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Viel Heu, 40 Cent Milchgeld: Ein Allgäuer erzählt

Klaus Epple und seine Kuh Ailine
am Donnerstag, 18.06.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Gesunde, fruchtbare Kühe und 40 Cent netto Milchgeld? Das geht. Vor vier Jahren ist Klaus Epple auf die Heumilch umgestiegen. Der Landwirt erzählt, wie er‘s macht.

Ailine frisst Heu, viel Heu. „Das mag sie am liebsten“, sagt Klaus Epple, während er der vierjährigen Braunviehkuh beim Fressen zusieht. Mais- oder Grassilage sucht man bei dem 33-Jährigen vergeblich. Klaus Epple macht Heumilch.

„Meine Kühe fressen 85 Prozent Gras – im Sommer von der Weide, im Winter als Heu“, sagt er. Gärfuttermittel, Feuchtheu und Futtermittel tierischen Ursprungs darf er seinen Kühen nicht füttern. Zudem muss das Futter gentechnikfrei sein. Auch mineralische Dünger und das Herbizid Glyphosat sind nicht erlaubt. Das sind die Vorgaben seiner Molkerei.

Betriebsspiegel: Klaus Epple
Grünland (ha) 58
Anzahl Milchkühe 70
Anzahl Nachzucht 40
Milchleistung (kg/Kuh/Jahr) 7.500
Milchpreis netto (Cent) 40
Zellzahlen (Zellen/ml) 150.000
Erstkalbealter (Monate) 27
Melkstand Doppel-6er-Fischgräte

Heumilch: Nur 1 Prozent Anteil auf dem Markt

Klaus Epple und seine Freundin Nicole.

Nur ein Prozent der erzeugten Milch auf dem Markt ist Heumilch. Ziemlich wenig. Dennoch hat die Nische Vorteile. So bekommt Klaus Epple einen Milchpreis von 40 Cent netto je Liter. Für eine Vertragslaufzeit von drei Jahren. „Das hohe Milchgeld ist ein Grund, weshalb wir auf die Heumilch umgestellt haben." Vor vier Jahren hatte er das gleiche Problem wie viele Landwirte: Der Milchpreis war 2016 auf 24 Cent/l Milch gesunken. Hinzu kam sein Ärger auf die Grassilage. „Der Geruch, der Erntestress, das Sandsäcke schichten – das hat mich genervt.“ Im Januar 2017 unterschrieb er bei der frisch gegründeten Allgäuer Hof-Milch GmbH.

Heumilch: Keine Probleme bei der Umstellung

Die Umstellung auf die Heumilch verlief reibungslos. „Wir haben unsere Milchkühe schon immer im Sommer auf der Weide gehalten“, sagt Klaus Epple. Selbst, als sie noch vor sechs Jahren im alten Anbindestall standen. Auch zwei Kaltluftanlagen, um das Heu zu trocknen, hatte er bereits. „Die einzige Sache, die wir ändern mussten, war, die Fahrsilos zu überdachen.“

Dort lagert er nun Quader- und Rundballen aus Heu. Das war die einzige Investition. Rund 100 Tage im Jahr grasen seine Rinder auf der Weide – von April bis Oktober. Die Jungkühe bringt er im Frühjahr auf eine 8 ha große gepachtete Alm, 25 km vom Betrieb entfernt. Die Milchkühe hält er auf zwei jeweils 5 ha großen Kurzrasenweiden in Hofnähe. 

Kühe nur nachts austreiben

Klaus Epple draußen auf der Weide.

"Sobald meine Kühe eine Fläche abgegrast haben, kommen sie auf die andere Weide", erklärt er. Das passiert alle vier bis sechs Wochen. Tagsüber stehen seine Kühe im Stall, zum Füttern und Melken. „Von 19 Uhr abends bis 6 Uhr früh am nächsten Tag dürfen sie raus auf die Weide“, sagt er. Der Vorteil: Die Kühe sind nicht der prallen Sonne ausgesetzt. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass Klaus Epple seine Kühe am Tag im Stall füttern kann. Mit Heu, Grummet, Grascops und Kraftfutter. 

Er füttert 2 bis 5 kg Kraftfutter pro Kuh und Tag. Das besteht aus Getreideschrot, Erbsen, Ackerbohnen, Körnermais und Zuckerrüben. Grascops bekommen seine Kühe 3 kg pro Kuh und Tag. „Die Cops enthalten viel Beta-Carotin und Eiweiß.“ Letztes Jahr hat er 300 t Heu und Grummet, so werden der zweite und alle weiteren Grasschnitte genannt, verfüttert. Und 30 t Grascops.

Problem: Heutrocknung kostet viel Geld

Klaus Epple macht vier Schnitte im Jahr. Nach dem Mähen wendet er das Gras, auch am nächsten Tag. Am übernächsten Abend transportiert er das Futter mit dem Erntewagen ab. „Ist keine Sonne da, kann es auch vier Tage dauern, bis das Gras getrocknet ist.“ Das ist ein Nachteil, denn dann gibt es mehr Bröckelverluste, weniger Inhaltsstoffe im Heu und weniger Milch.

„Aber mit der Kaltlufttrocknung geht es leider nicht anders.“ Er lagert das Futter in vier Holzboxen im Heuboden. Eine Box hat ein Fassungsvermögen von 1.150 m³. In zwei Holzverschlägen sind die Trocknungsanlagen mit 8 und 12 kW untergebracht. Sobald das Heu eingefahren ist, schaltet Klaus Epple die Kaltlufttrocknung ein.

„Moderne Heutrocknung ist nicht nachhaltig“

Klaus Epple im Heuboden. Dort trocknet er das Heu mit einer Kaltluftrocknung

„Sie saugt die Außenluft an und bläst sie in die Boxen,“ sagt er. Der Nachteil: Regnet es den ganzen Tag, zieht die Anlage die nasse Luft in die Box. Das bedeutet feuchtes Heu und Schimmelgefahr. „Ich kann die Kaltlufttrocknung also nur einschalten, wenn es draußen warm und trocken ist.“ Um Arbeitszeit zu sparen und Futterverluste zu vermeiden, müsste er eigentlich in eine moderne Kondensatlüftung investieren. Doch Klaus Epple ist skeptisch. Zum einen sind da die hohen Investitionen.

„Ein Berufkollege hat eine Heutrocknungsanlage für 750.000 Euro gebaut“, sagt er. Zum anderen verbraucht eine Kondensatlüftung Unmengen Strom. Für ihn hat das nichts mehr mit Nachhaltigkeit zu tun. Trotzdem überlegt er, auch in eine moderne, kleine Heutrocknungsanlage zu investieren. „Dann wäre ich nicht mehr so wetterabhängig“, sagt der gelernte Landwirt.

Heumilch: Kühe zeigen Brunst besser an

Aber auch Positives gibt es zu berichten. Seit Klaus Epple Heumilch macht, zeigen seine Kühe die Brunst viel besser an. Auch ihr Fell ist schöner geworden. „Es ist feiner und glänzt mehr.“ Besonders jetzt in der Krisenzeit ist er froh, dass er Heumilch produziert.

„Sollte der Milchpreis wegen Corona weit unter die 30-Cent-Marke fallen, kriegen die Silagebauern ein Problem. Das passiert mir nicht so schnell“, sagt der Heumilchbauer.

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