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Kälberfütterung

Tränkeregime bei Kälbern: So funktioniert Ad-libitum richtig

Dr. Caroline van Ackeren/Dr. Hans-Jürgen Kunz/Dr. Ilka Steinhöfel/Nicoleta Culiuc/agrarheute
am
11.04.2016

Die Redakteure des dlz-agrarmagazin holten sich Expertenmeinungen für das Tränkeregime bei den Kälbern ein. Heute stellen wir Ihnen eine weitere Methode, die Ad-libitum-Tränke, vor. So funktioniert sie richtig.

In der Praxis haben sich mehrere Tränkeregime bei den Kälbern etabliert. Dazu gehören

Was es bei der Ad-libitum-Tränke zu beachten gibt, und was die Experten zu dieser Methode meinen,  lesen Sie im Folgenden.

So funktioniert die Ad-libitum-Tränke

  • Nach der ersten Kolostrumgabe direkt nach der Geburt erhalten die Tiere ein paar Stunden später noch einmal drei Liter Biestmilch.
  • Anschließend sind die Kälber vom 2. bis zum 21. Lebenstag in Iglus und bekommen morgens und abends jeweils sechs bis neun Liter Vollmilch im Nuckeleimer.
  • Die Vollmilch ist auf einen pH-Wert von etwa 5,5 angesäuert. 
  • Bei jedem neuen Auffüllen wird die im Eimer verbliebene Restmenge entsorgt.
  • Ab dem 22. Lebenstag werden die Kälber in Gruppenbuchten umgestallt. Hier können sie über einen Tränkeautomaten sechs Liter MAT pro Kalb und Tag in vier Mahlzeiten aufnehmen. Der MAT ist mit 160 Gramm je Liter Wasser angesetzt.
  • In der 6. Lebenswoche werden die Kälber von sechs auf zwei Liter MAT (120 Gramm je Liter Wasser) bis zur zehnten Lebenswoche abgetränkt.
  • Zur freien Verfügung stehen ab der zweiten Lebenswoche Wasser und Raufutter.

Das meint Dr. Hans-Jürgen Kunz zur Ad-libitum-Tränke

  • Die Empfehlung zur Ad-libitum-Tränke in den ersten 21 Tagen ist richtig und trägt zu einer sehr guten Kälbergesundheit bei.
  • Im Anschluss daran ist es ratsam, die Tränkemenge pro Kalb und Tag nicht unmittelbar auf sechs Liter abzusenken. Dieser Sprung ist sehr groß und die Kälber können den dann fehlenden Nährstoffbedarf nicht in gleicher Geschwindigkeit durch die Aufnahme von Kraftfutter oder anderen festen Futtermitteln kompensieren.
  • Der Zuwachs geht stark zurück und die Anfälligkeit gegenüber Erkrankungen erhöht sich.
  • Am Tränkeautomaten kann beispielsweise eine Tränkekurve eingestellt werden, die mit einer hohen Menge, zum Beispiel neun Liter mit 160 g MAT je Liter, beginnt und linear innerhalb der angegebenen Spanne bis zur zehnten Woche auf zwei oder null Liter abgesenkt wird.
  • Bei einer Nuckeleimertränke in Gruppenbuchten sollte ein schrittweises Abtränken von einem höheren Niveau, zum Beispiel von anfänglich acht Liter pro Tag, über beispielsweise sechs Liter und anschließend drei Liter innerhalb eines Zeitraumes von sechs bis sieben Wochen erfolgen.

Dieser Beitrag ist zuerst in der Februar-Ausgabe des dlz-agrarmagazin erschienen.

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