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Melktechnik

Viele Extras oder individuell: Serviceverträge im Vergleich

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am Mittwoch, 17.07.2019 - 05:00

Damit die Melktechnik verlässlich funktioniert, muss sie gewartet werden. Am einfachsten geht das mit einem Servicevertrag. Doch welcher Vertrag ist der Richtige und was kostet er? Wir bieten einen Überblick.

Automatische Melksysteme (AMS) sind ein Wunder der Technik. 24 Stunden am Tag melken sie die Kühe selbsttätig im Stall. Das tägliche Funktionieren sicherzustellen, geht nicht ohne regelmäßige Wartung. Damit erhält man nicht nur die Funktion stabil, sondern auch den Wert der Maschine. Alle Hersteller auf dem Markt bieten daher entsprechende Serviceverträge an. Der Landwirt kann dabei von einer Basisbetreuung mit regelmäßiger Wartung bis zur vollständigen Abdeckung aller Reparaturen wählen. Es ist nur eine Frage des Preises. In der Regel werden die Verträge auf ein Jahr abgeschlossen und sehen dabei einen festen Wartungsplan in zeitlichen Intervallen vor. Man sollte darauf achten, dass die im Vertrag festgelegten Intervalle von den Servicetechnikern auch eingehalten werden. Diese erstellen nach jedem Besuch ein Protokoll. Hier müssen alle Punkte aufgelistet sein, die abzuarbeiten waren. Das Protokoll verbleibt in der Regel auf dem Betrieb.

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Die Preise für den Service unterscheiden sich nach den Leistungen, die im Vertrag enthalten sind. Hier gilt es, genau zu vergleichen und einzuschätzen, inwieweit zusätzliche Extras für die eigene betriebliche Situation passen. Unterschiedliche Preise entstehen durch regionale Unterschiede bei den Arbeitskosten. Bei allen Unternehmen haben die Servicecenter und Händler viele Freiheiten beim Ausgestalten der Verträge und auch in der Preisgestaltung. Während die einen beispielsweise feste Anfahrtspauschalen haben, hängt bei anderen der Preis von der Melkhäufigkeit ab.

Wir haben die Hersteller Boumatic, DeLaval, GEA, Happel, Lely und Lemmer Fullwood zur Ausgestaltung der Verträge befragt. Boumatic lieferte uns leider keine Informationen.

Happel: Basic und Comfort

Happel bietet zwei verschiedene AMS-Wartungsverträge an: Basic und Comfort. Bei beiden Verträgen sind sechs Wartungen im Jahr enthalten. Telefonberatungen, Fernwartungen und jährliche Schulungen sind inklusive. Reparaturen, Verschleißteile und Software-Updates kosten extra.
Kuh im Melkroboter

Der Comfort-Vertrag ist viermal so teuer wie die Basic-Variante. Bei den Kosten unterscheidet Melktechnikhersteller Happel auch zwischen Einzel- und Doppelbox. Beim Comfort-Vertrag kostet die Doppelbox 2.000 Euro im Jahr mehr als die Einzelbox.

Die Vorteile des Comfort-Servicevertrags: Milchviehhalter zahlen weniger für An- und Rückfahrt und für Arbeitsleistungen vor Ort. Auch Ersatzteile sind bei der Comfort-Variante inklusive.

Rund 98 Prozent der Landwirte mit Happel-Melkroboter haben einen Servicevertrag. Davon haben sich 95 Prozent für den Comfort-Vertrag entschieden.

Viele Extras bei GEA

GEA bietet keine einheitlichen Serviceverträge an. Händler und Landwirt können die Konditionen individuell vereinbaren. Grundsätzlich sind vier Wartungen pro Jahr geplant. Telefonberatungen, Fernservices, Ersatzteile und Software-Updates sind inklusive. Zitzengummis und Reinigungsmittel kosten zusätzlich.

Melktechnik von GEA

Der teuerste Wartungsvertrag schlägt mit 4.000 Euro zu Buche. Für die günstigste Variante sind 2.800 Euro zu bezahlen. Die Kosten beziehen sich auf eine Monobox vom Typ DairyRobot R9500. Zusätzliche Leistungen des Premiumvertrags: An- und Rückfahrt, Nachtzuschlag und Arbeitsstunden sind inklusive.

Über 90 Prozent der Landwirte mit GEA-Melkroboter haben einen Servicevertrag. Ein Drittel davon wählt die teurere Variante, inklusive Arbeits- und Anfahrtskosten. Landwirte aus West- und Süddeutschland schließen eher die günstigeren Verträge ohne Festpreise ab.

DeLaval: Drei unterschiedliche Verträge

DeLaval unterscheidet zwischen drei unterschiedlichen Verträgen: Die erste Vertragsstufe nennt sich InService, dann gibt es einen InService All-Inclusive und zusätzlich einen InService All-Inclusive Plus. Alle Verträge umfassen alle vier Monate eine Wartung.

Servicetechniker bei der Wartung eines Melkroboters

Der InService All-Inclusive Plus ist ein Vertragsmodell, das ausschließlich für den neuen Melkroboter VMS V300 gilt. Der Vertrag umfasst weitreichende Serviceleistungen inklusive Reparaturen, Ersatzteile, Arbeitszeiten und An- und Rückfahrten sowie alle Notfallkosten für die Melkstationen. Dieser Vertrag hat eine Laufzeit von vier Jahren und kann nur in dieser Länge abgeschlossen und anschließend nicht verlängert werden. Während im InService-Vertrag die bei jedem Service anfallenden Verschleißteile enthalten sind, bieten die InService-All-Inclusive-Verträge darüber hinaus den Austausch von Zitzengummis, aller Öle und die Bereitstellung der Reinigungs- und Dippmittel. In der ersten Vertragsstufe lassen sich jedoch einzelne Module, wie Zitzengummis oder Reinigungsmittel, zubuchen. Die Preise für die einzelnen Verträge variieren je nach Händler und Region.

Individuell bei Lemmer-Fullwood

Bei Lemmer-Fullwood schließt der Kunde Service- und Wartungsverträge mit dem regionalen Lemmer-Fullwood Stützpunkt ab. Die Gestaltung der Wartungsverträge erfolgt individuell durch den regionalen Stützpunkt auf Grundlande der vorliegenden Gegebenheiten. Ohne Vorgaben durch den Hersteller.
Servicetechniker von lemmer bei der Wartung eines melkroboters

Die Kosten der Service- und Wartungsverträge variieren anhand der individuellen Leistungsumfänge, weshalb Lemmer-Fullwood keine pauschalen Preise nennt. Wir haben versucht dies anhand von zwei Beispielen in unserer Marktübersicht darzustellen.

Im ersten Beispiel ist der Preis abhängig vom Wartungsintervall sowie der getätigten Service- und Wartungsarbeiten. Wählt der Kunde ein längeres Wartungsintervall mit einem höheren Eigenanteil, ist der Preis geringer als bei einem Landwirt, der ein kurzes Service- und Wartungsintervall mit umfassenden Service wählt.
Im zweiten Beispiel ist der Preis ebenso abhängig von Wartungsintervall und von den zu erledigenden Arbeiten. Hier kann der Kunde entscheiden, welche Systemkomponente im Service enthalten sein soll. Bei diesem Vertrag ist es möglich auch unter die 1.400 Euro sowie über 4.600 Euro zu kommen. Nach Angaben von Lemmer-Fullwood wird das berechnet, was verbraucht und geleistet wurde.

Wartungsverträge von Lely

Mit dem aktuellen Astronaut-Robotermodell bietet Lely je nach Region zwei Servicevereinbarungen an, den Support Plus und den Master, wobei die Bezeichnungen und Inhalte Empfehlungen des Unternehmens sind. In Zukunft sollen weitere Varianten folgen, damit der Kunde einen nach seinen Bedürfnissen abgestimmten Vertrag wählen kann.
Servicetechniker von Lely mit landwirt im Milchviehstall

Die Inhalte und damit auch die Preise variieren je nach Gebiet. Bei beiden Vertragsvarianten gibt der Hersteller eine Preisspanne zwischen 1.780 und 5.180 Euro je Anlage an, wobei das Vertragsmodell Master ein All-Inclusive-Programm bietet. Lediglich Reinigungsmittel sind in keiner Vertragsvariante inklusive.

Laut Hertseller sind nur maximal vier Wartungseinsätze pro Jahr erforderlich. Der modulare Systemaufbau soll eine einfachere Instandhaltung gewährleisten. Zudem wirbt Lely damit, dass es als einziges Unternehmen einen allumfassenden Servicevertrag anbietet, wobei die Kosten pro Kilogramm Milch abgerechnet werden können.

 

Eine genaue Übersicht der Service- und Wartungsverträgen aller Hersteller finden Sie in der Tabelle:

So zufrieden sind unsere Leser mit dem Service

Wie gut funktioniert der Melkroboterservice? 177 Betriebsleiter haben auf agri EXPERTS geantwortet. Die wichtigsten Ergebnisse haben wir für Sie zusammengefasst:

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