Eintragsrisiko durch kontaminiertes Schweinefleisch oder daraus hergestellte Produkte. Eine weitere Ausbreitung der ASP könne daher nicht ausgeschlossen werden. Mettenleiter: "Wachsamkeit ist angezeigt"; dies gelte für Tierhalter ebenso wie für Tierärzte und Jäger.

Tierhalter für Infektionen sensibilisieren

Der FLI-Präsident sprach von einer Reihe von Faktoren, die das Ausbreiten neuer Tierseuchen begünstigten. Dazu zähle beispielsweise der Klimawandel. Wichtiger sei aber derzeit aus seiner Sicht der globale Warenverkehr. Das Auftreten der Blauzungenkrankheit 2006 und des Schmallenberg-Virus 2011 habe eindrucksvoll gezeigt, dass sich "neue" Erreger bei günstigen Bedingungen auch in Mitteleuropa schnell ausbreiten könnten. Beide Erreger seien von Gnitzen übertragen worden. Die heimischen Gnitzen hätten sich als kompetente Vektoren erwiesen. Das sei vorher so nicht bekannt gewesen. Ein größeres Augenmerk werde man künftig auch auf Infektionen legen, die durch Arthropoden übertragen werden. Zu den Arthropoden zählen Insekten und Spinnentiere. Eine besondere Rolle in der Tierseuchenabwehr misst Mettenleiter den Landwirten bei. Der Tierhalter kenne seinen Bestand am besten und sehe als erster, wenn mit den Tieren etwas nicht stimme. Daher sollte er dem FLI-Präsidenten zufolge Hinweise auf ein Infektionsgeschehen erkennen und frühzeitig den betreuenden Tierarzt hinzuziehen. Dann dürfe man auch keine Scheu haben, die notwendigen Untersuchungen schnell einzuleiten. Mettenleiter: "Wir sind heute in der Lage, eine extrem schnelle Diagnostik durchzuführen." Dazu müssten die Proben allerdings erst einmal ins Labor geschickt werden.

BSE-Bekämpfungsmaßnahmen gerechtfertigt

Auch das Auftreten der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie (BSE) Ende des letzten Jahrhunderts in Europa wertet Mettenleiter als Beweis, dass heute noch mit bisher unbekannten Erregern zu rechnen sei. Der Wissenschaftler hält die damals eingeleiteten BSE-Bekämpfungsmaßnahmen auch im Nachhinein für gerechtfertigt. Das Verfütterungsverbot von Tiermehl an Wiederkäuer habe maßgeblich zum Rückgang der Fälle und zur Kontrolle von BSE bei Rindern beigetragen. "Diese Maßnahme sowie die Entfernung von Risikomaterial wie Darm, Rückenmark, Gehirn und die Testung von Schlachtrindern waren wichtig und berechtigt für den Verbraucherschutz", so Mettenleiter. Sie seien zudem sehr erfolgreich gewesen, wie die Eliminierung von klassischer BSE zeige. Der FLI-Präsident sprach sich dafür aus, von der Verfütterung von tierischen Produkten innerhalb der gleichen Tierart generell weiterhin abzusehen, um die Verbreitung von Tierseuchenerregern innerhalb einer Tierart zu verhindern. Das gelte nicht nur für BSE.

Erfolge

Mettenleiter verwies auf eine Reihe von Erfolgen in der Tierseuchenbekämpfung. Ganz prominent sei in diesem Zusammenhang die weltweite Tilgung der Rinderpest zu nennen. Nach der Ausrottung der humanen Pocken sei dies die zweite Infektionskrankheit, die aus der freien Natur eliminiert worden sei. Darüber hinaus gebe es internationale, nationale und regionale Erfolge. Deutschland sei seit 2008 Dank der konsequenten Köderimpfung anerkannt frei von Fuchstollwut. Die Aujeszkysche Krankheit sei auch durch den erstmaligen Einsatz von „markierten“ Impfstoffen getilgt worden, und auch die klassische Schweinepest habe erfolgreich bekämpft werden können. Bei der Blauzungenkrankheit habe die Impfung maßgeblich zur Reduktion der Fallzahlen beigetragen.
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