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Tierschutz

Der Weideschuss: Eine Alternative für Landwirte?

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am Donnerstag, 05.11.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Der „Kugelschuss auf der Weide“ wird als stressfreie Form des Tötens beschrieben. Immer mehr Landwirte entscheiden sich für diese Alternative.

Seit 2011 dürfen Rinder, die ganzjährig auf der Weide leben, direkt am landwirtschaftlichen Betrieb betäubt und anschließend getötet werden. Nach der europäischen Verordnung (EG) Nr. 853/2004 müssen die Schlachttiere zwar grundsätzlich lebend in einen zugelassenen Schlachthof transportiert werden, es gelten aber dennoch Ausnahmen für einzelne Betriebe. Die Verordnungen hierzu sind komplex und eine eindeutige Entscheidung seitens der Europäischen Union liegt bis heute nicht vor.

In Deutschland sind die maßgeblichen Vorschriften über die Tierische Lebensmittel-Hygieneverordnung (Tier-LMHV) geregelt. Rinder in ganzjähriger Weidehaltung dürfen daher nur mit einer gesonderten Genehmigung im Haltungsbetrieb geschlachtet oder für den menschlichen Fleischverzehr getötet werden.

Weideschuss: Welche Voraussetzungen muss ein Landwirt erfüllen?

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Um den Weideschuss anwenden zu können, müssen Landwirte ein paar Dinge beachten:

  • Es dürfen nur einzelne Tiere der Gattung Rind mit diesem Verfahren getötet werden.
  • Die Tiere müssen ganzjährig auf der Weide gehalten werden.
  • Die Gesetzesanforderungen nach (EG) Nr. 853/2004 werden erfüllt (zum Beispiel können die Tiere aufgrund des Tierschutzes oder eines zu hohen Risikos beim Lebendtransport für den Transporteur nicht transportiert werden.)
  • Der Tierhalter muss Nachweise über eine regelmäßige tierärztliche Kontrolle erbringen und die Anforderungen an den Tierschutz zu jederzeit gewährleisten.
  • Der Transport zum Schlachthof darf maximal eine Stunde betragen (In der Verordnung ist dieser Punkt zwar mit zwei Stunden geregelt. Da die umliegende Darmwand das Fleisch allerdings nur für eine Stunde vor der Kontamination mit Verdauungsbakterien schützt, wurde der Zeitraum bewusst verkürzt.)
  • Genehmigung der zuständigen Behörde (Das zuständige Veterinäramt kann anschließend je nach Ermessen entscheiden.)
  • Tierschutzrechtliche Einwilligung muss von der zuständigen Behörde erteilt werden (der Tierhalter muss dafür einen erforderlichen Sachkundenachweis nach Verordnung (EG) Nr. 1099/2009 vorlegen.)
  • Es muss eine waffenrechtliche Genehmigung vorliegen (Der Anwender des Weideschusses muss eine gültige Waffenbesitzkarte, die Erlaubnis zum Führen einer Waffe und eine Schießerlaubnis besitzen.)

Welche Vor- und Nachteile gibt es beim Weideschuss?

Vorteile:

Tierschutz: Fleischqualität: Arbeitssicherheit: Zeitersparnis:

-wird als tiergerechteste Methode des Schlachtens bezeichnet.

-durch das Einfangen und den anschließenden Transport wird massiver Stress ausgelöst.

-vor allem bei scheuen Tieren, die ganzjährig auf der Weide gehalten werden, ist dies ein Vorteil.

-das stressfreie Töten wirkt sich erheblich auf die Fleischqualität aus.

-dies wirkt sich vor Allem auf den pH-Wert, die Zartheit, Farbe und dem Wasserhaltevermögen aus.

-durch die Stressfaktoren beim "normalen Schlachten" kann die Qualität des Fleisches stark gemindert werden.

-das Risiko für Tier und Mensch beim Einfangen, Aufladen, Transport und Entladen wird deutlich verringert.

-da die vorbereitenden Arbeiten wie das Fangen oder Aufladen entfallen, können hier sowohl Arbeitskraft als auch Zeit eingespart werden.

Nachteile:

Kapazitätsgrenzen: Kosten und Aufwand: Gefahr durch Fehlschuss:

-dieses Verfahren wird durch den hohen zeitlichen Aufwand nach wie vor auf Betrieben mit einer geringen Anzahl Schlachtungen angewendet.

-aufgrund der hohen Nachfrage nach Fleisch, ist das Verfahren in Industrienationen nicht effektiv genug.

-für Landwirte häufig eine kostenintensive Schlachtlösung, die sich in Verbraucherpreisen wiederspiegeln muss.

-die Transportdauer von einer Stunde darf nicht überschritten werden.

-hoher bürokratischer Aufwand.

-während des gesamten Zeitraums des Schlachtens muss ein Tierarzt vor Ort sein.

-um den Tieren keine unnötigen Schmerzen oder Leiden zuzufügen, ist ein Präzisionsschuss in den Kopf notwendig bei dem das Projektil möglichst im Kopf verbleibt.

 

Mit Material von Deutscher Bundestag

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