Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Meinungen

Wie viel ist ein Kalb wert: Das sagen Landwirte

Bild-Kalb-adobe-stock
am Sonntag, 06.11.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Die Preise für männliche Kälber sinken jetzt vor Weihnachten drastisch. Teilweise bekommen Landwirte nur 3 Euro pro kg. Wie viel ist da noch ein Bullenkalb auf den Betrieben wert? Agrarheute hat nachgefragt.

Die Bullenkälber von Astrid W. aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis in Baden-Württemberg gehen mit 4 bis 5 Wochen vom Hof. „80 kg sollten Sie dann haben, da bekommen wir den besten Preis“, schreibt sie auf Facebook. Die letzten Monate sei der Kälberpreis sehr konstant bei 6 Euro pro kg gewesen. „Jetzt vor Weihnachten sinkt der Preis auf 4,50 Euro pro kg.“

Bei Kathi S. aus Bayern verlassen die männlichen Fleckviehkälber den Hof mit 90 kg. „Da sind sie etwa 7 Wochen alt“, schreibt sie. „Wir haben immer 6 Euro pro kg (540 Euro) bekommen. Jetzt sind es nur noch 3 Euro pro kg.“ Bei den weiblichen Fleckviehkälbern bekomme sie aktuell einen Pauschalpreis: „Diese verkaufen wir pro Kopf mit 70 Euro. Und keiner fragt nach dem Gewicht.“

Ihre schwarzen oder roten Kreuzungen verkaufe sie schon gar nicht mehr. „Antibiotika bekommen unsere Kälber nicht, außer es muss sein. Zum Beispiel wegen einer Lungenentzündung. Jedes Kalb hat bei uns den gleichen Stellenwert.“

Kälbergröße: Händler wollen "Elefanten"

So sieht es auch Steffi E.: „Prinzipiell hat das Stierkalb erst mal den gleichen Wert wie ein Kuhkalb. Kommt es auf die Welt, kümmern wir uns um beide gleich! Das Stierkalb bleibt, solange es muss, wird es krank, wird es genauso behandelt wie ein Kuhkalb.“

Besonders ärgert sie, dass die Händler nur noch „Elefanten“ als Kälber haben wollten. „Kälber, die normal groß fallen, gelten schon als klein und kleine Kälber, wie sie eigentlich aus Erstkalbskühen wünschenswert sind, sind im Prinzip schon unverkäuflich“, schreibt sie.

„Kleine“ Kälber blieben seit letzter Woche auch schon eine Woche länger stehen. „In dieser kurzen Zeit legen die Schwarzbunten auch nicht wirklich an Gewicht zu“ meint sie.

Landwirtin sagt: „Hungerhaken gehen ins Geld“

Konstanze R. füttert ihre männlichen Kälber genauso satt wie die weiblichen. „Zu Zeiten der tiefsten Preise bekam ich 50€ für ein schwarzbuntes Bullkalb, aber viel schlimmer wäre es doch zu sparen und die Hungerhaken finden keinen Abnehmer“, schreibt sie. Das würde doch erst richtig ins Geld gehen.

„Nicht genug Stallplatz und freie Arbeitskapazität und schon sitzt man in der Arbeitsfalle zu Lasten der eigenen Nachzucht“, so Konstanze R.

Kühe nicht vor dem 100. Tag besamen

Auch für Daniela B. hat jedes Kalb den gleichen Wert. „Wir besamen aktuell einige Kälber mit Inra und manche gesext. Die Bullenkälber gehen aktuell im Alter von zwei Wochen weg und die Inra-Kälber verkaufen wir mit 80 bis 100 Kilo auf der Fresser-Auktion“, schreibt sie in der agrarfrauen-Gruppe auf Facebook.

Jedes Kalb habe das Recht gut behandelt und versorgt zu werden. Das Geschlecht spiele dabei keine Rolle. „Und wenn es mich mehr kostet als ich bekomme dann ist das so. Dafür gibt die Kuh auch Milch“, schreibt sie. „Wir gehen mittlerweile auch schon hin und besamen viele Kühe nicht vor dem 100 Tag. So habe ich weniger Kälber und die meisten Kühe halten ihre Leistung problemlos.“

Landwirtin geschockt: Kälber kriegen vor Auktion Traubenzucker

Aber das sei nicht bei jedem so: „Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass viele die Kälber mit brechen und biegen weg tun wollen und die dann auch nicht 100 Prozent fit sind“, so Daniela B. Ein Mäster von der Auktion habe ihr erzählt, dass es Leute gebe, die den Kälbern vor der Auktion Traubenzucker in die Milch tun, damit die rund aussehen. „Da war ich erstmal geschockt.“

„Er meinte, dass wäre die reinste Katastrophe, weil die Kälber erstmal 3 bis 4 Tage brauchen bis die wieder saufen.“ Es gebe nicht ohne Grund ab Januar 2023 die 4-Wochen-Regel. Ab nächstes Jahr müssen Kälber 28 Tage alt sein, bevor sie transportiert werden dürfen.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...