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Haltungstechnik

Im Tritt bleiben: Tipps zum Laufgangböden sanieren

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am Donnerstag, 08.04.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Laufgangböden verschleißen mit der Zeit. Besonders Betonböden werden mit der Zeit zu glatt und das Laufen wird zur Rutschpartie. Wie der Boden wieder griffig wird, lesen Sie hier.

Kuh auf geschnittenem Stallboden mit Rillenprofil

Lange, ausladende Schritte, stolz erhobener Kopf – der natürliche Gang von Kühen hat etwas Erhabenes.

Oftmals lässt sich in den Ställen aber ein anderes Bild beobachten: Die Tiere gehen mit kurzen Schritten und zum Boden geneigtem Kopf. Sie vermeiden natürliche Verhaltensweisen wie das Aufspringen in der Brunst oder das kaudale Lecken, bei dem die Tiere auf drei Beinen stehen müssen.

Stallboden: erste Anzeichen für einen Verschleiß

All das sind erste Anzeichen dafür, dass der Boden in den Laufgängen des Stalls einmal genauer unter die Lupe genommen werden sollte, denn schon vom ersten Tag an verschleißt der Boden in den Laufgängen durch tägliche Beanspruchung und Verkalkungen. Bereits nach vier bis fünf Jahren gibt es in vielen Fällen Sanierungsbedarf. Dabei sagt der Verschleiß nichts über die ursprüngliche Qualität des Stallbodens aus. Es ist ein natürlicher Prozess und die Trittsicherheit im Stall lässt sich zum Teil sogar in Eigenleistung wiederherstellen.

Stress beim Tier reduzieren: Gefahrenquelle glatter Boden

Besonders für die Tiere bedeutet ein zu glatter Boden Stress. Die Kühe verlieren nach und nach das Vertrauen in den Untergrund.

Sie zeigen natürliche Verhaltensweisen wie:

  • das Aufspringen in der Brunst,
  • Trab- oder sogar Galoppschritte 
  • und kaudales Lecken weniger oder sogar gar nicht mehr.

Außerdem vermeiden sie jeden nicht notwendigen Gang – auch zum Futtertisch, was sich in einer verminderten Futteraufnahme zeigt.

Nicht nur für die Tiere ist ein zu glatter Boden unangenehm, sondern auch für Personen im Stall kann dieser gefährlich sein. Dann werden die tägliche Tierkontrolle und der Stalldurchgang zu einer Schlitterpartie. Bietet der Boden in den Laufgängen keine ausreichende Trittsicherheit mehr, muss er saniert werden.

Lauffläche trittsicher gestalten: Fräsen in planem Beton

Eine Möglichkeit, die Laufflächen wieder trittsicher zu bekommen, ist das Fräsen von Rillen in den Betonboden. Dabei muss vor allem darauf geachtet werden, dass die Armierungseisen ausreichend bedeckt bleiben. Außerdem ist es ein Unterschied, ob ein planbefestigter Boden oder ein Spaltenboden gefräst werden soll. Bei Spaltenboden besteht die Gefahr, dass durch das mechanische Bearbeiten des Bodens Kanten abbrechen oder scharfe Ecken entstehen. Die Schwingungen der Fräse können Haarrisse in den Spaltenböden erzeugen. Das Fräsen von Rillen in planbefestigte Böden ist dagegen weniger problematisch. Das Verfahren eignet sich daher nur für planbefestigte Böden.

Mit rund 1,50 Euro/m² ist das Fräsen etwas teurer als das Aufrauen mit Säure. Es erfordert zudem vor dem Einsatz der Fräse eine genaue Prüfung der Bodenqualität, damit nach dem Sanieren nicht neue Gefahrenquellen wie scharfe Kanten entstehen.

Alternative zum Fräsen: Schneiden mit Diamanten

Das Fräsen von Rillen in den Betonboden wurde mittlerweile durch eine andere Methode ersetzt: das Schneiden der Betonoberfläche mithilfe eines Diamantschneidwerks. Auf vielen Betrieben wurde dies bereits erfolgreich durchgeführt und die Erfahrungen der Betriebe sind positiv.

Bei diesem Verfahren werden die Lauf- flächen mit einem Gerät bearbeitet, das mit Diamanttrennscheiben ausgestattet ist. Während des Arbeitsvorgangs werden die Scheiben mit Wasser gekühlt. Die Diamanttrennscheiben schneiden ein flaches Rillenprofil in die Oberfläche – entweder nur quer oder als Rautenmuster. Die Kanten können bei diesem Verfahren nicht brechen und es besteht keine Gefahr, dass die Spalten auf der Unterseite Risse bilden. Bei planbefestigten Böden nutzt man in der Regel ein Rautenmuster oder ein quadratisches Muster. Wie auch beim Fräsen ist beim Schneiden des Betonbodens mit Diamantschneiden eine gewisse Tiefe notwendig, damit der Boden wieder griffig wird.

Um den Boden für das Schneiden des Rillenprofils vorzubereiten, muss er nur sauber abgeschoben werden. Die Kosten für diese Art der Sanierung betragen rund 4 bis 5 Euro/m².

Mit der Zeit setzen sich auch die Rillen wieder zu und der Boden verliert an Trittsicherheit. Mit einer gründlichen Reinigung mittels Hochdruckreiniger lösen sich die Ablagerungen jedoch wieder aus den Rillen und die Griffigkeit ist erneut gegeben, da das Oberflächenprofil wiederhergestellt ist.

Bodensanierung: Komfort mit Gummi

Die für die Kühe komfortabelste Sanierungsalternative ist das Auslegen der Laufgänge mit speziellen Gummimatten. Dieses Verfahren ist jedoch eine der teuersten Methoden. Die Kosten belaufen sich auf 40 bis 70 Euro/m² bei planbefestigten Böden. Bei Spaltenböden können die Gummiauflagen noch einmal 15 bis 20 Euro/m² teurer sein, denn sie müssen auf die Maße der Spaltenelemente zugeschnitten werden.

Werden die Laufgänge mit Gummimatten belegt, muss zunächst der Kuhkomfort in den Liegeboxen gewährleistet sein. Sind die Liegeboxen zu unbequem für die Kühe gestaltet, kann es passieren, dass sich die Tiere lieber auf die weichen Laufgänge als in die vergleichsweise engen, härteren Boxen legen.
Passt der Kuhkomfort in den Liegeboxen, bieten Gummimatten in den Laufgängen den Tieren gute Trittsicherheit. Die Kühe zeigen wieder vermehrt ihr natüliches Verhalten, einen sicheren Gang oder auch deutliche Brunst- anzeichen.

Bei der Sanierung des Stalls die Klauengesundheit beachten

Die Klauengesundheit verbessert sich allerdings durch die Gummiauflage nicht unbedingt. Besonders auf infektiöse Klauenerkrankungen haben die Gummimatten kaum Auswirkungen.

Wurden die Laufgänge mit Gummimatten saniert, muss der Landwirt zudem ein verändertes Klauenwachstum beachten. Dank der weichen Unterlage verändert sich die Klauenform. Der Klauenabrieb der Tiere sinkt, wodurch häufiger Pflegeschnitte notwendig werden.

Ein gegenteiliges Problem tritt dagegen mit der Zeit auf Böden aus Gussasphalt auf: Sie werden zu rau. Das führt zu einem hohen Klauenabrieb, was folgenschwere Verletzungen der Lederhaut zur Folge haben kann. Das Abschleppen eines zu rau gewordenen Asphaltbodens mit Stahl- oder Betongewichten kann das Problem leicht verbessern.

Bleibt der Abrieb der Klauen jedoch dauerhaft zu hoch, können nur das Neuverlegen des Asphalts oder ebenfalls das Verlegen von Gummimatten Abhilfe schaffen. Das Abschleppen und auch das Sanieren von zu rau gewordenem Gussasphalt kann nur von Fachfirmen erledigt werden.

Verhalten der Kühe regelmäßig kontrollieren

Egal, welcher Boden in den Laufgängen verbaut wurde, er hat Auswirkungen auf das Verhalten der Kühe und auf die Tier- gesundheit. Schon nach einigen Jahren kann der Untergrund verschleißen und Probleme verursachen. Planbefestigter Beton, Betonspalten oder Gussasphalt – alle Böden benötigen tägliche Pflege. Dazu gehört auch eine regelmäßige Kontrolle, denn der Alterungsprozess setzt schon ab dem ersten Tag ein.

Ein wachsames Auge beim Stallrundgang kann schon schlimmere Folgen verhindern. Bewegen sich die Kühe nur noch vorsichtig mit zum Boden geneigtem Kopf in den Laufgängen, zeigen kaum natürliche Verhaltensweisen oder leiden unter verstärkten Klauenverletzungen, deutet das auf einen verschlissenen Boden hin.

Planbefestigte Betonböden können am unkompliziertesten saniert werden. Doch auch auf Spaltenböden oder Gussasphalt kann mit der entsprechenden Technik die Trittsicherheit wiederhergestellt werden. So wird der Gang durch den Stall für Mensch und Tier nicht zur Rutschpartie.

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