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Wasserversorgung

Das wichtigste Futtermittel: Wie Sie Kühe richtig mit Wasser versorgen

Wasser ist das wichtigste Futtermittel. Damit die Tiere ausreichend davon aufnehmen, müssen nicht nur ausreichend Tränken vorhanden sein, sondern es muss auch die Qualität des Wassers stimmen.

am Dienstag, 04.10.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Laut Studien der Kansas State University in den USA saufen Kühe 40 Prozent des benötigten Wassers an zentral angeordneten Tränken. An entfernteren Tränken wird noch ein Viertel des Bedarfs aufgenommen und vor dem Melkausgang sind es rund 8 Prozent. Beim Planen eines Stallneu- oder Umbaus ist darauf zu achten, dass Tränken nicht nur in ausreichender Zahl, das heißt, pro Tiergruppe mindestens zwei und je 20 Tiere eine Tränke, sondern auch mit dem erforderlichen Wasserdurchfluss vorhanden sind. Sie sollten für alle Tiere stets gut erreichbar sein.

In Quergängen dürfen Tränken nicht zu einer Engstelle führen. Daher bietet es sich an, Ventiltrogtränken um 90 Grad gedreht anzubringen, sodass saufende Tiere den Weg nicht versperren. ie Tränkenhöhe muss an die Tiergröße angepasst sein. Kühe tauchen als sogenannte Saugtrinker das Flotzmaul wenige Zentimeter in die Wasseroberfläche ein und lassen dabei die Nasenlöcher frei.

Nicht aus Bachläufen saufen lassen

Besonders auf der Weide gilt es, die Wasserversorgung zu sichern, gerade auch vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung. Weidetränkefässer sind praxisüblich. Ist eine Quelle auf der Fläche vorhanden, kann mithilfe von Pumpen frisches Wasser angeboten werden. Das Saufen aus Bachläufen sollte unterbunden werden. Manche Larvenstadien von Magen-Darm-Parasiten halten sich dort auf und auch die Zwergschlammschnecke, die sich als Zwischenwirt für den großen Leberegel in feuchter Umgebung vermehrt.

Trinkwasser sparen

Gesammeltes Niederschlagswasser aus Zisternen sollte man nur als Brauchwasser und nicht als Tränkwasser verwenden. Man kann es jedoch mithilfe von integrierten UV-Entkeimungsanlagen zu Reinigungswasser verbessern. Insgesamt dürfte der Wasserbedarf in der Milchviehhaltung künftig weiter steigen. So wird zum Beispiel empfohlen, bei emissionsmindernden Laufflächen, die den Harn ableiten, Laufgangbefeuchtungen zu installieren. Aufgrund der heutzutage guten Stallbelüftung und hohen Verdunstung sind sie unabhängig von der Harnableitung grundsätzlich zu empfehlen, um Schmierschichten zu vermeiden. Ein eigener Brunnen ist für viele Betriebe wirtschaftlich, auch wenn je nach Bohrtiefe und sonstigen Standortbedingungen zunächst Investitionskosten in der Größenordnung von 50.000 Euro entstehen können. Wer Brunnenwasser vertränkt, sollte die Wasserqualität regelmäßig, am besten jährlich, prüfen lassen.

Entscheidend: Tränkwasserqualität

Seitens des Bundeslandwirtschaftsministeriums gibt es „Empfehlungen für Orientierungswerte zur Bewertung der physiko-chemischen Tränkwasserqualität im Sinne der Futter- und Lebensmittelsicherheit“. Hier wird für den pH-Wert ein Zielbereich zwischen größer 5 und kleiner 9 angegeben. Lösliche Salze sollten insgesamt unter 2,5 g/l liegen. Für die elektrische Leitfähigkeit, als Indikator für Einträge von Natrium, Kalium und Chlorid (zum Beispiel durch Harn oder Kot), gilt ein Grenzwert von unter 3.000 µS/cm.

Außerdem gibt es Empfehlungswerte für die chemische Tränkwasserqualität. Dabei geht es um die Tiergesundheit. So können zum Beispiel zu hohe Eisenkonzentrationen die Aufnahme anderer Spurenelementen wie Kupfer oder Zink behindern. Die biologische Qualität hängt von der Keimbelastung des Wassers ab. Es sollte frei von Salmonellen und Campylobacter sowie möglichst weitgehend frei von Escherichia coli sein. Die aerobe Gesamtkeimzahl sollte 1.000 kbE (koloniebildende Einheiten) je Milliliter bei 37 °C und 10.000 kbE/ml bei 20 °C nicht überschreiten. Um diese Standards einzuhalten, sind Trogtränken täglich zu kontrollieren, zu leeren und bei Bedarf zu reinigen.

Auf Schmierschichten in Tränken haben Bakterien gute Lebensbedingungen. Einem Verkoten sollte man baulich vorbeugen, indem man die Tränken auf einen Betonsockel setzt. Mithilfe von Spülvorrichtungen lassen sich Biofilme in Rohrleitungssystemen effektiv bekämpfen. Ventiltrogtränken neigen gegenüber Trogtränken weniger zum Verschmutzen, weil die Wasseroberfläche kleiner ist und der Wassernachlauf strudelt. Es wird jedoch diskutiert, ob eine ruhigere Wasseroberfläche der arttypischen Wasseraufnahme besser gerecht wird.

Tränken richtig anordnen

In der Nähe des Melkbereichs werden in der Praxis häufiger Trogtränken eingebaut, die im Alltag regelmäßiger überwacht und gereinigt werden. Ventiltrogtränken eignen sich besonders gut für Quergänge, insbesondere wenn sie parallel zur Wand angeordnet werden und trinkende Kühe anderen Tieren kaum den Weg versperren. Generell sollte man einen Quergang mit Tränke immer so breit wie einen Fressgang anlegen.

Alle Tränken sind frostsicher auszuführen. Das beginnt mit einer ausreichend tiefen Verlegung der Zuleitungen. Als Faustzahl kann man dafür grob 10 Prozent der Höhenmeter des Standorts in Zentimeter ansetzen, zum Beispiel bei 800 m über NN 80 cm. Wer im Milchviehstall auf Nummer sicher gehen will, verlegt die Leitungen unterhalb der Liegeboxen und installiert zwei unabhängige Kreisläufe. Dann ist im Falle einer Funktionsstörung die Wasserversorgung zuverlässig gewährleistet. Ergänzt wird das frostsichere Verlegen mit einer Wasserzirkulation und Begleitheizungen beziehungsweise einem Wärmetauscher mit Wärmeenergie aus der Milchkühlung.

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