Login
Aus der Wirtschaft

Weltmarkt: Milchpreise auf Rekordtief

von , am
06.08.2015

Zum zehnten Mal in Folge sind an der Handelsplattform GlobalDairyTrade die Notierungen für alle Milchprodukte gesunken und erreichten damit ein Rekordtief. Angesichts des hohen Angebots ist eine Erholung nicht in Sicht.

Zeitumstellung: Die Kühe geben weniger Milch. © Mühlhausen/landpixel
Die Notierungen an der internationalen Handelsplattform GlobalDairyTrade (GDT) des neuseeländischen Molkereiriesen Fonterra sind bei der jüngsten Auktion am 4. August weiter gesunken. Der Gesamtindex, in dem eine Bandbreite von Milchprodukten und Kontrakt-Zeiträumen zusammengefasst ist, verringerte sich um 9,3 Prozent und erreichte damit ein Rekordtief. In den vergangenen zehn Jahren war der Index nur einmal - im Juli 2009 - annährend so gering wie jetzt.

Milchpulver und Butter stark im Minus

Der Preis für Milchfett (AMF) sank gegenüber der vorherigen Auktion (Mitte Juli) im Durchschnitt aller Lieferkontrakte um 11,7 %, der Kurs für Butter um 6,1 % und jener für Buttermilchpulver um 5,1 %. Auch die Notierungen für Kasein (-2,7 %) und Magermilchpulver (-14,4%) tendierten deutlich nach unten. Bei Vollmilchpulver wurde ein Rückgang von 10,3 % verzeichnet. Nur der Preis für Cheddar-Käse konnte geringfügig um 0,2 % zulegen. Bei der nur in geringem Umfang gehandelten Lactose kam es zu keiner Kursveränderung.
 

Milchproduktion steigt weiter

Wann es zur erhofften Trendumkehr am Weltmilchmarkt kommt, lässt sich laut Experten schwer abschätzen. In Neuseeland, dem größten Exporteur am globalen Markt, wird die Milchproduktion - dem saisonalen Verlauf folgend - noch ansteigen. Die USA haben infolge des gut laufenden Butter- und Käseabsatzes am Heimmarkt ebenfalls noch wenig Grund für eine Rücknahme der Erzeugung, aber Zahlen von Juni deuten immerhin darauf hin, dass sich der Produktionszuwachs verlangsamt. In der EU hat die Anlieferung seit der Abschaffung des Quotensystems zwar nur wenig zugenommen, zu einer Angebotsentlastung ist es aber noch nicht gekommen.
 

Hoffnungsträger China

Die entscheidenden Impulse für eine Verbesserung des Absatzes könnte China liefern. Das staatlich gesteuerte Importverhalten dieses riesigen Landes ist aber derzeit schwer einschätzbar. Als Hoffnungsmärkte für Butter gelten die USA, Mexiko und Ägypten - diese Länder haben laut EU-Kommission die Importe dieses Produkts stark erhöht. Japan, die USA, Südkorea und Mexiko zählen zu den führenden Käseimporteuren und haben hier ebenfalls steigende Einfuhren zu verzeichnen. Wenn sich der globale Markt dann wirklich dreht, "werden die Preise relativ schnell reagieren", ist Thomas Bailey, Analyst der Rabobank, überzeugt.
 
Auch interessant