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Milchproduktion

Weltweit mehr Milch und schwächere Preise

© womue/fotolia
von , am
09.03.2012

An der globalen Handelsbörse für Milchprodukte sind die Preise am Mittwoch im Schnitt um ein Prozent gesunken. Damit kosten Milchprodukte an der GlobalDairy Trade so wenig wie seit Oktober nicht mehr.

Die Preise für Cheddar haben gegenüber der Vorwoche um 3,7 Prozent nachgegeben. © Black-Velvet
Im Vergleich zum März vor einem Jahr lag der Preisindex für alle sieben gehandelten Milchprodukte jetzt sogar rund 26 Prozent (%) niedriger. Ursache für die weiter nachgebenden Preise dürfte weniger eine schwache Nachfrage als vielmehr das anhaltende Angebotswachstum an den wichtigsten globalen Produktions- und Exportländern sein.
 
Zudem nimmt die Produktion in Europa und den USA mit dem Frühjahr wieder deutlich zu. Aus den USA meldet man für Januar eine Mehrproduktion von 3,7 %. In Ozeanien nimmt die Milcherzeugung zwar seit November wieder ab, liegt aber weiterhin sehr deutlich (acht bis neun Prozent) über den Werten des Vorjahres.

Kräftige Abschläge bei Eiweiß

Die kräftigsten Preisabschläge mit - 7,6 % musste bei dieser Handelsrunde Milchproteinkonzentrat (MPC70 ) hinnehmen. Damit fällt der MPC-Preis auf den niedrigsten Stand seit es auf der Fonterra-Handelsplattform notiert wird (Juli 2012). Deutlich nachgegeben haben die Preise mit -2,5 % auch bei Kasein. Hier sind die Notierungen seit dem letzten Hoch im November 2011 um rund 20 % gefallen.
 
Zu nachgebenden Preisen wurden außerdem auch Magermilchpulver(1,9 %) und Vollmilchpulver (-0,3 %) gehandelt. Für beiden Produkte sind dies die niedrigsten Preise seit Oktober 2011. Für Käse (Cheddar) fiel der Preisrückgang mit - 1,3 % erneut recht deutlich aus. Auch hier ist jetzt etwa das Preisniveau von Oktober 2011 erreicht, während die letzte Preisspitze von Juli 2011 um rund 20 % verfehlt wird.
 
Um 3,7 % zugelegt haben hingegen die Preise für wasserfreies Milchfett (AMF). Allerdings sind die Preise bei diesem Produkt in den Wochen zuvor regelrecht eingebrochen. Im Vergleich zum März 2011 sind Preise für Milchfett (AMF) jetzt 43 % niedriger, während Vollmilch- und Magermilchpulver etwa 26 % beziehungsweise 20 % weniger kosten als vor zwölf Monaten.

Spotmarktpreise schwächer

Anfang März haben die Spotmarktpreise beim Export europäischer Milchprodukte (fob Hafen) nachgegeben. In den zehn Wochen zuvor hatten sich die Exportpreise (außer bei Butter) kaum verändert. Auch diesmal waren die Preisabschläge bei Butter und Butteröl am stärksten. Hier betrug der Rückgang vier Prozent.
 
Aber auch bei Magermilchpulver waren leichte und bei Vollmilchpulver etwas stärkere Preisabschläge zu beobachten. Nach unten gingen auch die Preise für Molkepulver. An den ozeanischen Verladehäfen gaben Anfang März die Exportpreise für Käse (Cheddar) und für Butter am stärksten nach. Hier lag der Preisabschlag im Vergleich zum Februar ebenfalls bei rund vier Prozent. Die Exportpreise für Magermilchpulver gingen ebenfalls deutlich zurück, während man Vollmilchpulver zu unveränderten Preisen handelte.
 
Der vom Kieler ife-Institut auf Basis der Rohstoffwertung errechnete Milchpreis für Deutschland, hat im Februar ebenfalls um mehr als ein Cent je Kilo (Ct/kg) auf 30,6 Ct/kg bzw. nach der alten Berechnungs-Methodik auf 29,7 Ct und damit unter 30 Ct nachgegeben.

US-Terminmarkt: Milchpreise geben weiter nach

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
An den stark am Weltmarkgeschehen orientierten US-Terminmärkten haben die Rohmilchpreise von November bis März von 0,42 US-Ct/kg auf 0,34 US-Ct nachgegeben. Dieser Preisrückgang fiel stärker aus als noch am Ende des letzten Jahres erwartet wurde, denn die Erzeugung von Rohmilch übertraf ebenso die Erwartungen wie die Produktion von Milchprodukten. Bis April erwartet man derzeit einen weiteren Rückgang der Rohmilchpreise auf 33 Ct.
 
Eine vergleichbare Entwicklung war am US-Mart auch bei den meisten Milchprodukten zu beobachten. Insbesondere die Spotmarktpreise für Käse und Butter haben seit dem dritten Quartal 2011 um 20 bis 25 Prozent nachgegeben. Die Preise für Milchpulver haben sich hingegen etwas besser behauptet. Beim Export rechnet das USDA derzeit für 2012 mit einem Rückgang der US-Pulverausfuhren von etwa fünf Prozent und bei den fettbasierten Milcherzeugnissen mit einem Exportrückgang von zehn Prozent. Allerdings haben die US-Exporteure das Jahr 2011 auch mit einem neuen Rekord abgeschlossen und die Amerikaner haben insbesondere bei Käse und Magermilchpulver ihre Ausfuhren erheblich ausgebaut und Marktanteile hinzugewonnen.

Ist Deutschland fit für den internationalen Milchmarkt?

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