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Konsumbericht

Umweltbundesamt empfiehlt 'Klimasteuer' auf Fleisch

© fineart-collection/fotolia
pd/Krauß
am
10.12.2015

In einer aktuellen Publikation geht das Umweltbundesamt (UBA) mit der Landwirtschaft wieder mal hart ins Gericht. Vor allem die Fleischproduktion und nichtsaisonale Produkte mit langen Transportwegen belasten laut UBA weiter Umwelt und Klima.

Die Veröffentlichung der Broschüre "Umwelt, Haushalte und Konsum" nimmt das Umweltbundesamt (UBA) zum Anlass, die Produktionsmethoden in der Landwirtschaft und ihre Auswirkungen auf Umwelt und Klima massiv zu kritisieren. Laut UBA zeigten Forschungsergebnisse, dass Produktion und Konsum von Nahrungsmitteln in Deutschland bis zu 30 Prozent aller Umweltwirkungen verursachen (Kohlendioxid-, Methan-Emissionen).

"Unsere Klimaschutzziele werden wir nur erreichen, wenn wir auch über unser Konsumverhalten nachdenken. Das macht auch vor liebgewonnenen Gewohnheiten nicht halt: Die Produktion tierischer Produkte, allen voran Fleisch, belastet die Umwelt in hohem Maße - durch Ressourcen- und Flächenverbrauch, aber auch Nitratbelastung von Böden und Gewässern und hohe Treibhausgasemissionen", erklärt dazu die UBA-Präsidentin Maria Krautzberger.

Des Weiteren kritisiert das UBA in der Publikation auch das "Wegwerfverhalten" der Deutschen. So landeten in deutschen Privathaushalten pro Jahr rund 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Hinzu kämen die Emissionen durch den Transport von Lebenmitteln: Erdbeeren im Winter oder Fisch aus Übersee belasten durch lange Transportwege das Klima. Das gelte vor allem für den Transport per Flugzeug.

Fleisch: Export übertrifft Inlandsverbrauch

Insbesondere die Fleischerzeugung bekommt in der Publikation ihr Fett weg. So rechnet das UBA vor, dass die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch zwischen sieben und 28 Kilogramm Treibhausgasemissionen verursache, Obst oder Gemüse dagegen weniger als ein Kilogramm.

Zwar sinke der Fleischkonsum in Deutschland in den letzten Jahren (von 2,8 Millionen Tonnen im Jahr 2000 auf 2,6 Mio. t in 2013), gleichzeitig exportiere Deutschland aber immer mehr Fleisch. So sei der Export laut UBA von 0,8 Millionen Tonnen im Jahr 2000 auf rund drei Millionen Tonnen im Jahr 2013 angestiegen.

Zusätzlich werde durch den Futtermittelanbau (zum Beispiel von Soja in Südamerika) Fläche benötigt, die durch Abholzung des Regenwaldes geschaffen werden müsse. Das Umweltbundesamt spricht von einem "virtuellen Landhandel". Die Futtermittel-Importe seien im Zeitraum von 2000 bis 2013 um knapp 39 Prozent gestiegen, während das Futtermittelaufkommen aus inländischer Produktion um 12,6 Prozent abgenommen habe.

UBA will 'Transformation' des Ernährungssystems

Das Umweltbundesamt empfiehlt in seiner Publikation, dass die Bundesregierung national eine Vorreiterrolle bei der Transformation des Ernährungssystems einnehmen solle. Ziele seien

  • den Verbrauch tierischer Produkte (insbesondere Fleisch) zu reduzieren sowie
  • die Nahrungsmittelverschwendung zu minimieren

"Eine ökologische, klimagerechte Ernährung soll durch ökonomische und steuerliche Instrumente privilegiert werden" heißt es in der Publikation (Seite 89). Laut UBA bedeutet dies, "dass für umwelt- und klimaschädliche Produkte und Verfahren die Mehrwertsteuer erhöht oder entsprechende Steuern erhoben werden sollten".

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