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Ukrainekrieg

Ukrainischer Betriebsleiter: „Wir mussten an die Russen überschreiben"

Betriebsleiter Andrii hat sich im Westen der Ukraine in Sicherheit gebracht.
am Donnerstag, 06.10.2022 - 05:00 (4 Kommentare)

Russische Streitkräfte rückten nach der angekündigten Annektierung von vier Regionen auch auf den Milchviehbetrieb von Andrii Pastuschenko vor.

Als der russische Präsident Putin ankündigte, vier Regionen der Ukraine darunter Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson zu annektieren, rückten die russischen Streitkräfte rasch auf den Milchviehbetrieb von Andrii Pastuschenko in Cherson vor.

Der 39-jährige Pastuschenko, leitet einen Betrieb mit 350 Milchkühen, 400 Nachkommen und 1.500 ha Ackerland. Aus Angst vor möglichen Konsequenzen ist Pastuschenko in die Westukraine geflohen. Jetzt hofft er auf die Befreiung seines Betriebs durch ukrainische Streitkräfte.

Stellvertrendende Geschäftsführerin entführt und zur Unterschrift gezwungen

Nach den Schilderungen von Pastuschenko wurde seine stellvertretende Geschäftsführerin 15 Tage von den Russen festgehalten. „Die Russen kamen auf den Hof und zwangen meine Stellvertreterin, ihnen alles zu überschreiben“, sagt Andrii.

„Sie bedrohten sie mit ihrem Leben. Entweder sie kooperiert oder sie wird getötet“, sagte er. Andriis Hof liegt nur 20 km südlich der Stadt Kherson und wurde bereits in der Vergangenheit von russischen Soldaten besetzt.

Damals stahlen sie die Milch von seinen Kühen und schlachteten Tiere, um sie anschließend zu grillen. Diesmal jedoch, so Andrii, blieben die Russen nicht auf dem Hof und waren eher höflich. „Sie haben zu viel Angst, denn wir haben viele Angestellte und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass einer von uns die Positionen an unsere Armee weitergibt und sie angegriffen werden.“

Betrieb in der Hand von deutschen Investoren

„Im Jahr 2008 kauften einige deutsche Investoren den Betrieb aus dem Konkurs und ich fungierte als Dolmetscher. Ein paar Monate später wurde ich selbst Direktor des Betriebs.“

Laut Andrii wollen die Russen, dass der Betrieb wieder registriert wird und weiterläuft. Etwa 95 Prozent der Mitarbeiter sind auf dem Hof geblieben und arbeiten weiter. Auch die 350 Kühe und deren Nachzucht sind vollständig.

„Die Stellvertreterin kam gestern Abend aus der Gefangenschaft", sagt Pastuschenko. Sie sei zum Glück unverletzt, aber die Russen würden sie zwingen, den russischen Pass anzunehmen. Außerdem dürfe sie das Gebiet nicht verlassen.

Zum Schutz in die Westukraine geflohen

„Ich sitze derzeit in der Westukraine und darf nicht zum Hof zurückkehren, da ich dort gleich verhaftet werde.“ Andrii sagt, dass der Farmbesitzer über das Verhalten der Russen nicht überrascht ist, da es vor acht Jahren auf der Krim genauso war, als sie die Region annektierten und die Farmen übernahmen. „Trotz dieses Rückschlags muss die Arbeit weitergehen“, sagt Andrii.

„Wir haben bereits über 300 Hektar Weizen gedrillt, aber das Maiskorn ist noch zu nass zum Dreschen. Die Kühe werden weiterhin täglich gemolken und die Milch wird verkauft."

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