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Weidehaltung

Weidetränke: So klappt's mit der Wasserversorgung

Kühe auf einer Weide in den Niederlanden
© FrieslandCampina
Immo Cornelius
am
03.04.2018

Ein wirtschaftlicher Weidebetrieb hängt auch von der richtigen Wasserversorgung ab. Welche Weidetränken und Tränkesysteme sinnvoll sind, lesen Sie hier.

Bei der Weidehaltung von Rindern stehen vor allem arbeits- und betriebswirtschaftliche Überlegungen wie niedrige Futterkosten und geringerer Arbeitsaufwand im Vordergrund. Neben einer guten Weideführung ist aber auch eine optimale Wasserversorgung essentiell, erklärt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).

Durch Umwelteinflüsse kann der tägliche Wasserbedarf stark schwanken. Ist es kühl und regnerisch, sinkt der tägliche Verbrauch auf bis zu 20 Liter/Kuh, wogegen bei entsprechender Hitze ein Wasserverbrauch bis zu 150 Liter und mehr je Kuh und Tag möglich ist. Gerade diese Spitzenverbräuche müssen über eine geeignete Wasserversorgung abgesichert werden.

Tipp 1: Anzahl der Tränken

Bei herkömmlichen Weidesystemenn wie der Portionsweide sollte eine Tränkestelle für je 20 bis 25 Rinder bereitgestellt werden. Bei der Kurzrasenweide, wo großflächig geweidet wird, sollte je nach Geländeausprägung und Flächenform eine stationäre Tränke für 2 bis 4 Hektar reichen.

Optimal ist hierbei, wenn die Tiere während des Weidevorgangs an den Tränken wie zufällig vorbeiziehen. Durch eine hohe Anzahl wird zum einen das Wasserangebot in der Weidefläche optimiert, andererseits minimiert sich dadurch die Trittbelastung an den einzelnen Tränken.

Tipp 2: Verteilung der Tränken

Die Tränken sollten möglichst dezentral angeordnet werden, wobei darauf geachtet werden muss, dass sich in der Nähe des Weideein- und -austrieb keine Wasserstelle befindet. Die Kühe werden sonst dazu verleitet, sich verstärkt im Ausgangsbereich der Weide aufzuhalten.

Durch geschickte Verteilung der Tränkestellen wird ein gleichmäßiges Abweiden der Fläche erreicht. Eine Platzierung in der Fläche hat zudem den Vorteil, dass die Tiere in einem Radius von 360 Grad an die Wasserstelle herantreten. Dadurch halbiert sich die Trittbelastung an der Tränke.

Tipp 3: Keine Zungentränken

Kühe saufen bevorzugt aus einer offenen Wasseroberfläche. Damit die Tiere ein optimales Saugtrinken umsetzen können, müssen sie das Maul etwa 3 bis 4 cm tief ins Wasser eintauchen. Flache Tränkebehälter mit einem Wasserspiegel von 15 bis 30 cm sind dabei zu bevorzugen.

Die weit verbreiteten Wasserfässer mit Zungentränken sind abzulehnen. Diese Tränken schränken das natürliche Saufverhalten zu sehr ein und die Wasseraufnahme ist aufgrund des zu geringen Wasserduchflusses unzureichend.

Tipp 4: Wasserfässer nur mit Trgtränken

Fahrbare Weidefässer sind nur bedingt tauglich. Zum einen ist der Arbeitsaufwand für das ständige Auffüllen erheblich, zum anderen ist vor allem bei starker Sonneneinstrahlung die Wassertemperatur oft zu hoch, um eine optimale Wasseraufnahme sicherzustellen.

Bei größeren Herden ab 20 Kühen müssen zudem mehrere Fässer bereitgestellt werden. Trogtränken sind besser als Zungentränken: Hier kann die Kuh ihren Bedarf in wenigen Minuten befriedigen, so dass auch rangniedrigere Tiere zu ihrem Anrecht kommen. Außerdem können mehrere Kühe gleichzeitig in einer arttypischen Haltung saufen.

Tipp 5: Stationäre Weidetränken

Als ideale Lösung hat sich die Installation von stationären Weidetränken erwiesen. Neben einer ausreichenden Anzahl ist deren Anordnung bedeutsam: Innerhalb von 100 bis 150 Meter sollte eine Wasserstelle erreichbar sein. Dies bedeutet einen maximalen Abstand zwischen den Tränken von etwa 300 Meter. Auch der Abstand vom Rand der Weide sollte demnach nicht mehr als 150 m betragen.

Tränken nie in Senken, sondern immer auf Geländeerhebungen platzieren, damit das Oberflächenwasser gut ablaufen kann. Sind die Standorte ausgewählt, ist die Verlegung von Wasserleitungen zu planen. Dabei muss geprüft werden, ob bereits andere Kabel (Telefon, Strom etc.) oder Leitungen in der Fläche verlegt sind.

Tipp 6: Die optimale Tränke

Als optimale Tränke hat sich eine runde 90-Liter Mörtelwanne (erhältlich in jedem Baumarkt) mit einem Radius von ca. 65 cm bewährt. Auf diese Wanne wird mit maximal einem Drittel Abdeckung ein Brett (Eiche, Lärche) auf den Griffwulst geschraubt.

Unterhalb des Brettes wird ein Schwimmerventil mit hohem Wasserdurchsatz (mind. 20 l/min) angebracht. Der Wasserspiegel in der Tränke sollte ca. 30 cm betragen. Der Schwimmer wird dann mit einem etwa 2 m langen Gartenschlauch verbunden.

6 Tipps zur effektiven Weidehaltung: Das können Sie tun

Um die notwendige Fläche zu kalkulieren, sollte bei der Vollweidehaltung pro Kuh mit etwa 0,3 bis 0,4 ha Weidefläche gerechnet werden. © Maren Diersing-Espenhorst/agrarheute
Der Landwirt soll über zehn Prozent Weiderest einkalkulieren, da die Kühe auf der Weide das beste Futter selektieren. © Maren Diersing-Espenhorst/agrarheute
Tränken müssen in ausreichender Größe und in nicht zu weiter Entfernung aufgestellt sein. An heißen Tagen kann der Wasserverbrauch pro Kuh auf 150 l steigen. Sind die Wege zu weit, suchen die Tiere die Tränken nicht auf. Als Faustzahl gilt: Innerhalb von 100 Metern muss die nächste Tränke erreichbar sein. © Maren Diersing-Espenhorst/agrarheute
Nasse Flächen und Ecken fördern das Überleben von Parasitenlarven. Sechs bis acht Wochen vor dem Weideaustrieb empfiehlt es sich, die Herde auf Lungenwürmer zu testen. Anschließend, in der zweiten Beweidungsphase, ist es ratsam, eine Untersuchung auf Magen-Darm-Würmer vorzunehmen. © Maren Diersing-Espenhorst/agrarheute
Durch Weidehaltung wird die Arbeitsbelastung bestensfalls gesenkt. Allerdings müssen die Kühe zur und von der Weide getrieben werden. © Maren Diersing-Espenhorst/agrarheute
Muss beim Umtrieb eine Straße überquert werden, sind mehrere Personen notwendig. © Maren Diersing-Espenhorst/agrarheute
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