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Stallbau

Tierwohlstall in der Praxis: Mistroboter und Bodendusche

Mistroboter

Die Familie Hämmerle im baden-württembergischen Adelshofen hat viel getan, um das Tierwohl im Stall zu erhöhen. Dazu gehört auch ein ausgefeiltes Laufflächenmanagement.

am Donnerstag, 07.07.2022 - 05:00

Hubert Hämmerle und Sohn Daniel bewirtschaften gemeinsam einen landwirtschaftlichen Betrieb in Adelshofen. 146 Kühe stehen im neuen Stall, den sie im Juni letzten Jahres bezogen. Derzeit werden 127 Tiere an zwei Melkrobotern gemolken.  Der sechsreihige Boxenlaufstall mit außen liegenden Futtertischen weist einige Besonderheiten auf. Hierzu gehören ein Laufhof und ein zusätzlicher Aktivitätsbereich im Stallinneren. Außerdem befindet sich vor den Robotern ein Heukarussell, an dem die Tiere spielerisch Heu aufnehmen können. Das lockt sie vor die Melkroboter und erhöht damit die Besuchsfrequenz. Rund drei Melkungen je Kuh und Tag zählt der Milchviehhalter.

Mistroboter mit 500 l Speicher

Hubert Hämmerle

Die Laufflächen sind planbefestigt und mit Gummimatten ausgestattet. Die Entmistung im Stall erfolgt mittels zweier Roboter. Sie nehmen die Gülle mechanisch auf und entleeren die Tanks über dem Querkanal im Spaltenbereich vor den Melkrobotern. Die Mistroboter sammeln die Gülle alle 1,5 Stunden ein und haben eine Kapazität von bis zu 500 l. Hämmerle hat für jeden Tag sechs unterschiedliche Routen durch den Stall und auf dem Laufhof einprogrammiert. Da auch die Verbindungsflächen außerhalb der Entmistungsachsen sauber gemacht werden, ist wenig Handarbeit nötig. Alle Routen haben gemeinsam, dass sie den besonders frequentierten Fressgang immer mitreinigen. So erreicht Hämmerle hier die höchste Reinigungsfrequenz.
Auch die Spaltenflächen vor den Robotern und am Übergang zur mittleren Liegeboxenreihe sind mit Gummiauflagen belegt. Deren Oberflächen sollen eine rasche Harnableitung begünstigen. Damit keine Gase aus dem Güllekeller nach oben kommen, ist der Schlitzanteil vermindert.

Laufflächen besprühen, um Schmierschichten zu vermeiden

Im Sommer kann der Landwirt die Laufflächen befeuchten. In den Kotkanten der Liegeflächen sind Wasserrohre angebracht, die in einem Zeitintervall die Laufflächen benetzen. So bilden sich keine Schmierschichten und der Untergrund trocknet nicht aus. Insgesamt sind im Stall zwölf Wasserkreise verlegt, die nach und nach geöffnet werden. So kann in jedem Kreis ein ausreichender Wasserdruck aufrechterhalten werden, der dafür sorgt, dass das Wasser über die gesamte Breite der Laufgänge verteilt wird.
Für die Klauengesundheit ist das Bodenkonzept gut. „Wir haben keinen überbelegten Stall. Das ist ein Vorteil. Auch die Mortellaro´sche Krankheit kommt bei uns zum Glück nur selten vor, aber im Vergleich zum alten Stall ist die Gesundheit der Klauen noch einmal besser“, erklärt Hubert Hämmerle. Auch dort waren die Bodenoberflächen mit Gummibelägen ausgelegt. Aufgrund der positiven Erfahrungen haben die Landwirte sich auch im neuen Stall für einen Gummibelag entschieden.

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