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Aus der Wirtschaft

Ukraine: Milchmarkt gibt die Richtung vor

© Anna K/fotolia
von , am
18.09.2012

Die Rinderbestände und die Rindfleischproduktion dürften in der Ukraine im Jahr 2012 zum ersten Mal seit 20 Jahren stabil bleiben.

Auf der BDM-Infoveranstaltung wird eine aktuelle Milchproduktionskosten-Studie vorgestellt. © Christa Eder/fotolia.de
Grund sind vor allem die relativ hohen Milchpreise in den beiden zurückliegenden Jahren. Diese haben zu einer Konsolidierung des Milchkuhbestandes geführt. Nach wie vor ist Rindfleisch ist in der Ukraine ein Nebenprodukt der Milchproduktion und wird vorrangig in den Haus- und Hofwirtschaften erzeugt. Damit hängt auch die Entwicklung der Rinderbstände sehr stark von den Absatzmöglichkeiten für Milchprodukte am Binnenmarkt sowie im Export ab.

Bestand erstmals seit 20 Jahren stabil

Ende 2011 zählte das ukrainische Statistikamt 4,4 Mio. Rinder in Ukraine, davon waren knapp 2,6 Mio. Milchkühe. Das waren nur geringfügig weniger Tiere als im letzten Jahr (4,5 Mio.). Für den weiteren Jahresverlauf geht das USDA in einer aktuellen Prognose von stabilen Beständen aus. Dies wäre die erste Bestandsstabilisierung seit 20 Jahren. Allein von 2001 bis 2012 schrumpfte der ukrainische Rinderbstand von noch knapp 10 Mio. Tieren, um mehr als die Hälfte, auf 4,5 Mio. Tiere. Rund 70 % aller Rinder und drei Viertel aller Milchkühe werden derzeit in den kleinen auf Selbstversorgung ausgerichteten Haus- und Hofwirtschaften gehalten. Die hohen Milchpreise der letzten Jahre und die sich verbessernden Exportmöglichkeiten haben bislang nur zu einer geringfügigen Zunahme der Investitionen von Großbetreiben geführt, deren Geld weiterhin eher in die Schweine- und Geflügelproduktion fließt.

Finanzielle Förderung und Mindestpreise

Um die Produktion weiter zu stabsilieren hat die ukrainische Regierung verschiedene Maßnahmen ergriffen. Zum einen erhalten die Rinderhalter, die ihre Tieren nicht zu früh schlachten finanzielle Unterstützung, gestaffelt nach dem Alter der Tiere (bis 11 Monate). Zum anderen plant die Regierung im Herbst die Einführung eines Minimumpreises für Milch. Diese Maßnahmen sollen zum einen die Haltungsdauer verlängern und die Schlachtgewichte erhöhen und zum anderen die Milchproduktion stabilisieren. Besonders wichtig für die Stabilisierung der Milchpreise und damit auch der Produktion von Rindfleisch sind indessen die Exportmöglichkeiten und die dabei erzielten Preise. Mit Abstand wichtigster Absatzmarkt ist Russland sowie die im Rahmen eines Freihandelsabkommens zusammengeschlossenen 6 weiteren GUS-Länder.

Russland wichtigster Exportmarkt

Große Auswirkungen auf das Exportgeschäft der Ukraine hatten in den letzten Jahren immer wieder Exportrestriktionen Russlands. Besonders wichtig ist dabei der Käseexport, dessen Entwicklung indirekt immer auch auf den ukrainischen Rindermarkt zurückwirkt. Auch 2012 sind die Probleme mit Russland nicht völlig geklärt und limitieren weiterhin die Ausfuhr von Milchprodukten und Rindfleisch. Bislang sind fünf Schlachthöfe für den Export nach Russland zugelassen. Zudem könnte der besonders wichtige Export von Käse nach Russland (wegen der bestehenden Auflagen) im laufenden Jahr rund 30 % kleiner ausfallen als 2011. Vor diesem Hintergrund gerieten die Milchpreise in der Ukraine im Frühjahr 2012 unter Druck und die Rinderschlachtung erhöhte sich stärker als zunächst erwartet. Dennoch rechnen Beobachter bislang nicht mit einer weiteren Zunahme der Schlachtung oder einer erneuten Beschleunigung des Bestandabbaus.

Freihandelsabkommen mit der EU

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Mit der EU hat die Ukraine Mitte 2012 ebenfalls ein Freihandelsabkommen abgeschlossen. Bei Inkrafttreten (nach Ratifizierung durch die Mitgliedstaaten) könnte das Land bei Einhaltung der veterinärhygienischen und sonstigen Auflagen 14.000 t Rindfleisch in die EU liefern. Im letzten Jahr exportierte die Ukraine insgesamt etwa 18.000 t Rindfleisch – vor allem nach Russland und in andere GUS-Länder. Für das laufende Jahr rechnen die Experten des USDA mit einer ähnlich großen Exportmenge und auch für 2012 liegen die Schätzungen derzeit auf dieser Linie. Die Importe dürften nach Schätzungen des USDA von 5000 t im letzten Jahr, auf etwa 10.000 t im laufend Jahr zunehmen und damit größer ausfallen als erwartet.

Video "agrarheute.com unterwegs: Besuch des Milchviehbetriebs Meerwarth"

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