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Haltung und Mast

Tipps zur Kälberfütterung: Längere Milchgabe plus Stroh

© landpixel
von , am
20.02.2015

Wie sollte man seine Kälber optimal füttern? Etwas länger mit Milch, aber auch frühzeitig Kraftfutter und Stroh geben. Das sagt Harma Berends, Expertin für Kälberfütterung, im Gespräch mit dlz Primus Rind.

© Pahlke/dlz
dlz primus Rind: Wenn Sie die neuesten Erkenntnisse in der Fütterung von Kälbern für Landwirte zusammenfassen müssen, welches sind hier Ihrer Meinung die derzeit wichtigsten Aussagen?

Berends: Wir propagieren das Füttern von Milch und legen ab der zweiten Woche frisches und schmackhaftes Festfutter vor. Hier sind sowohl Starter als auch Strukturfutter enthalten. Beim Strukturfutter ziehen wir Stroh den Silagen vor. Und wir empfehlen die Gabe von sauberem Wasser ad libitum. Außerdem sollte man die Kälber erst nach acht Wochen schrittweise von der Milch entwöhnen. Danach sollten die Tiere uneingeschränkten Zugang zu Starter und Stroh haben.
 
dlz primus Rind: Welchen Vorteil hat Stroh?
 
Berends: Jede Art von Faserfutter, also Gras, Heu, Grassilagen oder Stroh, verbessert die Aufnahme von Kraftfutter und erhöht die Tageszunahmen der Tiere, sowohl während der Milchgabe als auch nach dem Absetzen. Außerdem kann auf diese Weise die Pansenentwicklung frühzeitig angeschoben werden.

Kälber erst mit acht Wochen absetzen

dlz Primus Rind sprach mit Fütterungsexpertin Dr. Harma Berends © Pahlke/dlz
dlz primus Rind: Was ist der Vorteil des Absetzens mit acht statt mit sechs Wochen? Tatsache ist, dass die Tiere zwei Wochen mehr Milch erhalten. Das macht die Aufzucht teurer.
 
Berends: Ja, das stimmt. Es ist teurer, weil man zwei Wochen länger Milchaustauscher füttert. Der Vorteil besteht darin, dass man einen Wachstumseinbruch der Tiere nach dem Absetzen vermeidet. Wir können beobachten, dass beim Absetzen mit sechs Wochen das Wachstum stillsteht oder sogar einbricht. Untersuchungen zeigen, dass solche Tiere bis zu zwei Wochen lang signifikant weniger wachsen. Wenn man mit acht Wochen absetzt, beugt man diesem Einbruch vor. Somit haben die Tiere auch weniger Stress. Aber wir müssen es bei einem längeren Tränkezeitraum erreichen, dass die Tiere zusätzlich zur Milch ausreichend Kraftfutter und Stroh aufnehmen.
 
dlz primus Rind: Durch das spätere Absetzen haben die Tiere weniger Stress, aber wo liegt der ökonomische Vorteil für den Landwirt?
 
Berends: Der Vorteil liegt sicher im fortlaufenden Wachstum der Kälber. Dazu kommt, dass die Tiere den Erstabkalbetermin früher erreichen, wenn sie auf dem entsprechenden Wachstumspfad ohne Einbruch bleiben. Daraus ergibt sich ein sicherer ökonomischer Vorteil. Außerdem wissen wir, dass Kälber, die in den ersten drei Monaten höhere Tageszunahmen erreichen, als künftige Kühe mehr Milch geben.

Kälberfütterung: Milchmengen kontinuierlich anpassen

dlz primus Rind: Welche Milchmengen empfehlen sie? Mit welcher Menge werden die Tiere abgetränkt?
 
Berends: Die ersten zwei Tage sollen die Tiere Kolostrum erhalten. Das Ziel ist es, während der ersten zwei Stunden nach der Geburt vier Liter qualitativ hochwertiges Kolostrum zu tränken. Anschließend steigern wir die Tränkemenge von der ersten bis zur dritten Woche von fünf auf sieben Liter. Dabei setzen wir 150 g Milchaustauscher je Liter ein. Von der dritten bis zur fünften Woche erhalten die Tiere kontinuierlich eine Tränke von sieben Liter am Tag. Ab der sechsten bis zur neunten Lebenswoche tränken wir die Kälber schrittweise ab, um die Festfutteraufnahme zu fördern. Ab der zehnten Woche sollten die Tiere dann mindestens zwei Kilogramm Trockenmasse täglich aufnehmen. Die Absetzkälber sollten nach 70 Tagen ein Gewicht von 105 kg erreichen.

Kälber in mehreren Schritten absetzen

dlz primus Rind: Sie sagen außerdem, dass es besser ist, in mehreren Schritten abzusetzen statt abrupt. Warum?
 
Berends: Hier ist zum einen der ökonomische Vorteil zu sehen. Denn mit schrittweisem Absetzen setzt man gegen Ende weniger Milch ein. Für uns war wichtig, dass es die Tiere weniger stresst, weil die Umstellung ausgeglichener ist. Es lässt sich feststellen, dass sich die Kälber auf diese Weise besser an die Aufnahme von Festfutter gewöhnen lassen. Hier tritt auch ein Hauptproblem des abrupten Absetzens auf: Viele Kälber sind nach dem Absetzen nicht in der Lage, sofort festes Futter aufzunehmen. Dadurch fallen sie in ein Energieloch und brechen ein. Durch das schrittweise Absetzen machen wir den Übergang fließender und die Festfutteraufnahme der Tiere funktioniert besser.
 
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