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Niederlande

Wegen Phosphatquote: Milchviehhalter betrügen bei Tierzahlen

Kühe am Trog
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Anke Fritz, agrarheute
am
29.01.2018

Niederländische Milchviehalter haben zu wenig Kühe gemeldet, um finanzielle Nachteile im Zuge des nationalen Branchenprogramms zur Senkung des Phosphatausstoßes zu vermeiden.

Ein großer Anteil holländischer Milchviehhalter hat 2017 im Identifikations- und Registrierungssystem (I & R) für landwirtschaftliche Nutztiere zu wenige Kühe eingetragen. So wollen sie finanzielle Nachteile im Zuge des nationalen Branchenprogramms zur Senkung des Phosphatausstoßes vermeiden. Das ist zumindest das bisherige Ergebnis von Untersuchungen der niederländischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (NVWA) und der niederländischen Unternehmensagentur (RVO).

Behörden sperren Milchviehbetriebe mit falschen Zahlen

Wie Landwirtschaftsministerin Carola Schouten erklärte, lag der Anteil von Mehrlingsgeburten im vergangenen Jahr in rund 2.000 Milchviehbetrieben auffälligerweise bei mehr als 10 Prozent. In weiteren etwa 5.700 Betrieben waren 5 Prozent bis 10 Prozent. In einem „normalen Jahr dagegen reiche die Bandbreite nur von 3 Prozent bis 5 Prozent.

In der Folge hätten RVO und NVWA 93 Betriebe überprüft, wobei sie in 45 Fällen Abweichungen von den I & R-Daten feststellten. Diese Betriebe wurden sofort gesperrt. In den kommenden Wochen würden die Behörden weiter nach Betrügern suchen.
 

Milchviehhalter meldeten vermehrt Zwillinge

Im Rahmen des vereinbarten Bestandsabbaus zur Senkung des Phosphatausstoßes in der Landwirtschaft wird eine Kuh als eine Großvieheinheit (GVE) verbucht. Eine Färse entspricht unterdessen nur 0,51 GVE. Um den Bestand an Kühen vermeintlich niedrig zu halten, hatten die betreffenden Milchviehhalter neu geborene Kälber von abkalbenden Färsen als Zwillinge oder Mehrlinge von bereits als Milchkühen gemeldeten Tieren registriert. Die ehemaligen Färsen führten sie dann fälschlicherweise weiterhin als solche im I & R  und nicht als Milchkuh.

Holländer führen Kühe aus Nachbarländern ein

Eine weitere „Masche“ zur Verschleierung des tatsächlichen Milchkuhbestandes ist die Einfuhr von jungen Kühen aus Deutschland, Dänemark und Tschechien. Wie aus Branchenkreisen verlautete, wurden diese Tiere dann in den Niederlanden als Färsen gemeldet. Der Betrug falle nicht auf, weil die Registrierungssysteme beider Länder nicht ausreichend miteinander verknüpft seien, hieß es.

Laut Schouten müssen die Betrüger mit empfindlichen Strafen rechnen. Die angepeilte Obergrenze für die Phosphatemissionen in der niederländischen Landwirtschaft 2017 dürfte aber nach ihrer Einschätzung trotz der Betrugsfälle eingehalten worden sein.

Mit Material von AgE
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