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Milchviehstall

Video: Kuhverkehr beim automatischen Melken

© hek
ktbl/agrarheute
am
25.12.2015

Für optimale Leistung brauchen Milchkühe optimale Bedingungen. Werden die Tiere mit einem automatischen Melksystem gemolken, ändert sich auch ihr Tages- und Bewegungsablauf.

In dem KTBL-Ratgeber "Automatische Melksysteme" geht es auch um das Thema Kuhumtrieb, sprich, wie kann die Milchkuh im Stall zwischen den unterschiedlichen Bereichen "gelenkt" werden. Es stellt sich die Frage, wie das Rind durch technische und bauliche Maßnahmen bestimmte Bereiche des Stalls (z.B. Wartebereich/Melkbox, Fress- oder Liegebereich) errreichen kann. Dabei geht es laut der KTBL-Schrift um

  • eine möglichst hohe und gleichmäßige Auslastung der Melkbox(en),
  • geringe Wartezeiten für das Einzeltier,
  • ein rechtzeitiges Melken gemäß der tierindividuellen Einstellungen,
  • gute Zugänglichkeit zu den Funktionsbereichen im Stall (Fress- und Liegebereich) und
  • einen möglichst geringen Arbeitszeitbedarf für das Nachtreiben von Tieren

Die KTBL fasst die Vor- und Nachteile der wichtigsten Umtriebsformen zusammen.

Freier Umtrieb

Beim freien Kuhumtrieb können die Tiere den Fressbereich jederzeit aufsuchen, ohne die Melkbox besuchen zu müssen.

  • Vorteile: Tiere können sich vollkommen frei bewegen, häufige Futteraufnahme, keine getrennten Funktionsbereiche notwendig, keine Selektionseinrichtungen notwendig
     
  • Nachteile: Arbeitszeitbedarf für Nachtreiben erhöht, bei Einzeltieren geringe Melkfrequenz
     
  • Anmerkungen: Grundfutterration nicht zu hoch aufwerten, damit Kraftfutter Lockwirkung behält

Einfach gelenkt

Beim einfach gelenkten Kuhumtrieb (Umtriebsrichtung: Liegen-->Fressen) können die Tiere den Fressbereich nur über die Melkbox erreichen. Diese Umtriebsform führt zu der geringsten Arbeitsbelastung für das Nachtreiben von überfälligen Tieren.

  • Vorteil: geringer Arbeitszeitbedarf
     
  • Nachteile: Tiere müssen vor jeder Futteraufnahme durch Selektionseinrichtung, Wartezeiten erhöht, Futteraufnahme seltener, nur in Ställen mit getrennten Funktionsbereichen möglich, Selektionseinrichtungen notwendig
     
  • Bemerkung: laut KTBL im Normalfall nicht zu empfehlen

Individuell gelenkt

Beim individuell gelenkten Kuhumtrieb (Umtriebsrichtung: Liegen-->Fressen), der auch als selektiv gelenkter Kuhumtrieb bezeichnet wird, stehen den Tieren zusätzlich zur Melkbox weitere Selektionstore zur Verfügung, um in den Fressbereich zu gelangen. Diese Selektionstore sollten nach Möglichkeit dezentral, das heißt nicht in der Nähe der Melkbox angeordnet werden.

  • Vorteil: geringer Arbeitszeitbedarf, häufige Futteraufnahme, keine zentrale Selektion der Tiere (Nadelöhr), Umtrieb für jedes Tier individuell einstellbar: von frei bis gelenkt
     
  • Nachteile: Tiere müssen vor jeder Futteraufnahme durch Selektionseinrichtung, nur in Ställen mit getrennten Funktionsbereichen möglich, zusätzliche Selektionseinrichtungen notwendig

"Feed-First"

Beim gelenkten Kuhumtrieb (Umtriebsrichtung: Fressen-->Liegen), der auch als Feed-First-Kuhumtrieb bekannt ist, können die Tiere den Fressbereich jederzeit aufsuchen.

  • Vorteile: Tiere können Fressbereich jederzeit aufsuchen, geringer Arbeitszeitbedarf, häufige Futteraufnahme, hohe Melkfrequenz
     
  • Nachteile: Tiere müssen nach jeder Futteraufnahme durch die Selektionseinrichtung, nur in Ställen mit getrennten Funktionsbereichen möglich, Selektionseinrichtungen notwendig
     
  • Anmerkung: zusätzliche Selektionseinrichtungen sinnvoll

Ausführliche Hintergründe zu dem Thema finden Sie in der KTBL-Schrift 497 "Automatische Melksysteme".

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