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Rinderhaltung

Weiß-Blaue Belgier: Die Muskelpakete im Portrait

Anneke Struck, dlz primus Rind
am
02.12.2015

Weiß-Blaue Belgier zeichnen sich durch eine extreme Bemuskelung aus. Die Fleischrinderrasse wird in Deutschland zwar eingekreuzt, es gibt aber kein geführtes Herdbuch.

Ein explizites Verbot für die Reinzucht gibt es in Deutschland zwar nicht, die Doppellender-Linien fallen aber unter das Qualzuchtverbot. Anders in Belgien, wo die absolute Mehrheit des Rindfleisches von den Weiß-Blauen kommt.

Die Redakteure des dlz agrarmagazin haben einen belgischen Mastbetrieb besucht, deren Betriebsnachfolger sich gegen Milchkühe und für Weiß-Blauen Belgier entschieden haben.100 Prozent der Kälber werden dabei per Kaiserschnitt geholt und im Anschluss über Eimer und Biestmilch unter anderem von der Biestmilchbörse versorgt. Die Milchleistung der Kühe ist gering, im Zentrum steht das Fleisch.

Die Betriebsreportage finden Sie im dlz agrarmagazin Ausgabe 10/2015, hier finden Sie den Steckbrief zu der Fleischrasse.

Genmutation führt zu starken Muskelwachstum

Die Weiß-Blauen Belgier sind eine Doppellenderrasse. Sie besitzt eine natürliche Mutation in dem Gen, das das Protein Myostatin kodiert. Dieses Protein hemmt in seiner gesunden Funktion das Muskelwachstum. Bei dieser Rasse ist das geschädigte Myostatin allerdings nicht in der Lage, das Muskelwachstum zu steuern.

Extreme Bemuskelung an allen Stellen

Weiß-Blaue Belgier zeichnen sich durch eine extreme Bemuskelung aus, nicht nur an den Lenden, sondern an allen fleischtragenden Partien. Der in Relation zum Körper recht kleine und längliche Kopf ist am Rumpf tief angesetzt. Ihre Hörner sind kurz, stumpf und leicht nach vorne gebogen. Ihr Haarkleid in den Farben weiß, schwarz-weiß oder blau-weiß ist kurz und bisweilen auch stichelig, ihr Körperbau mittel- bis großrahmig.

Die massigen Kühe erreichen mit einer Widerristhöhe von 138 cm ein Gewicht von rund 700 bis 800 kg. Die massiven männliche Weiß-Blauen Belgier kommen hingegen auf ein Gewicht von etwa 1.100 bis 1.300 kg bei einer Größe von 148 cm.

Die Tiere werden sowohl als Zweinutzungs- als auch als Fleischrasse gezüchtet. Die Fleischrinderrasse ist dabei mit einem hohen Fleisch- und einem niedrigen Fettbildungsvermögen ausgestattet. Denn die Mutation behindert neben der Steuerung des Muskelwachstums auch die Fettbildung.

Höhere Ausschlachtung als bei anderen Rassen

Das Resultat sind Rinder mit einer guten Ausschlachtung von 20 bis 25 Prozent mehr als die der anderen Fleischrinderrassen, einer hohen Schlachtkörper- und Fleischqualität sowie einem sehr mageren Fleisch.

Darüber hinaus setzt man sie in einigen europäischen Ländern auch als Vaterrassen in der Gebrauchskreuzung ein. Hierbei ist die Voraussetzung, dass die Bullen zur leichteren Kalbung beitragen. Ihr Charakter ist sehr ruhig und sanftmütig.

Betriebsbesuch: Rindermast mit Weiß-Blauen Belgiern

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