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Haltung und Mast

Wege zur effektiven Rindfleischproduktion

von , am
18.07.2013

Agrarökonomen haben festgestellt, dass sich die Preis- und Kostenniveaus zwischen Europa und dem Rest der Welt in der Rindfleischproduktion angenähert haben. Bei der Effizienz gibt es aber noch Potenzial.

© Andreas Dück/aboutpixel.de
Weltweit wächst die Nachfrage nach Fleisch, und mit ihr wächst die Sorge um die natürlichen Ressourcen: Weideflächen sind übernutzt, Preise für Futtermittel steigen. Kann die Produktion von Rind- und Schaffleisch mit dem steigenden Bedarf schritthalten, ohne die Umwelt zu sehr zu belasten? Mit dieser Frage setzten sich Experten agri benchmark Beef and Sheep Conference auseinander. Agrarökonomen aus 29 Ländern haben sich in dem internationalen agri benchmark-Netzwerk zusammengeschlossen.
 
 

Wirtschaftlichkeit der Rindfleischproduktion geht zurück

In vielen Teilen der Welt wandeln sich die Bedingungen für die Aufzucht, Haltung und Verwertung von Rindern dramatisch. Die wachsende Nachfrage treibt die Fleischpreise, aber die Preise für Land und Futter steigen ebenso rasch. In Uruguay etwa, wo die Bodenpreise in zehn Jahren um das Siebenfache wuchsen, hat sich die Landnutzung gravierend gewandelt: Die Landpreise werden durch den vermehrten Anbau von Soja, Mais und Weizen getrieben, die Weidehaltung muss in Gebiete ausweichen, die für den Ackerbau nicht geeignet sind. Ähnlich ist es in Argentinien. Fast alle Staaten haben ihre an die Produktion gekoppelten Subventionen zurückgefahren und nur teilweise durch zielgerichtete Zahlungen, wie etwa für Umweltmaßnahmen, ersetzt. Als Folge dieser Entwicklungen ist die Wirtschaftlichkeit der Rindfleisch- und Schafproduktion in den typischen Betrieben, die von agri benchmark analysiert werden, gleich geblieben oder sogar zurückgegangen.
 
Preis- und Kostenniveaus gleichen sich weltweit an
 
"Andererseits sehen wir, dass sich die Preis- und Kostenniveaus zwischen Europa und dem Rest der Welt in den letzten zehn Jahren immer mehr angeglichen haben", sagt Claus Deblitz, Agrarökonom am Braunschweiger Thünen-Institut und Koordinator des agri benchmark Beef and Sheep Network. "Etliche Staaten in Asien, Nordafrika und im Mittleren Osten gehören inzwischen zu den Hochpreis- und -kostenländern." Das verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Produktion und verringert den Importdruck in Europa, weil die Exporteure sich zunehmend in die oben genannten Länder orientieren.

Mehr Produktivität - aber wie?

"Die Produktion von Rindern und Schafen konkurriert weltweit mit der anderer Tierarten und der von Pflanzen; sie kann nur gewinnen oder wenigstens Schritt halten, wenn sie effizienter wird", sagt der Thünen-Experte Claus Deblitz. Die Fachleute des agri benchmark-Netzwerks legen dabei den Fokus auf folgende Punkte: eine erhöhte Produktivität bei der Weidehaltung (Mutterkuhhaltung und Mast) und die Überführung der Tiere von der Weide in Feedlots (= Großmastanlagen) mit getreidebasierter Fütterung für die letzte Mastperiode. Insbesondere in der Schafhaltung sollte die Herdengröße an die Tragfähigkeit des Landes angepasst werden. In trockenen Gebieten lässt sich auf diese Weise sowohl die Leistung der Tiere erhöhen als auch die Produktivität des Landes erhalten.

Potenzial der Aus- und Weiterbildung nutzen

Carol Davis, Wissenschaftlerin der English Beef and Lamb Executive (EBLEX), stellte während der Tagung fest, dass auch das Abschmelzen der Produktivitätsunterschiede zwischen den besten und schlechtesten 30 Prozent der Marktteilnehmer ein immenses Potenzial eröffne, selbst in agrarisch gut entwickelten Staaten. In Neuseeland zum Beispiel wird heute 80 Prozent mehr Gewicht je Mutterschaf erzeugt als noch vor 20 Jahren. Eine höhere der Anzahl von Lämmern je Mutterschaf und das höhere Schlachtgewicht der Verkaufsprodukte machten diese Entwicklung möglich. Die Konferenzteilnehmer waren sich allerdings einig: Dieses Potenzial auszuschöpfen ist keine Frage von Technologie und Forschung allein. Die Erzeuger müssen Zugang zu Aus- und Weiterbildung erhalten. agri benchmark wird sich dafür künftig im Rahmen der von der FAO koordinierten Initiative ‚Global Agenda of Action‘ stark machen.
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