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Aus der Wirtschaft

Vion: QS-Auditoren für Schlachtfreigabe

© contrastwerkstatt/Fotolia
von , am
03.03.2014

Bad Bramstedt - Der Fleischbetrieb Vion wehrt sich gegen die Produktionsstilllegung und veröffentlicht Auszüge aus Sachverständigengutachten. Die sind für die sofortige Freigabe der Produktion.

Rund ein Prozent der geschlachteten Kühe waren laut Erhebung trächtig. © Udo Böhlefeld/pixelio.de
Unabhängige Gutachter haben Vion-Berichten zufolge in den vergangenen Tagen den Schlacht- und Zerlegebetrieb der Vion Bad Bramstedt (Schleswig-Holstein) kontrolliert. In ihren Expertisen, die auch den schleswig-holsteinischen Veterinärbehörden und dem zuständigen Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (Melur) in Kiel vorliegen, sprechen sie sich nach Angaben des Unternehmens für eine sofortige Freigabe der Produktion in dem Fleischbetrieb aus.
 
Ausdrücklich wird erwähnt, dass es keine hygienisch bedenklichen Gründe gibt, um das Unternehmen weiter zu sperren. Das teilte Vion Freitag mit.

Gutachter: 'Keine Abweichungen festgestellt'

Wie der Schlachtbetrieb berichtet, haben die Untersuchungen von SGS Germany GmbH zum Zeitpunkt des Audits keine Abweichungen in Bezug auf branchenübliche Hygienerichtlinien und dem Umgang mit lebenden Tieren feststellen können. Die Dokumentation im Rahmen der Eigenkontrolle war plausibel und nachvollziehbar geführt, erklärt Vion.
 
Zur Fragestellung, ob in den Räumlichkeiten der Firma Vion hygienisch einwandfreies Fleisch geschlachtet und zerlegt werden könne, liegt das Sachverständigengutachten des Gissel Instituts vor. Demnach konnte kein Grund festgestellt werden, um eine Schlachtung beziehungsweise Zerlegung aus hygienischen Gründen weiter zu untersagen. Eine Endverbrauchergefährdung aufgrund der festgestellten Mängel liege nicht vor. Bei einem älteren Schlachthof seien ständige Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten das normale Tagesgeschäft.
 
Das Gissel-Gutachten empfiehlt "in Verbindung mit den Veterinärbehörden einen Maßnahmenkatalog zu entwerfen mit zeitlicher Festlegung der Abarbeitung und Überprüfung der Durchführung, und die Schlachtung wieder freizugeben".

QS-Sonderaudit im Auftrag von Vion

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe habe Vion ein QS-Sonderaudit beauftragt. Zwei QS-Auditoren, die unabhängig voneinander in den letzten beiden Tagen den Betrieb kontrolliert haben, kommen laut Vion zu der Einschätzung, dass "aus hygienischer und tierschutzrechtlicher Sicht nichts dagegen spricht, die Schlachtung und Zerlegung in Bad Bramstedt wieder aufzunehmen".

Zurzeit stehen Bänder still

Aktuell wird im Betrieb nicht geschlachtet. Der Schlacht- und Zerlegebetrieb bleibt auf Anordnung des Kieler Landwirtschaftsministeriums gesperrt, bis Vion die Hygienemängel vollständig beseitigt habe, schreibt die "Welt". "Wann das der Fall sein wird, lässt sich nicht absehen", sagte Ministeriumssprecherin Nicola Kabel in dem gegenüber der Nachrichtenzeitung. Nach weiteren Prüfungen soll in Abstimmung mit dem Landwirtschaftsministerium geklärt werden, ob der Betrieb wieder geöffnet werden könne.
 
Noch können Staatsanwaltschaft und Landwirtschaftsministerium laut "Welt" keine endgültige Bilanz der Großrazzia im Bramstedter Schlachthof ziehen. Nach dem Einsatz am Dienstag stehe fest: "Die Zustände in der Niederlassung des niederländischen Fleischkonzerns Vions waren ekelerregend". Wie die Sprecherin der Kieler Staatsanwaltschaft, Birgit Heß, gegenüber der Zeitung sagte, müsse jetzt geklärt werden, wer für die Hygienemängel und die Verstöße gegen den Tierschutz verantwortlich ist.
 
Die lauten konkret, Tierquälerei wegen nicht fachgerechter Tötung, Verstoß gegen das Lebensmittelrecht unter anderem aufgrund von Schmutz, Schimmel und Insekten in den Schlacht- und Zerlegeabteilen. Hinzu kommt der Vorwurf der Schwarzarbeit.
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