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Ratgeber Milchvieh

Vorteile der muttergebundenen Kälberaufzucht

Kalb säugt
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Katharina Krenn, agrarheute
am
18.04.2017

Um einer artgerechten Haltung Rechnung zu tragen, praktizieren einige wenige Milchviehbetrieb die muttergebundene Kälberaufzucht. Das sind die Vor- und Nachteile.

In der muttergebundenen Kälberaufzucht haben die Kälber über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten Kontakt zu ihren Mutterkühen oder zu Ammenkühen, die mehrere Kälber säugen. Hierbei nehmen die Kälber große Mengen an Milch auf und bestimmen den Zeitpunkt, wann und wie oft sie trinken. Die „Mütter“ werden weiterhin gemolken.

Vorteile: Kälber wachsen schneller

Untersuchungen des Thünen-Instituts zufolge sind die so aufgezogenen Kälber gesünder und zeigen keine Verhaltensstörungen. Über die Muttermilch nehmen sie Immunstoffe auf, die sie weniger anfällig für Krankheiten machen. Außerdem wachsen die Kälber schneller. Auch wie man mit anderen erwachsenen Tieren umgeht, um zum Beispiel Auseinandersetzungen zu vermeiden, lernen die Kälber in der muttergebundenen Haltung.  

Auch Landwirte profitieren von dieser Haltungsform, da der Arbeitsaufwand geringer ist. Bestimmte Arbeiten im Kälberstall, wie das Erwärmen der Milch, das Füttern der Kälber oder das Säubern der Tränkeimer fallen weg.

Wieviel Milch 'geht verloren'?

Wie viel Milch ein Kalb durch Saugen aufnimmt, lässt sich nur indirekt durch die Wiegen-Saugen-Wiegen-Methode bestimmen. Die Wissenschaftlerin Sylvia Nicht (2005) ermittelte nach einer definierten Zwischensaugezeit von drei bis fünf Stunden in Abhängigkeit vom Alter des Kalbes Milchmengen zwischen 2,5 bis 5 Liter je Saugvorgang.

In Versuchen, bei denen jede Kuh über mehr als 90 Tage nur ihr eigenes Kalb versorgt hat und dies auch den ganzen Tag Zugang zur Mutter hatte, betrug der Unterschied zwischen den Kontrollkühen (ohne Kalbkontakt) und den Kühen, die Kälber führten, durchschnittlich etwa 15 kg Milch je Kuh und Tag. Die 305-Tage-Leistung wies für die kalbführenden Kühe eine Minderung um zirka 1.600 kg aus.

Haltungsformen der muttergebundenen Kälberaufzucht

Für die Umsetzung der muttergebundene Kälberaufzucht gibt es verschiedene Wege:

Auf dem Versuchsbetrieb des Instituts in Trenthorst, schließt sich der Stall der Kälber direkt an  den Milchviehstall an. Über ein Selektionstor kann der Zugang der Kälber zu ihren Müttern gesteuert werden. Meist haben die Kälber den ganzen Tag Kontakt zu ihren Müttern, können sich aber jederzeit auch in den separaten Kälberbereich zurückziehen.

Einen weiteren Schritt in diese Richtung stellt der eingeschränkte Kontakt dar. Hierbei werden Kuh und Kalb nur für eine begrenzte Dauer (maximal eine Stunde) meist zweimal am Tag – entweder vor oder nach dem Melken – zueinander gelassen. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Kälber auch in dieser kurzen Zeitspanne ihr Saugbedürfnis befriedigen können.

Andere Betriebe setzen auf Ammenkühe, die zwei bis drei Kälber säugen. Meist werden diese Kühe dann nicht mehr gemolken und die Kälber können den ganzen Tag bei ihren Ersatzmüttern bleiben.

Eine weitere Möglichkeit ist eine Kombination aus mutter- und ammengebundener Kälberaufzucht. Die jungen Kälber kommen mit ihrer Mutter in eine „Mutter-Kind-Gruppe“, in der jede Mutter auch noch zwei weitere Fremdkälber aufzieht. Kommt eine Kuh mit ihrem frisch geborenen Kalb dazu, verlässt eine Kuh, die schon länger dabei ist, die Gruppe. So muss sich das Kalb zwar früh von seiner Mutter trennen, kann aber weiter bei einer Amme trinken.

Mit Material von Thünen Institut/oekolandbau.de

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