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Milchviehhaltung

Tiergesundheit: Weide ist nicht immer besser als Laufstall

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Katharina Krenn, agrarheute
am
18.08.2017

Weidehaltung gilt als besonders vorteilhaft für das Tierwohl. Aber der Weidegang ist nicht immer automatisch besser für die Tiergesundheit. Das sollten Sie wissen.

Wie groß die Bedeutung des Weidegangs für Kühe ist, unterstreicht eine Studie der Universität British Columbia in Vancouver aus dem Jahr 2017. In der Untersuchung wurden die Gatter zum Grünland mit einem Gegengewicht versehen, das die Tiere überwinden mussten. Dabei stellte man fest, dass die Kühe bereit waren, für das Überwinden des Gatters zur Weide genauso viel Gegendruck aufzuwenden, wie für den Zugang zu frischem Futter nach dem Melken.

Weide versus Laufstall

Unabhängig von der Weidedauer und Funktion der Weide schneidet die Weidehaltung in Bezug auf die Tiergesundheit nicht besser ab als eine Stallhaltung mit Laufhof, schreibt das Infoportal oekolandbau.de bezugnehmend auf die kanadische Studie. Zwar zeigten die Kühe bei regelmäßiger Weide tendenziell weniger klinische Lahmheiten und einen geringeren Verschmutzungsgrad. Dafür wiesen die Herden mit zunehmenden Weidezeiten tendenziell mehr unterkonditionierte Kühe auf.

Außerdem zeigte sich die Tendenz, dass bei den untersuchten Herden mit Ganzjahresstallhaltung oder wenig Weidegang mehr Kühe einen optimalen Fett-Eiweiß-Quotienten (FEQ) in der Milch aufwiesen. Auch traten seltener überhöhte Harnstoffwerte auf, was für eine ausgewogenere Futterration bei reiner Stallhaltung spricht.

Fütterung anpassen

Ein wesentlicher Ansatzpunkt im Management ist die Anpassung der Fütterung an das gewählte Weidesystem und das Leistungspotential der Herde. Wird im Stall zugefüttert, sollte die ergänzende Ration optimal auf den Pflanzenbestand und seine Inhaltsstoffe abgestimmt werden. So sind zum Beispiel leistungsstarke Herden bei häufigem Weidegang auf eine zusätzliche Energiezufuhr angewiesen, um die Stoffwechselgesundheit und Körperkondition der Tiere zu erhalten.

Mit einer gezielten Ergänzung energiereicher Futtermittel kann zudem eine bessere Ausnutzung des Proteins im Weidegras erreicht werden. Hohe Harnstoffgehalte (mehr als 300 Milligramm pro Liter) bei gleichzeitig geringen Eiweißgehalten der Milch (weniger als 3,8 Prozent) zeigen an, dass ein Überschuss an Futterprotein bei gleichzeitigem Energiemangel vorliegt, sodass die Pansenmikroben das vorhandene Rohprotein nicht vollständig nutzen können.

Weiden auf jungem Gras

Bei einem großen Angebot an jungem Gras nehmen die Kühe beim Weiden dagegen viel Energie und Eiweiß auf, aber wenig pansenwirksame Rohfaser. Deshalb sollte die ergänzende Ration zusätzliche Strukturkomponenten bieten wie zum Beispiel Stroh. Auch erhöhte Harnstoffgehalte von über 300 Milligramm pro Liter Milch können auf eine übermäßige Versorgung mit Rohprotein hindeuten und sollten über eine möglichst proteinarme Ration berücksichtigt werden.

Wasserversorgung der Herde

Ein häufig unterschätzter Punkt beim Weidemanagement ist eine ausreichende Versorgung der Herde mit Wasser, die ebenfalls elementar für das Tierwohl ist. Denn laktierende Kühe trinken an heißen Sommertagen bis zu 150 Liter Wasser und mehr. Am höchsten ist der Bedarf nach dem Melken und Fressen. Die Kühe sollten möglichst ungehindert und stressfrei Wasser aufnehmen können.

Da die Tiere ungern längere Wege zum Trinken auf sich nehmen, sollte auf der Weide im Umkreis von 100 bis 150 Metern immer eine Tränke erreichbar sein. Je nach Geländeausprägung und Weideform ist deshalb eine stationäre Tränke für zwei bis vier Hektar optimal. Zudem müssen alle Tränken oder angebotenen Wasserfässer regelmäßig kontrolliert werden, an heißen Sommertagen mindestens ein Mal täglich.

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