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Aufreger

Tote Kühe wegen Müll im Futter: Eine Landwirtin erzählt

Tote Kuh liegt auf dem Boden: Schuld ist Müll im Futter
am Montag, 29.06.2020 - 12:39 (3 Kommentare)

Bei Landwirtin Irina Prem aus Schwarzach sind in den letzten Wochen drei Milchkühe qualvoll verendet. Die Todesursache: zerkleinerte Aluminium-Dosen im Futter. Die Bäuerin ist stinksauer.

„Wir sind zornig-grantig-frustiert-traurig-hilflos! Ohnmächtig dazu verdammt, zuzuschauen was grade bei uns passiert. Wir können nicht helfen!“ So beginnt der Facebook-Post von Irina Prem, die 115 Milchkühe in Schwarzach im Bayerischen Wald hält.

Vor drei Wochen verendete ihre trächtige Kuh Fillipa. Auch ihr Kalb starb im Mutterleib. Die Landwirtin ließ die Kuh obduzieren. Die Todesursache: ein persistenter wandernder Fremdkörper. „Obwohl wir die Augen offen hatten, fanden wir nichts im Futter“, schreibt Irina Prem.

Todesursache: Dosen auf dem Getreide-Acker

Kuh Filippa starb an einer Bauchfellentzündung

Ein Tag nach dem Tod von Fillipa, wurde Ginny auffällig. Dann Rudini. Beide Kühe zeigten dieselben Symptome wie Fillipa: Von einem Tag auf den anderen gaben sie keine Milch mehr. „Und sie kauten nicht mehr wieder und sahen elendig aus.“

Schließlich fand Gerhardt Primbs, der Lebenspartner von Irina Prem, zerschnittene Getränkedosen im Futter. In kleine Stücke geschnitten waren sie im Stroh verpresst. „Irgendein Idiot hat letztes Jahr seinen Abfall an Dosen in einem unserem Getreideacker entsorgt“, schreibt die Landwirtin.

Getränkedosen: Kühe verenden qualvoll

„Wir haben am Häcksler, am Mähdrescher und an der Strohpresse Sicherheitsmagnetschalter, die sofort stoppen, wenn sie etwas Magnetisches erwischen.“ Das Problem: Aluminiumdosen erkennt er nicht, da sie nicht magnetisch sind.

Die Dosen werden zerkleinert und die Kuh frisst sie mit. „Die Teile zerschneiden die Kuh von innen“, schreibt Irina Prem. Die Kühe gehen elendig zugrunde, meistens an einer Bauchfellentzündung. Oder die scharfen Splitter durchtrennen Adern oder wandern in die Lunge.

„Ganz schlimm sind die Red-Bull-Dosen“

Zerkleinerte Getränkedosen im Futter

Für Irina Prem sind die Red-Bull-Dosen am schlimmsten. „Die haben nur 25 Cent Pfand. Dafür macht sich niemand die Mühe, die wegzubringen“, sagte die Landwirtin zur Bild-Zeitung. Seit McDonald’s die Dosen im Angebot habe, sei das Problem richtig groß geworden.

„Die Leute kaufen sich das unterwegs, machen dann das Autofenster auf und schmeißen alles raus.“ Ähnlich sei es mit Katzenfutterdosen. „Muss das denn sein?? Kann man nicht seinen Abfall in einem Mülleimer werfen und nicht in die Natur“, so die Bäuerin zornig.

Abfall im Futter: „Es redet niemand darüber“

Mittlerweile sind drei Milchkühe tot. Zwei weitere Tiere zeigen Symptome. Und es könnten noch mehr werden. „Wir wissen nicht, wie viel Dosenreste noch im Futter sind“, sagt Irina Prem zum Bayerischen Rundfunk. Das Futter zu sieben ist keine Alternative für sie.

„Das wäre ein immenser Aufwand bei 6 Tonnen Futter am Tag.“ Die Landwirtin kann nicht verstehen, warum Müll statt im Abfalleimer auf den Feldern und Äckern landet. „Das mit den Dosenresten im Futter kommt häufig vor“, glaubt Irina Prem. „Aber es redet niemand darüber.“

Müll gehört in den Abfalleimer!

Red-Bull-Dose

Irina Prem ist sich sicher: „Ich werde niemals erfahren, wer der Übeltäter war und vermutlich war es ihm/ihr auch gar nicht bewusst. In meinen Gedanken lasse ich ihn die Metallteile fressen- ich sags ganz ehrlich.“ Sie wünscht sich, dass die Leute mehr Verantwortung übernehmen.

Der Appell der Landwirtin: „Nehmt euren Müll mit und entsorgt ihn im nächsten Abfalleimer. Davon gibt es doch nun wirklich sehr viele in Deutschland.“ Den BR-Fernsehbeitrag zur Situation auf dem Hof von Irina Prem finden Sie hier.

Mit Material von Facebook, BR, Bild-Zeitung

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