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Umweltmastitiden: Wie senke ich den Erregerdruck?

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am Donnerstag, 20.05.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Ob beim Melken oder im Stall: Umwelterreger lauern überall. Doch wie kann man den Erregerdruck im Stall senken?

Sie verbreiten sich über die Umwelt, die Boxen oder im Melkstand: Erreger, die Euterentzündungen hervorrufen, gibt es in unterschiedlichen Varianten. Einige lösen akute Mastitiden aus, andere hingegen chronische Formen. Vor allem die umweltassoziierten Erreger, wie Streptococcus uberis oder Escherichia coli, gehören zu den Haupterregern bei Euterentzündungen.

Beide Umweltkeime sind oft für schwere, akute Mastitisverläufe mit hohem Fieber und einem schlechten Allgemeinzustand der Kuh verantwortlich. Behandelt man beispielsweise eine E.-coli-Infektion zu spät, kann das großen Einfluss auf das Eutergewebe und die Gesundheit der Kuh haben.

Wo treten Mastitiserreger aus der Umwelt am häufigsten auf?

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Die Symptome sind so zahlreich wie die Erreger selbst. Um die Wirkungsweise dieser Keime besser zu verstehen, muss man wissen, wo sie hauptsächlich auftreten. So übertragen sich die euterassoziierten Keime von Kuh zu Kuh meist während der Melkzeit durch die Technik oder das Melkpersonal.

Die wichtigsten Vertreter hier sind Staphylococcus aureus und Streptococcus disgalactiae. Die sogenannten Hautkeime hingegen befinden sich auf der äußeren Haut und dem Strichkanal. Haupterreger sind koagulase-negative Staphylokokken (KNS). Diese Keime lassen sich beispielsweise durch sorgfältiges Dippen der Zitzen nach dem Melken gut eindämmen.

Schließlich gibt es noch weitere umweltassoziierte Erreger. Sie werden meist zwischen den Melkzeiten übertragen und verbreiten sich über die Umwelt, zum Beispiel durch Kot, Stroheinstreu oder Sägespäne. Vor allem Klebsiella, die zu den coliformen Keimen gehören und meist chronische Formen von Mastitis auslösen, finden sich in belastetem Einstreumaterial. Grüne, feuchte Sägespäne sind häufig hochgradig mit Klebsiella belastet.

Wie bedeutend sind Umwelterreger überhaupt?

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Eine Studie des Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim von 2019 macht deutlich, wie bedeutend umweltassoziierte Keime in deutschen Milchviehbeständen sind. In der Studie wurden 1.321 Milchproben untersucht und 1.370 Erreger gefunden. Sie stammten zum größten Teil aus der Umwelt.

Dabei fand man den Keim Streptococcusuberis in fast einem Viertel der Proben (23,6 Prozent). E. coli war in 13,2 Prozent der untersuchten Milchproben zu finden (siehe Grafik). Insgesamt machten die umweltassoziierten Erreger rund 40 Prozent des Gesamtkeimanteils in den Proben aus.

Was ist das Besondere an umweltassoziierten Mastitiserregern?

Umwelterreger zeichnen sich durch bestimmte Eigenschaften aus. So besitzen sie eine niedrige Prävalenz. Das bedeutet, dass die Rate der Erkrankungen durch den Erreger eher niedrig ist. Außerdem ist die Infektionsdauer im Vergleich kurz.

Eine weitere Besonderheit: Umwelterreger beeinflussen den Zellgehalt in der Herdensammelmilch, anders als euterassoziierte, oft nicht. Die größte Gefahr, die von ihnen ausgeht: Es kommt häufiger zu akuten Euterentzündungen.

Doch dieser Krankheit kann man etwas entgegensetzen. Eine trockene und saubere Einstreu und eine regelmäßige Boxenpflege bilden den Grundstein. Sie sorgen für hohe Boxenhygiene, saubere Euter und mindern den Keimdruck. Neben dem Einstreumaterial ist aber auch der pH-Wert in der Box wichtig. Diese Keime mögen keine alkalischen pH-Werte über 9,5. Daher lassen sie sich mit Stroh-Kalk-Gemischen zum Beispiel mit kohlensaurem Kalk fernhalten.

Hoher Hygienestandard beim Melken

Ein weiterer Faktor, um den Erregerdruck zu mindern, ist der Melkbereich. So hilft ein hoher Hygienestandard im Melkstand und bei der Melkarbeit nicht nur, kuhassoziierte Erreger in Schach zu halten. Auch Umweltmastitiden werden weniger, wenn der Melkstand gut gewartet ist und die Zitzen vor dem Melken sorgfältig gereinigt werden. Saubere Lauf- und Treibgänge senken den Keimdruck zusätzlich.

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