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Tiergesundheit

Das Wichtigste zu Botulismus

Mastbullen am Futtertisch
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Wiebke Herrmann, agrarheute
am
14.03.2018

Botulismus – eine Erkrankung mit tödlichem Ausgang. Die Ursache liegt meist im Futter. Wie Sie Ihre Rinder schützen lesen Sie hier.

In Südtirol sind 17 Rinder an Botulismus verendet. Die Tiere hatten die Giftstoffe wahrscheinlich mit dem Futter aufgenommen.

Botulismus ist eine Rinderkrankheit, die durch das Gift des Bakteriums Clostridium botulinum hervorgerufen wird. Das Botulinumtoxin gehört zu den stärksten, natürlichen Giften weltweit.

Die Bakterien sind im Erdreich weit verbreitet und kommen auch im Magen-Darm-Trakt gesunder Tiere vor. Die Giftstoffe werden jedoch nur unter bestimmten Umständen gebildet, vor allem beim Wachstum in sich zersetzendem organischem Material. Die Erreger wachsen nur unter Luftabschluss und kommen daher vermehrt in Silagen vor. Kleinere Mengen Sauerstoff führen jedoch nicht zum Absterben der Clostridien, sondern fördern als Stressfaktor die Toxinausschüttung.

Auslöser für Botulismus

Risikofaktoren für eine Kontamination des Futters mit dem Botulinumtoxin sind unter anderem:

  • Tierkadaver, die bei der Ernte oder Lagerung ins Futter geraten,
  • clostridienkontaminierter Vogelkot, der das Futter verunreinigt,
  • größere Mengen Sand oder Erde, die in die Silage gelangen,
  • Gülle, Festmist oder in Biogassubstrat als Dünger auf Grünlandflächen. Besonders riskant ist in diesem Zusammenhang das Düngen mit Geflügelmist.

Die Ursache für den klassischen Botulismus sind Toxine im Futter, das von den Rindern aufgenommen wird. Die Tiere erkranken aufgrund des Giftes zeitnah mit typischen Symptomen und typischem oder atypischem Verlauf.

Wissenschaftler der Tierärztlichen Hochschule Hannover konnten außerdem Anzeichen für den chronischen Botulismus nachweisen.

So macht sich eine Botulismuserkrankung bei Rindern bemerkbar

Das Botulinum-Toxin wirkt auf die Nerven, die die Muskulatur des Bewegungsapparates, die Zungen-, Kau-, Schluck- und Bauchmuskel sowie die Atemmuskulatur versorgen. Nach einer Erkrankung fallen zunächst ein Rückgang der Futteraufnahme und Milchleistung auf. Weitere typische Symptome sind:

  • Stolpern, ein unsicherer Gang
  • vermehrtes Liegen
  • gestörte Wasseraufnahme
  • Speicheln
  • gestörter Lidschlussreflex
  • Durchfall.

Beim typischen Krankheitsverlauf beginnt die Lähmung der Muskulatur am Kopf und breitet sich über den gesamten Körper aus. Den Tieren fällt das Kauen schwer, sie sind unfähig zu schlucken und die Zunge hängt aus dem Maul. Zudem liegen die Tiere mit zur Seite gelegtem Kopf fest. Letztendlich tritt der Tod durch Atemlähmung ein. Diese typischen Krankheitsanzeichen für Botulismus sind nicht an jedem Tier zu beobachten.

Meist ist die Krankheit zuerst an den Symptomen zu erkennen. Der Nachweis von Clostridium botulinum im Darm ist wenig hilfreich, da das Bakterium hier auch bei gesunden Tieren vorkommt. Möglich ist jedoch der direkte Toxinnachweis im Futter. Außerdem kann verdächtiges Material einige Tage bebrütet werden, sodass anschließend das Gift in einem Tierversuch nachgewiesen werden kann.

Bekämpfung von Botulismus

Ist ein Rind erkrankt sind die Erfolgschancen einer Therapie schlecht. Es sollte unverzüglich von der Herde getrennt werden, da es den Erreger über Sekrete ausscheidet und Artgenossen anstecken kann. Auch beim Behandeln des Tieres muss auf Infektionsschutz geachtet werden (tragen von Handschuhen, Hände und Kleindung gründlich waschen). Impfstoffe, um die Tiere vor einer Erkrankung zu schützen, sind in Deutschland nicht zugelassen.

Bei einem Botulismusfall muss das verdächtige Futter unschädlich entsorgt werden.

Botulismus verhindern

Sowohl die Bakterien als auch das Botulismustoxin nehmen die Rinder mit dem Futter oder Wasser auf. Daher muss hier darauf geachtet werden, dass der Eintrag so gering wie möglich gehalten wird.

  • Alle Futtermittel dürfen nicht mit Tierkadavern oder Kadaverflüssigkeiten in Kontakt kommen.
  • Der Eintrag von Sand und Erde in Silage muss so gering wie möglich gehalten werden.
  • Eine Kontamination des Futters mit Vogelkot sollte vermieden werden.
  • Bei der Silageherstellung sollte auf einen optimalen Silierverlauf geachtet werden.
  • Bei Botulismusfällen im Bestand dürfen Grünlandflächen nicht mehr mit Gülle gedüngt werden.
  • Überschwemmte Flächen sollten nach dem Abtrocknen und vor der Mahd auf verendete Kleintiere überprüft werden.
Mit Material von Ludwig-Maximilians-Universität München
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