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Milcherzeugung

Was tun, wenn die Kühe die Milch nicht hergeben?

Milchblockade im Melkstand lösen
am Dienstag, 23.06.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Bei Kühen, die die Milch nicht hergeben wollen, hilft nur die Oxytocinspritze? Nein, der zielgenaue Einsatz von Atemluft funktioniert genauso gut. Das wussten schon unsere Vorfahren, die Kühe ohne Spritze zur Milchgabe bewegen mussten.

Allein das Geräusch eines Pulsators oder die leichte Berührung des Euters reicht heute bei vielen Kühen aus, um Oxytocin auszuschütten. Doch manchmal steckt in unseren Kühen noch mehr Urkuh, als uns lieb ist.

Deutlich wird das bei jungen Färsen, die zum ersten Mal den Melkstand betreten und sich nicht beruhigen wollen. Für das Tier ist alles neu: die Umgebung, die Geräusche, die Gerüche, die Anwesenheit des Melkers, das Anfassen des Euters und das Melkzeug. Das erzeugt enormen Stress, Tiere treten aus und lassen nicht zu, dass man sie am Euter berührt.

Neben der Gefahr von schmerzhaften Trittverletzungen für den Melker können sich die Tiere auch selbst verletzen und nicht zuletzt die Melktechnik zerlegen. Und die Tiere werden keine Milch geben. Der Stress blockiert die Milchabgabe. Die modernen Lösungen für dieses Problem sind Schlagbügel, Hüftfesseln und die Injektion von synthetischem Oxytocin.

Im Melkstand die Milchblockade lösen

Doch es geht auch anders. Zum Beispiel mit dem Einblasen von Luft in die Vagina. Hier gibt es viele Möglichkeiten. Man kann zum Beispiel einen sauberen, keimfreien Gartenschlauch benutzen. Da ein Schlauch aber flexibel ist, ist es mitunter schwer, ihn in die Scheide der Kuh einzuführen. Das Werkzeug BlowFixx hingegen hat eine starre Edelstahlsonde mitsamt Handgriff. In gerader Ausführung kommt es im Melkroboter, im Anbindestall, am Fressgitter oder in der Abkalbebox zum Einsatz. Für den Melkstand oder das Melkkarussell, bei dem man von unten an die Kuh ran muss, gibt es einen abgewinkelte Form. Edelstahl hat den Vorteil, dass es nach jedem Einsatz gut gereinigt und desinfiziert werden kann. Als Zwischenstück wird ein Silikonschlauch verwendet, der höchstmögliche Flexibilität auch bei kalten Temperaturen garantiert. Darauf steckt ein Atemventil mit Rückatemsperre. So kommt keine eingeblasene Luft wieder zurück.

Kostenpunkt für das Spezialwerkzeug: ab 56 Euro (weitere Informationen unter www.bovitools.com). Um Effekte zu erzielen, sollte man die Methode etwa ein bis drei Tage, das heißt bei zwei bis sechs Melkvorgängen anwenden. Je nachdem, wie lange die Luft braucht, um die Scheide wieder zu verlassen, hält der Reflex rund 5 bis 8 Minuten an.

Einblasen nicht nur beim Melken sinnvoll

Das Einblasen der Luft kann in verschiedenen Situationen helfen:

  • bei Tieren, die stressbedingt die Milch nicht abgeben;
  • bei Kühen, die ohne ersichtlichen Grund ausschlagen und sich dabei selbst, die Technik oder das Melkpersonal gefährden;
  • bei Kühen, die nach dem Abkalben Schwierigkeiten haben, das eigene Kalb zu akzeptieren. Nach dem Aufpusten des Rindes kann man in der Regel das Kalb zum Saugen heranführen oder Kolostrum abmelken;
  • bei Tieren, die an einer Mastitis erkrankt sind. Der natürliche Oxytocinschub führt zu einem höheren Ausmelkgrad des erkrankten Euters. Das regt den Heilungsprozess an;
  • bei Kühen nach der Geburt, um die Kontraktion und somit den natürlichen Reinigungsprozess der Gebärmutter zu unterstützen;
  • beim Einmelken in neuen Melkroboter- oder konventionellen Melkanlagen;
  • zum Stillstehen bei Euterbehandlungen von Kühen, nach Zitzenverletzungen, Einführen von Zitzenkanülen oder Euterinjektoren;
  • beim Anlegen und Abnehmen von Fesselbändern.

Wichtig! Wenn Tiere stillstehen sollen, ist es zu empfehlen, sie zusätzlich im Behandlungsstand zu fixieren. Laktierende Kühe darf man nur vor einem unmittelbar folgenden Melkvorgang (oder Saugvorgang in der Mutterkuhhaltung) oder direkt nach dem Melken einblasen, da der Oxytocinreiz eine umgehende Milchabgabe folgen lässt.

Mehr zu dem Thema erfahren sie in der Ausgabe 06/2020 agrarheute Rind.

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