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Milchproduktion

Weltmilchmarkt wird bis 2020 deutlich wachsen

© adimas/Fotolia
von , am
04.08.2011

Wien - In den nächsten zehn Jahren wird die globale Kuhmilcherzeugung um 153 Millionen Tonnen auf circa 710 Millionen Tonnen steigen.

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Den Hauptanteil werden dabei die Entwicklungsländer einnehmen. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate wird bei etwa zwei Prozent gegenüber der vorangegangenen Dekade liegen. Dies geht laut AMA aus der jüngsten Langfrist-Prognose von OECD und FAO ( "Agricultural Outlook 2011-2020 ") hervor.
 
Milchproduktion wächst unterschiedlich stark
 
Nach der Stagnation von 2009 und dem Rückgang im Jahr 2010 wird laut der Prognose in den kommenden Jahren wieder von einem Wachstum der weltweiten Milchproduktion ausgegangen, was auch zu sinkenden Erzeugerpreisen führen kann. Dabei dürfte der Zuwachs in der Anlieferung jedoch regional sehr unterschiedlich ausfallen und zwar abhängig vom Markt, der Politik, den Futterkosten und dem Wettbewerb um Land beziehungsweise um Wasser.
 
Im Zusammenhang mit höheren Energie- und Futterkosten wird erwartet, dass Ozeanien und Lateinamerika mit ihrer weidebasierten Milchproduktion Vorteile gegenüber dem Fütterungssystem, das auf Getreide aufbaut, haben. Konkret soll in Neuseeland die Milchproduktion in den nächsten Jahren steigen, sich aber nach 2013 wieder verlangsamen. Unter normalen Wetter- und Weidebedingungen wird von einem durchschnittlichen Wachstum von 2,3 Prozent bis 2020 ausgegangen. In Australien bleibt die Wasserverfügbarkeit der entscheidende Faktor für die Produktion, insgesamt wird eine jährliche Erhöhung von 1,2 Prozent erwartet.

EU: Nach Quotenabschaffung soll Erzeugung jährlich um 0,3 Prozent wachsen

In der EU dürfte die Milchanlieferung nicht mit der Quotenanpassung Schritt halten, meinen die Experten von FAO und OECD. Nach der Quotenabschaffung 2015 werde die EU-Milchproduktion jährlich um 0,3 Prozent wachsen, jedoch dürfte die Anlieferung bis 2020 nicht die Höhe der ausgelaufenen Quote erreichen, so die Prognose. Begründet wird dies mit den hohen Erzeugungskosten innerhalb der Union. Agrarpolitiker geben jedoch zu bedenken, dass bereits kleine (regionale) Produktionsüberhänge zu Preisdruck führen können und betonen daher weiterhin die Notwendigkeit von funktionierenden Marktsteuerungs-Mechanismen im Rahmen der Gemeinsamen Landwirtschaftspolitik der EU.
 
Starke Zuwächse in den USA
 
In den USA wird die Milchproduktion laut "Outlook " jährlich um 1,4 Prozent wachsen, vor allem wegen der starken Steigerung der durchschnittlichen Milchleistung je Kuh. Die argentinische Erzeugung dürfte besonders stark zulegen, nämlich jährlich um drei Prozent, in Brasilien wird ein Plus von 1,7 Prozent erwartet, stimuliert durch die inländische Nachfrage. Die Milchindustrie in China befindet sich in einem schwierigen Umfeld (Melamin-Skandal, Tierkrankheiten usw.). Es wird aber damit gerechnet, dass die Produktion von Kuhmilch hier jährlich um 3,3 Prozent steigt, nachdem die Regierung die Milchwirtschaft stark unterstützt.
 
In anderen Entwicklungs- und Schwellenländern wird die Ausweitung der Erzeugung voraussichtlich stark sein. Für Indien, das weltgrößte Milcherzeugerland, wird ein jährlicher Zuwachs von drei Prozent prognostiziert. Andere asiatische Länder werden ihre Produktion sowie auch ihre Importe von Molkereiprodukten ausweiten, um die inländische Nachfrage zu decken.

Herstellung von Vollmilchpulver und Butter wird stark forciert

Die am schnellsten wachsenden Produktgruppen werden weltweit Vollmilchpulver, Butter und Frischmilchprodukte sein. Die Erzeugung wird gegenüber der Periode 2008 bis 2010 um 26 Prozent steigen. Die Herstellung von Käse und Magermilchpulver dürfte um 19 Prozent beziehungsweise 15 Prozent ausgedehnt werden. Der Prognose zufolge werden drei Viertel der gesamten zusätzlichen weltweiten Butterproduktion in Indien und Pakistan erzeugt. Neuseeland und die USA werden weitere zehn Prozent dazu beitragen. Das meiste zusätzliche Magermilchpulver kommt aus Neuseeland (33 Prozent), gefolgt von den USA (24 Prozent) und Indien (18 Prozent). Die EU wird weniger Magermilchpulver herstellen. Dafür übernehmen die USA die zusätzlichen Produktionsmöglichkeiten. Die EU und die USA werden nach Einschätzung der Experten auch weiterhin die weltweite Käseproduktion dominieren, gemeinsam dürften sie 55 Prozent der zusätzlichen Weltkäseerzeugung liefern.
 
Trotz eines geringen jährlichen Wachstums wird China der größte Vollmilchpulver-Produzent sein und mehr als ein Viertel der globalen Mengen herstellen. Auch Neuseeland forciert den Vollmilchpulver-Ausstoß.

Verbrauchszuwächse in Entwicklungsländern besonders ausgeprägt

Steigende Bevölkerungszahlen und höhere Einkommen, gemeinsam mit der wachsenden Bekanntheit von Milchprodukten, speziell bei Konsumenten in Entwicklungsländern, sind laut OECD-FAO mittelfristig ein Schlüsselfaktor für den steigenden Bedarf an Molkereiprodukten. Die Nachfrage wird auch durch die wachsenden Bemühungen von Handelsketten und multinationalen Unternehmen in diesen Ländern erhöht, welche den Kunden einen leichteren Zugang zu diesen Waren bieten. Darüber hinaus wird auch durch Regierungsprogramme der Konsum (von Schulmilch usw.) verstärkt. Die Nachfrage nach Molkereiprodukten wird speziell in sehr wichtigen Märkten in Entwicklungsländern wie Nordafrika, dem Mittleren Osten und Ostasien sehr fest sein, aber auch in bereits hochentwickelten Märkten wie in der EU, in den USA und in Russland.
 
Unterschiedliches Wachstum erwartet
 
Das Wachstum der Nachfrage dürfte sich in den einzelnen Ländern jedoch sehr unterschiedlich entwickeln. Ein geringer Pro-Kopf-Verbrauch in den Entwicklungsländern beinhaltet große Investitionsmöglichkeiten und Chancen für den inländischen sowie auch für den weltweiten Milchmarkt. Es zeigen sich hier die größten Potenziale für die Zukunftsmärkte. Der Verbrauch von Molkereiprodukten in den Industrieländern wird voraussichtlich nur moderat zulegen. Einzig bei Käse hält man eine Zunahme von 16 Prozent bis 2020 gegenüber 2008 bis 2010 für realistisch.
 
Weltmarktpreise über dem Niveau der Vorperiode
 
Was die internationalen Preise für Milchprodukte betrifft, so gehen die Experten davon aus, das sie beständig bleiben und über dem Niveau der vorangegangenen Periode liegen werden. Als Hauptgrund wird die erhöhte Nachfrage angeführt. Konkret sollen sich von 2011 bis 2020 die Notierungen von Magermilchpulver um zehn Prozent und von Butter im Schnitt um 40 Prozent gegenüber der vergangenen Dekade erhöhen. Die Notierungen dürften auch wegen höherer Produktionskosten (Futtermittel, Energie und Land) nach oben tendieren. Bei der Prognose der Preise wird von stabilen Rahmenbedingungen (Wetter, Wirtschaft und Politik) ausgegangen, was auch die Aussagekraft langfristiger Preisprognosen entsprechend relativiert.
 
Ozeanien bleibt größter Exporteur
 
Im Kapitel "Außenhandel " wird in der Prognose festgestellt, dass Ozeanien der größte Milchprodukt-Exporteur mit einem Anteil von mehr als 40 Prozent am Weltmarkt bleiben dürfte. Es wird erwartet, dass der Handel mit Magermilchpulver um 30 Prozent zulegt. Überwiegend kommen die Mehrmengen von Ozeanien und den USA. Die weltweiten Butterexporte sollen um zehn Prozent steigen, während die traditionell führenden Erzeugnisse des Exportwachstums - Käse und Vollmilchpulver - eine stabile Zunahme von 22 Prozent beziehungsweise 21 Prozent aufweisen.
 
Der kürzlich stark ausgedehnte Import von Milchprodukten nach China wird nur langsam wieder zurückgenommen. Das höhere Einkommen und der starke Yuan werden zu weiteren Importen führen, die über den historischen Durchschnittswerten liegen sollten. Die Exportanteile der EU bei Käse und Vollmilchpulver dürften zwischen 2011 und 2020 auf dem Weltmarkt stagnieren, auch die Anteile von Butter und Magermilchpulver werden weiter sinken. Russland bleibt voraussichtlich der Hauptimporteur von Butter und Käse.
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