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Haltung und Mast

Verdunstungskälte gegen Hitzestress: So funktioniert's

© dlz primus rind
von , am
14.08.2015

Hitzestress im Milchviehstall senkt die Milchleistung. Um dies zu verhindern und den Kühen ein angenehmes Klima zu schaffen, gibt es ein Ventilatoren-System, das mit Verdunstungskälte arbeitet. Erfahrungen aus der Praxis:

Die Ventilatoren von Masterkool versprühen mittels Hochdruckdüsen feinste Wassertropfen. © Anneke Struck
Auch Kühe haben mit der Hitze zu kämpfen. Sie sind mit ihren Milchleistungen Hochleistungssportler. Damit sich diese im Sommer bei hohen Temperaturen nicht verringern, muss Hitzestress vermieden werden. Bernhard Höhler aus dem hessischen Brechen bei Limburg an der Lahn hat dafür das System von Masterkool in seinen Milchviehstall, den Vorwartehof und den Melkstand eingebaut.
 
2011 kam er auf die Idee, seinen 13 Jahre alten Stall für die Tiere unter dem Aspekt des Hitzestresses zu verbessern. Durch Zufall stieß er auf die Technik von Masterkool, die auf dem bekannten Prinzip der Kühlung durch Verdunstung basiert. 

So funktioniert's

© dlz primus rind
Die Kühltechnik, die für kühle Luft im hessischen Milchviehstall sorgt, ist ein Ventilator an dem vier Präzisions-Hochdruckdüsen angebracht sind. Aus diesen Düsen werden, während sich die Rotorblätter drehen, über einen Kompressor konstant 5 Mikrometer (μm) große Wasserpartikel (ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von Rund 70 μm) gedrückt. Diese werden mit der Luft durch den Stall transportiert, verdunsten und sorgen so für Abkühlung bis in alle Ecken. 
 

Kosten und Aufwand

  • Bernhard Höhler installierte zehn dieser Ventilatoren mit Hochdrucktechnik in einem seiner zwei Ställe 51 m Länge und 36 m Breite und im Vorwartehof.

  • Den Einbau, der rund 20.000 Euro teuren Investition übernahmen der Auszubildende, ein Mitarbeiter und ein Elektriker. Dazu mussten Wasser- und Elektroleitungen vom Standort des Kompressors und des Wasseranschlusses bis zu den einzelnen Aufhängungen der Ventilatoren verlegt werden. Dabei benötigt er nur einen Kompressor für die gesamten Ventilatoren.

  • Der Einbau erfolgte während des laufenden Betriebs und dauerte rund zwei Tage.

  • Zudem gibt es noch einen Standventilator im Melkstand, um im Sommer auch den Melkern ein angenehmes Arbeitsumfeld zu bieten.

  • Von Hand angestellt wird die Kühlung auf dem Betrieb Höhler zum Beispiel bei 20 °C und Windstille. Sind es 25 °C und weht der Wind stetig, bleibt die Technik aus.

  • Das Unternehmen bietet aber auch die Möglichkeit, die Steuerung zu automatisieren.

  • Im Winter muss darauf geachtet werden, dass der Bajonettverschluss der Wasserzuleitung gelöst ist.  

Die Resultate

  • Die Kühe suchen nach dem Einbau keinen speziellen Bereich im Stall auf, der kühler ist. Die kalte Luft und somit auch die Kühe verteilen sich gleichmäßig im Stall.

  • Trotz der versprühten Feuchtigkeit gibt es keine übermäßignassen und feuchten Laufgänge oder Liegeboxen. Es bildet sich durch die kleinen Tropfen kein schmieriger Film, auf dem sich im schlimmsten Fall Keime ansiedeln könnten.

  • Ein zusätzlicher Nutzen des Systems ist, dass Staub und Gerüche in diesen kleinen Tropfen gebunden werden.

  • Bei hohen Temperaturen gibt es keine Veränderungen beziehungsweise starken Einbrüche bei der Milchleistung.
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