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Kälberfütterung

Tränkeregime bei Kälbern: So funktioniert die Einmalfütterung

Dr. Caroline van Ackeren/Dr. Hans-Jürgen Kunz/Dr. Ilka Steinhöfel/Nicoleta Culiuc/agrarheute
am
25.02.2016

Die Redakteure des dlz-agrarmagazin befragten drei Experten zu unterschiedlichen Tränkeregimen bei Kälbern. Heute stellen wir Ihnen eine Praxisration, in dem die Kälber nach dem 13. Lebenstag einmal täglich trinken, vor.

Die ersten Lebenswochen eines Kalbs entscheiden über die zukünftige Milchkuh. Leistung, Gesundheit und Fruchtbarkeit können Rinderhalter bereits durch die Fütterung der Kälber beeinflussen. In der Praxis etablierten sich verschiedenste Tränkeregime. Dazu gehören: die einmal tägliche Fütterung, die rationierte Tränke und die Ad-libitum-Tränke oder auch die Frühentwöhnung bei einer rationierten Vollmilchtränke. Im Folgenden stellen wir Ihnen die Einmalfütterung vor.

Einmalfütterung: So funktioniert sie

  • In der ersten sechs Stunden sollen die neugeborenen Kälber so viel Biestmilch wie möglich erhalten.
  • Am zweiten Tag bekommen sie noch zweimal drei Liter Biestmilch über Nuckeleimer.
  • Vom dritten bis 12. Tag erhalten die jungen Tiere zweimal täglich drei Liter eines Gemischs aus Biestmilch und Vollmilch über die Tränkeeimer.
  • Ab dem 13. bis zum 45. Lebenstag setzt die Einmalfütterung ein. Ab diesem Zeitpunkt bekommen die Tiere einmal täglich zwei Liter Milch plus 1,75 Liter Wasser mit 450 g MAT im Gemisch.
  • Schrittweise wird dann anschließend von zur achten bis zur neunten Lebenswoche die Menge reduziert. 
  • Kälberkraftfutter bis zu einer täglichen Menge von 2,5 kg und Wasser stehen von Anfang an zur freien Verfügung. Diese Menge Kraftfutter verzehren die Tiere dann tatsächlich ab etwa dem 60. Lebenstag bei einem Lebendgewicht von rund 90 kg.

Das meint der Experte Dr. Hans-Jürgen Kunz

Biestmilchversorgung sollte immer "so schnell wie möglich" passieren. Dabei sollen Kälber "so viel wie möglich" trinken, da der Saugreflex ebenso wie das Resorptionsvermögen für die Immunglobuline unmittelbar nach der Geburt am größten ist. Die Tränkemengen vom zweiten bis zum 12. Tag mit zweimal sechs Liter Biestmilch oder Vollmilch sind gering und können bei Kälte oder einer möglichen Infektion unzureichend sein.

Die weitere Versorgung mit einer täglich einmaligen Tränke mit den angegebenen Mengen verursacht eine massive Unterversorgung der Kälber und ist darum als Praxislösung abzulehnen. Die in dieser Ration verfütterten Tränkemengen entsprechen etwa dem Erhaltungsbedarf.

Kraftfutter beziehungsweise andere Futtermittel können in diesem Altersabschnitt den fehlenden Nährstoffbedarf nicht ersetzen. Es fehlt der Ansatz, strukturiertes Futter wie Heu oder Stroh von Beginn an anzubieten.

Dieser Beitrag ist zuerst in der Februar-Ausgabe des dlz-agrarmagazin erschienen.

Praktische Ideen für den Kälberstall

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