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Glosse

Tierrechtler bieten Geld für Aufnahmen aus Milchviehställen

Milchviehhaltung
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Sabine Leopold, agrarheute
am
22.11.2018

Das ist mal was Neues: Tierrechtler, die nicht klammheimlich in Ställe einsteigen, sondern Landwirten Geld für legale Filmaufnahmen bieten. Aber natürlich nur für solche, die ins Konzept passen.

Sind Sie Milcherzeuger und möchten Sie auf die Schnelle 6.700 Euro verdienen? Da hätten wir eine Idee für Sie: einfach von Tierrechtlern bezahlen lassen. Sie glauben, das geht nicht? Warten Sie’s ab.

6.700 Euro für die "traurige Wahrheit"

Die Tierrechtsorganisation Anima ist hierzulande weitgehend unbekannt. In Dänemark agiert sie hingegen seit dem Jahr 2000 lautstark gegen Pelztierzucht und moderne Nutztierhaltung. Neueste Ziele: Arla Foods, deren Zulieferer und die "traurige Wahrheit hinter der Milchproduktion". Und um letztere live filmen zu dürfen, bietet Anima Milchviehhaltern 6.700 Euro.

Auf der Suche nach Räuberpistolen

Die Sache hat allerdings einen Haken: Thorbjørn Schiønning, PR-Chef bei Anima International, erklärt in einer Pressemitteilung schon mal im Vorfeld, was diese Aufnahmen gefälligst zu zeigen haben: männliche Kälber zum Beispiel, die sofort nach der Geburt erschossen oder zumindest achtlos "dem Tod überlassen werden" angeblich gängige Praxis in dänischen und deutschen Milchviehbetrieben. Dass diese Räuberpistole bereits vor ein paar Jahren als unhaltbare Behauptung entlarvt wurde, muss einen Tierrechtler wahrscheinlich nicht interessieren. Schließlich geht’s hier ums Große und Ganze. Also um Spenden in der generösen Vorweihnachtszeit.

Einträgliche Stimmungsmache

Denn immerhin, auch wenn Anima nicht zu den größten und bekanntesten europäischen Tierrechtsorganisationen gehört: Im vergangenen Jahr hat der Verein laut Jahresbericht immerhin gut 9 Mio. Dänische Kronen aus Spenden, Erbschaften etc. eingesammelt. Das sind rund 1,2 Mio. Euro (zum Vergleich: Peta Deutschland verbuchte im selben Zeitraum nach eigenen Angaben 9,5 Mio. Euro). Im Jahr 2016 auch das verrät der Anima-Jahresbericht lagen die Einkünfte noch um rund ein Drittel niedriger. Stimmungsmache kann sich lohnen.

Laden Sie Anima doch mal ein!

Das Angebot von Anima richtet sich zwar in erster Linie an dänische Milcherzeuger. Trotzdem, einen Versuch ist es doch wert: Melden Sie sich bei Herrn Schiønning und seinen Kampfgefährten. Bieten Sie ihnen an, sich echte Milcherzeugung live und vor Ort anzuschauen.

Und vielleicht möchten die Herrschaften ja selber zufassen, wenn ein lebensschwacher kleiner Bulle mühsam gepäppelt wird, oder sich mit Ihnen die Nächte bei kalbenden Kühen und kranken Kälbern um die Ohren schlagen.

Tierschutz mit Bildungsauftrag

Tierrechtler, die Futter anschieben, Liegeboxen sauber halten, Schwergeburten auf die Welt helfen oder Frischabkalber versorgen das wäre mal ein Tierschutzfilm, der mir gefallen würde.

Und auch der Bildungsauftrag wäre nicht zu unterschätzen. Vielleicht würde die Verbraucher dann künftig das jahrelang gehütete "Geheimnis" der Milchindustrie weniger überraschen dass Kühe Kälber zur Welt bringen müssen, um Milch zu geben.

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