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Warnung vom Tierarzt: Harnsaufen bei Kühen nicht einfach abtun

on_Harnsaufen
am Mittwoch, 17.08.2022 - 06:00 (Jetzt kommentieren)

Was häufig als schlechte Angewohnheit abgetan wird, ist vor allem ein Zeichen für Mangel. Wir haben den Experten Prof. Walter Grünberg gefragt, welche Ursachen es hat, wenn Kühe Harn trinken und wie das Problem gelöst werden kann.

Kühe, die Harn saufen findet man immer mal wieder in der Herde? Was sagt das Verhalten den Tierhaltern?

Harnsaufen wird in verschiedenen Bereichen der Rinderproduktion beobachtet, zum Beispiel in der Aufzucht, der Mast, im Milchviehstall oder bei Mutterkühen. Man sollte dieses Verhalten nicht einfach als unschöne Untugend abtun, sondern als Hinweis für einen Managementfehler im Bereich Haltung oder Fütterung betrachten. Die genaue Ursache für dieses Verhalten ist nach wie vor nicht genau geklärt und es wird davon ausgegangen, dass sie vielfältige Ursachen haben kann.

Da betroffen Tiere hier zwar einerseits Flüssigkeit, anderseits aber auch eine Flüssigkeit mit recht hohem Salzgehalt aufzunehmen versuchen, stehen mögliche Probleme in der Wasser- und Mineralstoffversorgung im Vordergrund. Gestörte Wasser- und Mineralstoffaufnahme gehen aber unweigerlich auch mit einer Beeinflussung des Säure-Basen-Haushaltes einher, weshalb regelmäßig auch Säure-Basen-Stoffwechselstörungen, insbesondere alkalotische Stoffwechsellagen als mögliche Ursache diskutiert werden.

Unstrittig ist, dass beim Harnsaufen, wie bei vielen anderen Untugenden ein Nachahmungseffekt in der Herde zu erwarten ist. Konkret sollten bei Beobachtung dieses Verhalten die Bereiche, Fütterung, Tränkeversorgung und Kuhkomfort unter die Lupe genommen werden.

Welche Folgen kann das Harnsaufen haben?

Das Harnsaufen selbst ist in erster Linie als Zeichen für ein vorliegendes Problem, nicht als Problem an sich zu bewerten. Ein Problem kann aber der oben besprochene Nachahmungseffekt sein. Hierbei würden andere Tiere der Herde dieses Verhalten meist bedingt durch einen Mangel an äußeren Reizen (Langeweile) übernehmen.

Wie kann das Problem gelöst werden?

Wie so oft erfordert effiziente Vorbeuge das Ermitteln der eigentlichen Ursache. Bei der Aufarbeitung des Problems wird man besten mit der Evaluierung der häufigsten Faktoren beginnen:

  • Überprüfung der Wasserversorgung spielt hier eine wesentliche Rolle. Hier geht es nicht nur um Überprüfung Anzahl der Tränken, sondern auch um Beschaffenheit und durchgehende Zugänglichkeit der Tränken für alle – auch rangniedrigere- Tiere. Auch Wasserdruck, Durchflussrate in der Tränke sowie Wasserqualität aus der Leitung (insbesondere bei Brunnenwasser) und in der Tränke (Verschmutzung) sollten überprüft werden.
  • Bei der Mineralstoffversorgung sollte zunächst das Übereinstimmen der berechneten Ration mit den Bedarfswertempfehlungen und in der Folge das Übereinstimmung der berechneten mit der vorgelegten Ration überprüft werden. Hier sind nicht nur der Mineralstoffgehalt, sondern zum Beispiel auch der Rohprotein- der Ammoniak- oder der Rohaschegehalt von Interesse.
  • Bei den Mineralstoffen ist insbesondere die adäquate Versorgung mit Natrium aber auch das Verhältnis von Kalium zu Natrium in der Ration zu prüfen. Hier könnte im Zweifel durch gut zugängliche Lecksteine oder Leckschalen versucht werden Abhilfe zu schaffen.
  • Im Zusammenhang mit Harnsaufen wird oft auch die Phosphorversorgung ins Spiel gebracht. Für diesen Bezug gibt es allerdings in der Literatur für das Rind keine belastbare Evidenz. Von einem Versuch dem Harnsaufen durch ein Anheben des Phosphorgehaltes der Ration über die Bedarfsempfehlungen hinaus beizukommen, sollte auch wegen der daraus resultierenden Umweltbelastung unterbleiben.
  • Auch die Spurenelementversorgung sollte bei dieser Gelegenheit überprüft werden, was in der Regel anhand von Ermittlung der Inhalte in der Ration sowie durch Blutprobenuntersuchung erfolgt.
  • Andere Aspekte, die ebenfalls einer Beurteilung unterzogen werden sollten, ist der Kuhkomfort im Stall. Hier sind insbesondere Überbelegung und Hitzestress zu nennen.

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