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Aus der Wirtschaft

Ukraine: Milchproduktion mit Problemen

von , am
02.11.2012

Drei Viertel der Milch in der Ukraine wird von Hofwirtschaften produziert, die oft Qualitätsmängel aufweist. Jedoch investieren Agrar-Holdings vermehrt in moderne Produktionstechnologien und Tiergenetik.

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© krick/agrar-press
In der Ukraine werden im Jahr 2012 nach den Schätzungen des vor Ort tätigen USDA-Büros 10,9 Millionen Tonnen (Mio. t) Milch mit 2,6 Mio. Kühen erzeugt. Das ist erstmals seit 20 Jahren ein leichter Produktionszuwachs und auch im kommenden Jahr könnte die Produktion noch moderat zunehmen. Allerdings werden nur 22 Prozent der gesamten Milch in großen und unter modernen Standards arbeitenden Betrieben erzeugt.
 
Etwas mehr als drei Viertel der Milch produzieren hingegen die kleinen Hauswirtschaften, deren Milchqualität in der Regel nicht zur Produktion von höherwertigen Milchprodukten ausreicht. Von der gesamten Produktionsmenge werden nur 45 Prozent also rund 4,8 Mio. t Milch auch zu Milchprodukten verarbeiten. Der Rest bleibt auf den Höfen zur zu Selbstversorgung.

Holdings investieren in Milch

Trotz der massiven Qualitätsprobleme kommt die Hälfte der von den ukrainischen Molkereien angekauften und verarbeiteten Milch von den Hofwirtschaften und die andere Hälfte von den großen Betrieben. Der Anteil der großen Unternehmen (meist Holdings), die in die Milchproduktion investieren, hat in den letzten Jahren nicht zuletzt wegen der hohen Milchpreise stetig zugenommen. Damit ist auch ihr Anteil an der von Molkereien verarbeiteten Milch gewachsen. Diese Betriebe investieren in moderne Technologien und Tiergenetik und halten im Schnitt 500 bis 7.000 Kühe. Oftmals kommen diese Unternehmen auch aus dem Ackerbau.

Käsemarkt entscheidet

Das mit Abstand wichtigste Milchprodukt der Ukraine ist Käse. Der wichtigste ausländische Absatzmarkt für ukrainischen Käse (und andere Produkte) ist Russland. Andere Absatzmärkte sind wegen der qualitativen Probleme ukrainischer Milchprodukte schwer zugänglich. Mit Russland und anderen GUS-Länder wurde mit Wirkung 30. Juli 2012 ein Freihandelsabkommen abschlossen, dass auch den Export von Milchprodukten ermöglicht.
 
Gleichzeitig hat die russische Importbehörde jedoch Importbeschränkungen gegen ukrainischen Käse verhängt, so dass der Handel deutlich zurückging. Dieser Rückgang hat nicht nur Einfluss auf den ukrainischen Export sondern auch auf den Binnenmarkt, denn der Großteil der Milch fließt in die Produktion von Käse.

EU-Auflagen werden nicht erfüllt

Auch mit der EU hat die Ukraine ein Freihandelsabkommen abgeschlossen, dass aber noch nicht in Kraft ist. Auch hier könnte die ukrainische Molkereien Milchprodukte zollfrei in die EU exportieren. Aber auch in der EU müssen zunächst die veterinärhygienischen Auflagen für die in der EU gehandelten Milchprodukte erfüllt werden und dies angesichts der bisherigen Qualität in der Milcherfassung und Verarbeitung in nächster Zeit wohl nicht zu erreichen. Schwerer treffen die Ukraine jedoch die Handelsbeschränkungen Russlands, die bereits zu einem Rückgang der Käseproduktion und des Exports sowie der Milchpreise und zu einer Zunahme der Kuhschlachtung geführt haben.

Käseexport bricht ein

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Für das laufende Jahr rechnen die Beobachter des USDA auf Basis der bislang vorliegen Zahlen mit einem Rückgang er Käseproduktion von gut fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu den Prognosen vom Jahresanfang ist die Produktion jedoch deutlich stärker, nämlich um fast 20 Prozent eingebrochen. Der Export könnte vor dem Hintergrund der anhaltenden Exportbeschränkungen durch Russland, im Gesamtjahr 2012 um 25 Prozent auf etwa 75.000 Tonnen zurückgehen. Auch für das kommende Jahr rechnet man noch mit einem moderaten Rückgang.
 
 
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