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Kälberfütterung

Tränkeregime bei Kälbern: So funktioniert die rationierte Tränke

Dr. Caroline van Ackeren/Dr. Hans-Jürgen Kunz/Dr. Ilka Steinhöfel/Nicoleta Culiuc/agrarheute
am
15.03.2016

Die Redakteure des dlz-agrarmagazin befragten drei Experten zu unterschiedlichen Tränkeregimen bei Kälbern. Heute stellen wir Ihnen die rationierte Tränke vor.

In der Praxis gibt es mehrere Tränkeregime, die bei den Kälbern angewendet werden. Dazu gehören:

  • die Einmalfütterung,
  • die rationierte Tränke und
  • die Ad-libitum-Tränke oder auch
  • die Frühentwöhnung bei einer rationierten Vollmilchtränke.

Im Folgenden stellen wir Ihnen das Wichtigste zur rationierten Tränke vor.

Rationierte Tränke: So funktioniert sie

  • Noch bei der Kuh erhält das Kalb mindestens 2,5 Liter (l) Biestmilch.
  • Nach sechs bis acht Stunden werden ein zweites Mal 2,5 l Kolostrum vertränkt.
  • Ab dann gibt es 1,6 l Milchaustauscher (MAT) dreimal täglich bis zum sechsten Lebenstag, ausgefüttert mittels Milchtaxi im Nuckeleimer. Im Winter wird der MAT mit 170 g/l Wasser und im Sommer mit 160 g/l Wasser angereichert.
  • Ab dem siebten Lebenstag kommen die Kälber in eine Gruppe an den Tränkeautomaten. Dort erhalten sie täglich fünf Liter MAT für sechs Tage.
  • In den kommenden vier Tagen wird die Tränke auf sieben Liter heraufgestuft. Diese Menge rufen die Kälber dann für die nächsten 25 Tage am Automaten ab.
  • Danach wird innerhalb von zwei Tagen auf 0,5 l zurückgefahren, diese Menge wird dann noch für wenige Tage getränkt.
  • Zusätzlich gibt es ab dem achten Tag Müsli, Pellets und etwas später die TMR der frisch abgekalbten Kühe. Wasser sollte den Kälbern von Beginn an zur Verfügung stehen.

Das meint Fütterungsexpertin Dr. Caroline van Ackeren zur rationierten Tränke

  • Bei Kälbern mit einem geringen Geburtsgewicht und bei etwas lebensschwachen Neugeborenen werden für eine gute Versorgung und intensive Tierbeobachtung täglich bis zu vier Mahlzeiten empfohlen. Dieses Tränkesystem weicht von der Empfehlung ab, wonach Kälber in den ersten fünf Lebenstagen mit Transitmilch zu versorgen sind, um die Nährstoffbedürfnisse zu erfüllen und Umstellungsschwierigkeiten beim Wechsel des Tränkemittels zu vermeiden. Neben der frühzeitigen Umstellung auf die MAT-Tränke (ab dem zweiten Lebenstag) ist auch die Reduzierung der Portionsgröße von 2,5 auf 1,6 l nicht optimal, da insgesamt nur 4,8 l angeboten werden.
  • Umstallung in die Gruppen mit Tränkeautomat: Das Abtränken findet sehr abrupt in der siebten Lebenswoche statt. Da vier Liter MAT-Tränken rund einem Kilogramm Kraftfutter (KF) entsprechen, müssten die Kälber somit innerhalb kurzer Zeit die KF-Aufnahme auf mindestens zwei Kilogramm steigern. Eine Portionsgröße von nur 0,5 l MAT-Tränke ist wenig empfehlenswert, da diese schnell aufgenommen und der Saugreiz nicht ausreichend gestillt wird.
  • Bei der Gruppenhaltung ist zu beachten, dass die Kälber in der Abtränkphase nicht gemeinsam mit Kälbern in der Haupttränkphase aufgestallt werden. Eine Gruppenbildung in Altersstufen von zwei bis fünf Lebenswochen und sechs bis acht Lebenswochen ist empfehlenswert.
  • Bei rationierter Tränke mit frühzeitigem Absetzen sollte mit der Festfuttervorlage nicht erst ab dem achten sondern ab dem dritten Lebenstag begonnen werden. Grassilage sollte erst ab der fünften Lebenswoche verfüttert werden, wenn die Kälber täglich schon eine Futteraufnahme von mindestens 0,5 kg Festfutter erreichen.

Dieser Beitrag ist zuerst in der Februar-Ausgabe des dlz-agrarmagazin erschienen.

5 Tipps zur Kälberfütterung: Darauf sollten Sie achten

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