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Reportage

Tipps vom Züchter: So klappt's mit der Kreuzung

Henning und Sonja Rothert stehen bei ihren Kühen auf der Weide
am Dienstag, 09.04.2019 - 12:25

Fitte und robuste Kühe? Für viele Milchviehhalter ist das ein Traum. Doch mit der richtigen Kreuzungszucht kann er wahr werden. Wie bei Henning Rothert, Gewinner der Silbernen Olga 2017 und Landwirt in Wittmund, Ostfriesland.

Holstein oder Fleckvieh? Warum nicht eine Kreuzung aus beiden? Genau das dachte sich Henning Rothert aus Wittmund. In seinem Stall stehen nicht nur Holstein- und Fleckviehrinder, sondern auch eine Mischung aus beiden Rassen - sogenanntes buntes Fleckvieh. Das Fell der Tiere variiert von weißen, grauen, braunen bis hin zu schwarzen Farbtönen. 

Schon seit drei Jahren besamt der Landwirt Holsteinkühe mit Fleckvieh. „Wir wollten unsere Tiere robuster machen“, erklärt der Ostfriese. Im Bullenkatalog fand er schon lange keine passenden Holsteinrinder mehr. „Die Zitzenstellungen waren viel zu eng und die Beckenstellung passte nicht." Doch dann hatte er eine Idee: 2016 besamte er die ersten Kühe mit Fleckvieh - mit Erfolg. 

Betriebsspiegel von Henning Rothert
Anzahl Milchkühe (Stück) 235
Jährliche Milchleistung (kg/Kuh) 9.964
Fett (%) 3,94
Eiweiß (%) 3,37
Zellzahlgehalt (Zellen/ml) 210.000
Milchpreis (Cent/kg) 33
Melkungen pro Tag 2,9
Fütterung Milchvieh Winter: Grassilage, Sommer: Weide
Melksystem 4 Melkroboter 

Buntes Fleckvieh ist fitter und robuster

Vektor füttert die Rinder im Stall von Henning Rothert

„Die Kreuzungskälber sind viel fitter und robuster als ihre reinrassigen Kollegen“, sagt der Landwirt. Aber die Jungtiere seien nach der ersten Nacht bei der Mutter viel sturer und schwieriger an den Nuckel zu gewöhnen. „Da stellen sie sich oft ein bisschen blöd an“, sagt er.

Ein weiterer Vorteil der Kreuzungszucht: Geburtshilfe war bisher keine nötig. „Die F1-Kälber sind zwar größer als reine Holstein- oder Fleckviehkälber“, sagt Henning Rothert. Aber bisher gebe es keine Probleme. „Sobald der Kopf durch ist, ist auch das Kalb durch“, sagt der Milchviehhalter.

Mortellarosche Krankheit tritt seltener auf

Neben mehr Besuchszeiten am automatischen Melksystem (AMS) haben die F1-Tiere auch seltener Klauenprobleme. „Die Mortellarosche Krankheit tritt zum Beispiel viel seltener auf.“ Sowohl die Holsteinkühe als auch die F1-Kreuzungstiere besamt Henning Rothert mit Fleckvieh.

Nur mit der Kreuzung von reinen Holsteinfärsen und Fleckvieh ist der Landwirt bisher nicht zufrieden. „Das Abkalbeverhalten hat uns noch nicht überzeugt“, sagt er. Die Kälber waren bisher immer etwas zu schwer. Deshalb besamt er reine Holsteinfärsen als erstes mit einem Holstein-Bullen. Und danach erst mit dem Sperma eines Fleckvieh-Bullen.

Problem: Kälber mit schwarzen Köpfen

Kälber in Iglus: Im Stall von Henning Rothert

Rund 120 Bullenkälber verkauft Henning Rothert im Jahr. Für jedes gekreuzte Kalb bekommt er 100 Euro mehr. Das einzige Problem sei, dass die Mäster Kälber mit schwarzen Köpfen nicht akzeptierten. „Für so ein Kalb bekommt man vielleicht einen HF-Preis, aber sicher keinen Kreuzungspreis“, sagt er.

„Wenn die Mäster sagen, das sieht aus wie Schwarz-Bunt, dann ist es auch Schwarz-Bunt.“ Für Schlachtkühe bekommt der Landwirt im Schnitt 300 bis 400 Euro mehr. „Meine Holsteinkühe müssen dafür ein paar Liter Milch mehr geben“, sagt der Milchviehhalter.

Kreuzungszucht: Tipps für Einsteiger

Für Henning Rothert hat sich die Kreuzungszucht gelohnt. „Bevor man in die Zucht einsteigt, sollte man jedoch als erstes prüfen, ob man mit Fleckvieh zurechtkommt“, sagt er. Denn Fleckvieh sei viel sturer als Holstein. Der Landwirt empfiehlt zudem, tragendes Fleckvieh zu kaufen. „Trächtige Kühe gewöhnen sich viel schneller ein und man hat auch gleich ein Kalb.“

Als nächstes sollte man mit einer Testphase beginnen und ein Drittel der eigenen Herde besamen. So könne man prüfen, wie sich die F1-Tiere entwickeln. „Zwei bis drei Jahre später kann man dann entscheiden, ob es sich lohnt, mehr Kühe zu besamen“, sagt der Milchviehhalter.

Die ganze Reportage und was sich Henning Rothert für die Zukunft vorgenommen hat, lesen Sie in der Aprilausgabe von agrarheute Rind ab Seite 10.

Ein Milchviehbetrieb in Ostfriesland: Kreuzungszucht und Roboter

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