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Haltung und Mast

Weidehaltung: So klappt's mit der Wasserversorgung

von , am
20.05.2015

Ein wirtschaftlicher Weidebetrieb hängt auch stark von der richtigen Wasserversorgung ab. Auf was es bei Weidetränken ankommt und welche Tränkesysteme betriebs- wie arbeitswirtschaftlich sinnvoll sind, lesen Sie in unseren Ratgeber.

Für eine optimale Wasserversorgung der Rinder hat sich die Installation von stationären Weidetränken erwiesen. © Steinberger/LfL
Die Weidehaltung von Rindern erfährt seit einigen Jahren eine Renaissance. Vor allem arbeits- und betriebswirtschaftliche Überlegungen führen zu dieser Entwicklung, erklärt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft LfL. Ein gut organisierter Weidebetrieb profitiert von den niedrigen Futterkosten und dem geringeren Arbeitsaufwand. Neben einer guten Weideführung ist aber auch eine optimale Wasserversorgung essentiell. Gerade in der Weidehaltung kann durch Umwelteinflüsse der tägliche Wasserbedarf stark schwanken.
  
Bei kühler, regnerischer Witterung kann der tägliche Verbrauch bis auf 20 Liter je Kuh sinken, wogegen bei entsprechender Hitze ein Wasserverbrauch bis zu 150 Liter und mehr je Kuh und Tag möglich ist. Gerade diese Spitzenverbräuche müssen über eine geeignete Wasserversorgung abgesichert werden.
 

Tipp 1: Anzahl der Tränken

Bei herkömmlichen Weidesystemen, wie z.B. Portionsweide sollte pro 20 bis 25 Kühe mit einer Tränkestelle gerechnet werden. In modernen Weidesystemen, wie Kurzrasenweide, werden die Tiere großflächig geweidet. Optimal ist hierbei, wenn die Tiere während des Weidevorgangs an den Tränken wie zufällig vorbeiziehen. Je nach Geländeausprägung und Flächenform ist eine stationäre Tränke für 2 bis 4 Hektar zu empfehlen. Durch die hohe Anzahl an Tränken wird zum einen das Wasserangebot in der Weidefläche optimiert, andererseits kann dadurch die Trittbelastung an den einzelnen Tränken minimiert werden.

Tipp 2: Verteilung der Tränken

Die Tränken sollten möglichst dezentral angeordnet werden, wobei darauf geachtet werden muss, dass in der Nähe des Weideein- und -austrieb keine Wasserstelle angebracht wird. Die Kühe werden sonst dazu verleitet, sich verstärkt im Ausgangsbereich der Weide aufzuhalten.
 
Durch geschickte Verteilung der Tränkestellen wird ein gleichmäßiges Abweiden der Fläche erreicht. Eine Platzierung in der Fläche hat zudem den Vorteil, dass die Tiere in einem Radius von 360 Grad an die Wasserstelle herantreten im Gegensatz zu 180 Grad bei einer Anbringung am Rand der Weide. Dadurch halbiert sich die Trittbelastung an der Tränke.
 

Tipp 3: Fässer mit Zungentränken nicht optimal

Kühe saufen bevorzugt aus einer offenen Wasseroberfläche. Damit die Tiere ein optimales Saugtrinken umsetzen können, müssen sie das Maul etwa 3 bis 4 cm tief ins Wasser eintauchen können. Damit die Nasenlöcher beim Saufen immer frei bleiben, sind flache Tränkebehälter mit einem Wasserspiegel von 15 bis 30 cm zu bevorzugen. Aus diesem Grund sind die in der Vergangenheit üblichen Wasserfässer mit Zungentränken abzulehnen. Diese Tränken schränken das natürliche Saufverhalten zu sehr ein und die Wasseraufnahme ist aufgrund des zu geringen Wasserduchflusses unzureichend.

Tipp 4: Fässer nur mit Trogtränke

Fahrbare Weidefässer sind nur bedingt tauglich. Zum einen ist der Arbeitsaufwand für das ständige Auffüllen doch erheblich, zum anderen ist vor allem bei starker Sonneneinstrahlung die Wassertemperatur oft zu hoch um eine optimale Wasseraufnahme sicherzustellen. Muss aus irgendeinem Grund auf eine Wasserversorgung mittels Wasserfass zurückgegriffen werden, sollten bei größeren Herden ab 20 Kühen mehrere Fässer bereitgestellt werden. Eine wesentliche Verbesserung in der Wasseraufnahme wird durch das Anbringen einer Trogtränke am Fass erreicht. Dadurch wird es mehreren Kühen ermöglicht, gleichzeitig in einer arttypischen Haltung zu saufen. Im Gegensatz zur Zungentränke kann die Kuh hierbei ihren Bedarf in wenigen Minuten befriedigen, so dass auch rangniedrigere Tiere zu ihrem Anrecht kommen.
 

Tipp 5: Stationäre Weidetränken

Tränkeverteilung auf der Weide: Der maximale Abstand zwischen zwei Tränken sollte max. 300 m sein. Vom Rand der Weide etwa 150 m. © Steinberger/LfL
 
Als ideale Lösung hat sich die Installation von stationären Weidetränken erwiesen. Neben einer ausreichenden Anzahl ist deren Anordnung in der Weide bedeutsam. Steht ein Tier auf der Weide, sollte innerhalb von 100 bis 150 m eine Wasserstelle erreichbar sein. Dies bedeutet einen maximalen Abstand zwischen den Tränken von etwa 300 Meter. Auch der Abstand vom Rand der Weide sollte demnach nicht mehr als 150 m betragen.
 
 
Tränken sollten nie in Senken, sondern immer auf Geländeerhebungen platziert werden, damit das Oberflächenwasser gut ablaufen kann. Sind die Standorte ausgewählt, ist die Verlegung von Wasserleitungen zu planen. Dabei muss geprüft werden, ob bereits andere Kabel (Telefon, Strom etc.)) oder Leitungen in der Fläche verlegt sind.

Tipp 6: Die optimale Tränke

Als optimale Tränke hat sich eine runde 90-Liter Mörtelwanne (erhältlich in jedem Baumarkt) mit einem Radius von ca. 65 cm bewährt. Auf diese Wanne wird mit maximal einem Drittel Abdeckung ein Brett (Eiche, Lärche) auf den Griffwulst geschraubt. Unterhalb des Brettes wird ein Schwimmerventil mit hohem Wasserdurchsatz (mind. 20 l/min) angebracht. Der Wasserspiegel in der Tränke sollte ca. 30 cm betragen. Der Schwimmer wird mit einem etwa 2 m langen Gartenschlauch verbunden.
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