Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Weidehaltung

Weidehaltung: Wie passe ich die Ration an?

grasende-kuehe-auf-der-weide
am Dienstag, 11.05.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Gute Leistung bei Kühen braucht gutes Futter. Das gilt auch während der Weidesaison. Doch was muss man bei der Ration beachten?

Kühe auf der Weide: das gehört für viele Betriebe ab dem Frühjahr dazu. Neben dem frischen Gras bekommen die Tiere ihre tägliche Ration an Rau- und Kraftfutter häufig am Futtertisch. Vor allem bei Kühen mit einer hohen Milchleistung ist es besonders wichtig, den täglichen Bedarf an Energie zu decken.

Um einen Abfall der Leistung und mögliche Stoffwechselerkrankungen durch zu wenig Rohfaser zu vermeiden, müssen Landwirte mit Weidehaltung besonders auf eine bedarfsgerechte und nachhaltige Fütterung achten.

Weidehaltung: Welche Herausforderungen gibt es bei der Ration?

Landwirte, deren Herde ein hohes Leistungsniveau hat und die ihre Tiere gleichzeitig auf der Weide laufen lassen möchten, müssen grundsätzlich einige Dinge beachten. Füttert man die Tiere nicht bedarfs- und leistungsgerecht, wirkt sich dies auf die Milchleistung und auch auf die Inhaltsstoffe aus. Weidegras besitzt eine hohe Verdaulichkeit und sollte daher durch strukturreiches Grobfutter wie Stroh in der Ration ergänzt werden.

Je höher die Leistung, desto höher der Bedarf an nutzbarem Rohprotein (nXP) und Energie (NEL). Für Milchviehhalter bedeutet das besonders auf die Rationszusammensetzung und die einzelnen Futtermittel zu achten. Neben diesen Aspekten gibt es weitere Punkte, die man beachten sollte:

  • Frisches Gras weist oft unterschiedliche Nährstoffgehalte auf.
  • Vollweidefütterung ist daher im Hinblick auf Nähr- und Inhaltsstoffe nicht gut planbar.
  • Schwankende Grasaufnahmen machen die Ration schwer kalkulierbar.
  • Nährstoffgehalte im Gras können im Verlauf der Vegetationsperiode deutlich schwanken.
  • Bedarf der Tiere durch aktives Grasen und vermehrte Bewegung schwerer abzuschätzen.

Welche Faktoren beeinflussen die Aufnahme von frischem Gras?

Wie viel Gras die Tiere im Laufe das Tages oder der gesamten Weidesaison aufnehmen hängt von vielen Faktoren ab. Neben denen, die man als Milchviehhalter selbst beeinflussen kann, zum Beispiel Vorgabe von Portionsweiden, gibt es weitere Punkte, die die Futteraufnahme der Kühe beeinflussen:

  • Witterungsverhältnisse
  • Haftwasser am Gras
  • Zufüttern von Kraftfutter
  • Bestandszusammensetzung der Weide
  • Pflegezustand des Grünlands
  • Wasserverfügbarkeit, Aufwuchs und Standort

Rohproteingehalt im Gras: Welche Rückschlüsse kann ich für die Ration ziehen?

kuehe-fressen-am-futtertisch

Frisches Gras weist neben einem hohen Rohproteingehalt auch eine hohe Ruminale Stickstoff Bilanz (RNB) auf. Frisst ein Tier einen hohen Anteil an frischem Gras, kann dies zu einem hohen Stickstoffüberschuss im Pansen führen.

Kann das Tier diesen überschüssigen Stickstoff nicht in nutzbares Mikrobenprotein und somit in nutzbares Rohprotein umwandeln, muss er in der Leber entgiftet werden. Dieser überschüssige Stickstoff wird dann in Form von Harnstoff ausgeschieden.

Um den Wert an RNB zu senken, kann man die Ration entsprechend anpassen:

  • Um den Stickstoff besser auszunutzen, kann man energiereiche Futtermittel mit negativem RNB zufüttern.
  • Dazu gehören zum Beispiel Getreide, Maissilage und Körnermais.
  • Futtermittel mit hohen Zucker- und Stärkegehalten und gleichzeitig hoher Pansenabbaurate begrenzt einsetzen.
  • Grenzwert für Zucker: bis 75 g Zucker oder 250 g Zucker und Stärke in der Trockenmasse (TM).
  • Milchleistungsfutter (MLF) gezielt zufüttern und Nährstoffgehalte anpassen.
  • Für MLF gilt: hoher Energiegehalt und hoher Anteil an pansenbeständigem Protein (UDP).

Was sagen meine Milchinhaltsstoffe während der Weidesaison aus?

Der Harnstoffgehalt in der Milch zeigt, wie der Pansen mit Stickstoff versorgt ist. Die empfohlene Menge liegt hier bei 150 bis 250 mg/l. Bei Betrieben, die ihr Weidegras als Grobfutter anbieten, liegen die Milchharnstoffgehalte häufig darüber. Hier gilt: Je höher der Frischgrasanteil, desto höher der Milchharnstoffgehalt. Es bietet sich das Zufüttern von weiterem Grobfutter wie Heu an.

Auch die Gehalte an Fett, Eiweiß und der Fett-Eiweiß-Quotient geben dem Landwirt Aufschluss über die Nährstoffversorgung der Kuh. Je höher der Anteil an frischem Gras, desto mehr sinkt der Milchfettgehalt. Durch die hohen Gehalte an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, liegt er in Silage-Kraftfutterrationen in der Regel höher.

Da ein sinkender Fettgehalt oft auch ein Indikator für ein Pansenacidose ist, sollte man das Tier genau beobachten, um eine Fehldiagnose zu vermeiden. Diese Punkte kann man dabei beachten:

  • Konsistenz, Farbe und Geruch des Kots
  • Fressverhalten
  • Grad der Pansenfüllung
  • Wiederkauaktivität mithilfe von technischen Mitteln messen
Mit Material von LWK Niedersachsen

Weideaustrieb: Die Kühe sind los

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...