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Haltung und Mast

USA: Dürre drückt Rinderbestand auf 40-Jahrestief

© fisfra/Fotolia.com
von , am
30.08.2012

Washington - Die schlimmste Dürre in den USA seit mehr als 50 Jahren zwingt viele US-Farmer dazu, ihre Rinderbstände deutlich zu reduzieren. Rekordhohe Futterkosten in der Milchproduktion und der Rindermast sowie ein katastrophaler Zustand der Wiesen und Weiden sind die Ursache.

Sollte es ein Freihandelsabkommen mit den USA geben, rechnen die Forscher mit Importen von hochwertigem, marmoriertem Fleisch. © fisfra/Fotolia.com
Die Rinderbestände fallen auf das niedrigste Niveau seit 40 Jahren. Gleichzeitig schrumpft die Produktion und die ohnehin schon hohen Rinderpreise steigen weiter. Auch im Einzelhandel verteuert sich Rindfleisch sich deutlich.

Produktionskosten nicht gedeckt

Die Viehzählung des US-Landwirtschaftsministeriums ermittelte für Juli den niedrigsten Rinderbstand seit knapp 40 Jahren. Dabei fiel der US-Rinderbstand unter die Marke von 100 Millionen Tieren. Auch für das nächste Jahr geht das USDA infolge der extrem hohen Futterkosten von einem weiteren Rückgang des Bestandes und der Produktion aus.
 
Wissenschaftler der Universität Missouri errechneten für die spezialisierte Rindermast - trotz der hohen Rinderpreise - derzeit deutliche Verluste für die US-Farmer.

Extremer Anstieg der Futterkosten

Hauptursache für die Probleme der Rinderhalter ist der rasante Anstieg der Mais- und Sojapreise. Für die US-Milchproduktion ermittelte das USDA von Januar bis Juli einen Anstieg der gesamten Futterkosten von 33 Prozent (%). Dabei haben sich die Kosten für den Futterzukauf im gleichen Zeitraum sogar um rund 60 % erhöht.
 
Diesen Kostenanstieg könne die meisten Farmer nicht mehr ausgleichen und schaffen Mastrinder und Milchkühe ab, oder reduzieren zumindest die Bestände. Um die Futterversorgung zu verbessern verarbeiten viele Farmer schwache Soja- und Maisbestände zu Viehfutter oder lassen ihre Rinder auf den Äckern weiden. Auch die im Herbst auflaufende Wintersaat könnte vielerorts noch als Viehfutter dienen.

Rinderpreise steigen

Kurzfristig führt die starke Liquidation der Rinder- und Kuhbestände noch einmal zu einem Angebotszuwachs sowie zu leicht rückläufigen Preisen im dritten und möglichweise auch im vierten Quartal 2012. Danach gehen Analysten und USDA-Experten jedoch von einem kräftigen Anstieg der Rinderpreise aus.
 
Einige Analysten halten innerhalb der nächsten zwölf Monate einen Anstieg der Rinderpreise an den Termin- und Kassamärkten auf ein neues Allzeithoch für ziemlich wahrscheinlich. Eine solche Entwicklung dürfte nicht ohne Einfluss auf die Weltmarktpreise bleiben.

Ähnliche Probleme weltweit

Dabei dürften Rinderhalter weltweit vor ähnlichen Problemen stehen wie die USA-Farmer. Die Kosten für Futtergetreide und Eiweißfutter sind stark gestiegen, wenn auch nicht überall so drastisch wie in den USA, wo auch das Grünland von der Dürre stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.
 
Vor diesem Hintergrund dürfte sich der Anstieg der Futterkosten ganz besonders in den Ländern mit einer intensiven Milchproduktion und Rindermast auf die Bestände und die Produktion auswirken. Während stärker extensiv produzierende Länder wie Australien und Neuseeland die Kostenexplosion besser kompensieren können.

US-Produktion fällt unter Verbrauch

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Die US-Rindfleischproduktion könnte infolge der verringerten Rinderbestände in diesem und im nächsten Jahr zusammen um mehr als sechs Prozent schrumpfen. Wegen der steigenden Rinder- und Fleischpreise geht der Verbrauch im gleichen Zeitraum jedoch um drei bis vier Prozent zurück.
 
Der Pro-Kopf-Verbrauch in den USA verringert sich um mehr als ein Kilo. Dennoch könnte die Verbrauchsmenge im kommenden Jahr die inländische Produktion übersteigen, was zu einer weiteren Zunahme der Importe (vor allem aus Ozeanien) führt. Der Export dürfte wegen des knappen Angebotes und der hohen Preise jedoch zurückgehen oder zumindest nicht weiter wachsen.
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