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Userkommentare

User-Diskussion zum Milchvieh: Nutzungsdauer versus Wirtschaftlichkeit

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Katharina Krenn, agrarheute
am
18.07.2017

Das Thema Lebensdauer von Milchkühen wird auf Facebook heiß diskutiert - mit Fragen wie: Wie lange sollten Kühe leben und wie viele Laktationen sind wirtschaftlich?

Immer wieder steht die Milchviehhaltung in der Kritik 'Hochleistungskühe für billige Milch zu verheizen'. Der Deutsche Bauernverband hat vor kurzem einen Faktencheck zu dem Thema erstellt. Darin werden Zahlen aus den letzten 10 Jahren aufgeführt: Während die Milchleistung in den letzten zehn Jahren weiter gestiegen sei, sei das durchschnittliche Lebensalter von Holstein-Kühen bei 4,6 Jahren geblieben.

Viele Facebook-User - darunter auch Tierhalter - hinterfragen jedoch diese Tatsache und sind der Meinung, dass die durchschnittliche Lebensdauer von Milchkühen deutlich höher sein sollte.

4,6 Lebensjahre: Ist das zu wenig?

Auf das Posting des Faktenchecks auf der agrarheute-Facebook-Seite rechnet ein User vor: "4,6 Lebensjahre - das bedeutet, dass der Durchschnitt gerade mal 2 Laktationen "durchhält". Das bedeutet aber auch, dass 50 % der Kühe höchstens 4 Jahre alt werden. 25 % also nicht mal ihr 4. Lebensjahr erreichen, ergo nur eine Laktation abschließen. Und darauf sind die Züchter stolz? Eine Kuh kann nun mal 20 Jahre alt werden."

Darauf antworten einige User, dass Milchkühe dieses Alter in der Wildnis niemals erreichen. Eine Userin schreibt: „Mag man als Tierrechtler nicht gerne hören, aber auch in der Natur werden Tiere nicht älter als die angegebenen 4,5 Jahre. Im Gegenteil, etwa  50 % sterben, bevor sie die Geschlechtsreife erreichen. Und das in der Regel höchst unschön, weil sich weder Hunger noch Raubtiere an einen tierschutzgerechten Tod halten.“

Ein ehemaliger Milchviehhalter schreibt: "20 Jahre mag sehr hoch gegriffen sein - aber irgendwas um die 8 bis 10 Jahre war normal. Bei deutlich geringerer Leistung natürlich, aber auch bei baulich deutlich weniger optimalen Haltungsbedingungen, als das heute der Standard ist. Aber jede Kuh, die nicht einmal 5 Jahre alt wurde, war ein Grund sich über Fehler Gedanken zu machen."

Ab wie viel Laktationen ist eine Kuh wirtschaftlich?

Einige User diskutieren die Lebensdauer einer Milchkuh aus wirtschaftlicher Sicht. „Ich bin selber Tierwirt und denke schon auch wirtschaftlich. Und gerade dann kann ich nicht verstehen, wie man stolz sein kann auf durchschnittlich 2 Laktationen. Dafür muss ich zweieinhalb Jahre lang Aufzucht betreiben. Früher waren mal 5 bis 6 Laktationen die Regel.“

Ein Weiterer schreibt: „Eine Milchkuh erreicht ihr wirtschaftliches Maximum in der  7. Laktation. Das sollte man also wenigstens anstreben und sich kürzere Nutzungszeiten nicht schönreden. Schließlich kostet eine Färse in der Aufzucht so viel wie ein gleichaltriges Pferd.“

Remontierung senken?

Ein User ist der Meinung „Das eigentlich Erschreckende daran ist, dass es offen zeigt, dass die Mehrzahl der Betriebsleiter das monetäre Potential der Lebendauer noch nicht erkannt haben! Es gibt einen Zusammenhang zwischen Leistung und Lebensdauer, dieser ist aber nicht linear, denn sonst müssten die Ökobetriebe wesentlich besser sein. Ich habe meine Remontierungsrate nach dem Verlassen des Ökolandbaus nochmal gesenkt, obwohl ich die Leistung mittlerweile um mehr als 30 % gesteigert habe.“

Diese Userin argumentiert: „Wenn alle Betriebe ihre Remontierung um sagen wir mal 10 % senken, fallen jährlich ein paar Tausend Färsen an, die keiner braucht und die dann eben einjährig geschlachtet werden, obwohl sie ein hohes genetisches Potenzial aufweisen. Das soll nicht heißen, dass es sich nicht für jeden Betrieb lohnen kann, einmal die eigene Remontierung zu durchleuchten und bei Bedarf zu optimieren. Aber mit Pauschalempfehlungen wäre ich sehr vorsichtig.“

Aus seiner eigenen Erfahrung spricht dieser User: „Ich weiß, ich sollte nicht jedes weibliche Kalb selbst aufziehen, da meine Remontierung natürlicherweise eigentlich nicht bei  50 % liegen würde, sondern weit drunter. Dadurch, dass ich aber gute alte Kühe habe, die meine Stallplätze besser ausnutzen als manche junge, die nachkommt, kommt so ein Tier weg. Nicht weil sie fertig ist oder krank, sondern um den restlichen Tieren das Futter, den Platz und die Fürsorge zukommen zu lassen die sie verdient haben.“

Das sagt die Haltungsexpertin

"Dass etwa ein Drittel der gemerzten Kühe Jungkühe sind, ist nicht zu rechtfertigen und wirtschaftlich nicht tragbar", schreibt Haltungsexpertin Dr. Ilka Steinhöfel von sächsischen Landesamt für Landwirtschaft im dlz agrarmagazin primus Rind. Die jungen Kühe haben, so Steinhöfel zum Abgang in 200 Tagen erst 4.800 kg Milch gegeben. Nach einer 760-tägigen Aufzucht seien das 5 kg pro Lebenstag. Das treibt die Aufzuchtkosten in die Höhe.

Steinhöfel führt ein Beispiel an: In einem Betrieb verlassen 30 Prozent die Herde in der ersten Laktation mit einer Nutzungsdauer von 200 Tagen. 20 Prozent gehen in der zweiten und 20 Prozent in der dritten Laktation ab. 30 Prozent der Tiere bleiben mindestens bis zur 3. Laktation. Die mittlere Nutzungsdauer liegt damit bei 980 Tagen (2,7 Jahre). In dieser Zeit geben die Kühe 27.140 kg Milch, was einer Lebenseffektivität von 15,6 kg Milch pro Lebenstag entspricht. Bei Aufzuchtkosten von 1.800 Euro je Färse entstehen 6,6 Cent Aufzuchtkosten pro Kilogramm Milch (1.800 Euro Aufzuchtkosten/ 27.140 kg Milch Lebensleistung). Schafft man es, den Abgang von Jungkühen auf 5 Prozent zu senken, reduzieren sich die Aufzuchtkosten auf 5,4 Cent/kg Milch.

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